Zu den jüngsten Bildern aus einem steirischen Schlachthof und welche Konsequenzen daraus gezogen werden sollten, hat sich Josef Kaltenegger, ehemaliger Parteiobmann des Team Stronach, bis 2014 Chefredakteur der Bauernbund-Zeitung "Neues Land" und heute Unternehmer im Lebensmittelbereich, Gedanken gemacht und diese auf Facebook sowie im landwirtschaftlichen Medium "top agrar" geteilt.

Kaltenegger, der selbst aus einer bäuerlichen Familie stammt, ortet einen "Selbstmord mit Anlauf" der heimischen Landwirtschaft.

Die Berichte über "fragwürdige Formen der Tierhaltung" würden den heimischen Schweine- und Geflügelbauern "das ökonomische Genick brechen", sofern man sich nicht zu einem "dramatischen Paradigmenwechsel bei vielen Fragen zur Tierhaltung" durchringe, etwa bei der Schlachtung und dem Umgang mit Tieren. "Wer hier Möglichkeiten für Kritik offenlässt, dem ist nicht zu helfen." 

"Gute Nacht, heimische Bauern"

Er kritisiert den Umstand, "dass man in Österreich beinahe täglich als Tierhalter medial an die Wand genagelt" werde, während die Standesvertreter schweigend zusehen würden. "Wenn Politik und Standesvertretung nicht den Mut und den Willen aufbringen, bei den Importen von Lebensmitteln rigorose Kontrollen einzuführen, und eine komplette Gleichstellung bei der Produktion von importierten Lebensmitteln erzwingen, dann gute Nacht, heimische Bauern." 

Wie soll der geforderte Paradigmenwechsel gelingen? Kaltenegger schlägt etwa einen neuen Weg bei der Verrechnung vor: "Jeder Unternehmer hat bei einer Rechnungslegung alle Kosten in seiner Rechnung drin, dazu einen Gewinnanteil. Dann funktioniert das Unternehmen. Bei den Bauern ist es in der Regel so, dass sie das bekommen, was übrig bleibt. So kann es nicht gehen."

Spielregeln müssen sich ändern 

Er fordert ein Ändern der Spielregeln. Dies beginnt bei einer "untauglichen gemeinsamen EU-Agrarpolitik", welche "Spielregeln für Konzerne gegen Bauern" mache. "Unsere Bauern müssen sich an Dutzende Auflagen halten. Bei importierten Lebensmitteln zu Billigstpreisen aus aller Welt interessiert es nicht, wie diese produziert werden", so Kaltenegger. Importierte Waren müssten teurer sein. Viele Landwirte würden den Lebensmittelhandel als Feindbild sehen – dabei sei dieser die Chance auf dem Weg zum Paradigmenwechsel. 

Zusatzleistungen der Bauern abgelten

Dem Bauer müsse es als Unternehmer möglich sein, Geld zum Investieren zu verdienen, fordert Kaltenegger. "Erst wenn man den Milchpreis bei 70 Cent ansetzt, zahlt es sich aus." Er nimmt die Butter als Beispiel: Rechne man Rohstoff- und Produktionskosten zusammen, müsse ein Viertel Butter etwa vier statt rund zwei Euro kosten. Er fordert einen Preis, der Produktionskosten und Gewinn beinhaltet. "Die Bauern übernehmen die Kulturlandschaftspflege. Der Tourismus baut darauf auf, was unsere Bauern gratis servieren. Warum wird das nicht abgegolten?"