Ohne Schuhwerk auf den Bergen unterwegs? Das ist grundsätzlich nicht die beste Idee. Die Schuhe geben Halt und schützen: Etwa vor Schlangenbissen, wie ein Steirer vor einiger Zeit auf der Frauenalpe feststellen musste.

Doch von vorne: Die 90-jährige Annemarie Kury verbrachte einige Tage auf der Bernhard-Fest-Hütte des Alpenvereins. Die Hütte befindet sich in der Nähe des Gipfels der Frauenalpe. Auf dem Weg zur ebenfalls nahen Apollonia-Kapelle begegnete Kury einer vierköpfigen Wandergruppe. Es stellte sich heraus, dass einer der Männer von einer Schlange gebissen worden war.

"Der Betroffene war ohne Schuhwerk unterwegs", so Kury. Ein Blick auf den Fuß des Mannes reichte, Kury erkannte sogleich, dass es sich um den Biss einer Giftschlange – wahrscheinlich einer Kreuzotter (Höllenotter) – handeln müsse. Die ehemalige Krankenschwester verständigte sofort die Bergrettung und zeigt sich davon begeistert, wie gut die Rettungskette anschließend funktioniert hat.

"Vorbildhafte Zusammenarbeit der Einsatzkräfte"

Ein Hubschrauber mit Notarztteam war schnell an Ort und Stelle: "Die Bergrettung ist ebenfalls gekommen – für den Fall, dass Hilfe durch den Hubschrauber nicht möglich gewesen wäre", so Kury. Der Mann wurde erstversorgt und anschließend ins Krankenhaus gebracht. "Der Fuß war bereits angeschwollen", so Kury, die sich selbst nicht in den Mittelpunkt stellen will, sondern die "vorbildhafte Zusammenarbeit der Einsatzkräfte".

Und die 90-Jährige will darauf hinweisen, dass das Tragen von festem Schuhwerk beziehungsweise das Mitführen der richtigen Ausrüstung in den Bergen sehr wichtig sei.

Unter Schock

Der Betroffene war aufgrund des Bisses rund zehn Tage in zwei Krankenhäusern. Er ist ein erfahrener Bergfex – und auch immer gut ausgerüstet. Die Schuhe trage er aber gerne mit sich, denn er mag den Kontakt zwischen Erde und bloßem Fuß: "Ich bin das gewohnt." Bei dem Trip im Bezirk Murau habe er plötzlich ein leichtes Brennen gespürt: "Dann habe ich noch gesehen, wie die Schlange sich fort geschlängelt hat", erzählt der Mann aus dem Bezirk Weiz. Erst ein paar Minuten später sei ihm bewusst geworden, was eigentlich passiert ist: "Ich stand auch ein wenig unter Schock." Der Fuß sei schnell angeschwollen, im Krankenhaus habe er extreme Ängste ausgestanden, dass er seinen Fuß verliert – oder Schlimmeres. Auch ihm ist wichtig, dass man darauf hinweist, dass festes Schuhwerk nicht schaden kann: "Das Ganze ist mir auch peinlich. Und eines ist fix: Ohne Schuhe werde ich nicht mehr unterwegs sein!"

Verwirrt und gestürzt

Schlangenbisse kommen in diesem Jahr wie berichtet in Österreich ungewöhnlich häufig vor. Im Bezirk Murau stehen sie zwar nicht an der Tagesordnung – Franz Güttersberger, Leiter der Bergrettungsortsstelle Murau, berichtet aber von Wanderern, die sich verirrt haben oder gestürzt sind. Es sei unter anderem wichtig, sich im Vorfeld über die Route zu informieren und dass beim Wandern auch entsprechende Handy-Apps hilfreich sein können. Neben der entsprechenden Ausrüstung solle man auch genug zu trinken mitführen. Die Gewittergefahr in den Bergen werde zudem gerne unterschätzt. Weitere wichtige Tipps, um Unfälle und Notlagen zu vermeiden, erfährt man unter https://bergrettung.at/tipps.

Der Hubschrauber transportiert den Mann ab
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