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Attacken auf das ZwerchfellHochgeschwindigkeitsritt aus der komödiantischen Absurdidätenkiste

"Zwei Männer ganz nackt" von Sébastien Thiéry im Theater Oberzeiring. Peter Faßhuber inszeniert, spielt seit Langem wieder einmal selbst. Donnernder Applaus des Premierenpublikums, es bleiben Fragezeichen.

Zwei Männer, hier nicht ganz nackt. Anwalt Kramer (Peter Faßhuber, l.) und Kollege Prioux (Christian Krall), ohne Erklärung für ihr Tun © Oberrainer
 

Er spielt wieder einmal selbst. Seit Langem. Aus der Übung? Eingerostet? Mon Dieux, natürlich nicht. Peter Faßhuber plagen weder das Zipperlein noch Gedächtnislücken, und für diesen heißen Hochgeschwindigkeitsgalopp aus der komödiantischen Absurdidätenkiste brauchen die Protagonisten beinahe eine Sondergenehmigung. Schneller als die Theaterpolizei erlaubt sozusagen. Das Premierenpublikum kommt manchmal kaum zum Luftholen für die nächste Attacke auf sein Zwerchfell, amüsiert sich prächtig bei diesem lockerfluffigen Menü im Theater Oberzeiring. Und wird mit einigen Fragezeichen in die laue Nacht entlassen. Lau wie die nackten Tatsachen auf der Bühne? Geht es um Tiefgründiges? Die Wahrheit steckt in der Matratze oder im Unterbewusstsein. Oder im Stau von Frust und Routine nach 25 Jahren Ehe. C’est la vie, so ist das Leben. Wir lachen lieber statt komplizierte Denkprozesse zu strapazieren: Traditionell starten die Oberzeiringer mit einer Komödie in die neue Saison, eine im besten französischen Sinn darf es sein.

Parallele

„Zwei Männer ganz nackt“ von Sébastien Thiéry wurde 2014 in Paris uraufgeführt, war 2015 für zwei Moliéres nominiert. Der Autor, Regisseur und Schauspieler Thiéry spielte selbst eine Hauptrolle – eine Parallele zu Regisseur Faßhuber, der den erfolgreichen Anwalt Alain Kramer gibt. Krameeeeeer, bitte betonen Sie exakt. Aber da ist noch jemand. Christian Krall, er zerzaust seinen blonden Schopf als Arbeitskollege Nicolas Prioux nicht minder temporeich. Splitterfasernackt reiben sie sich in Kramers Wohnzimmer den Schlaf aus den Augen, ob dieser unerklärlichen Tatsache zu Tode erschrocken. Homosexualität, Voodoo, Drogen? Das Jagdgewehr bringt keine Aufklärung, Kramers aus allen ehelichen Wolken stürzende Ehefrau Catherine ebenso wenig.
Ninja Reichert absolviert den Überraschungen-ohne-Ende-Ritt hinreißend. Will nicht an „splitternackte Kerle, die vom Himmel fallen“ glauben. Und nicht an die flugs gebastelte Geschichte eines ohne Unterhosen abgehaltenen Arbeitstreffens. „Wir ziehen uns gemeinsam aus und wir ziehen uns gemeinsam an. Wir sind ein Team.“ Der Kurzauftritt von Julia Faßhuber als angebliche Geliebte soll als Beweis dienen. Der Anwalt, ein Schwuler? Unerhört.

Ohne Vorwarnung

Köstlich, das Stück ist voll von kleinen, in grenzgenialem Witz getränkten Happen. Der auf einen unterhaltsamen Abend neugierige Besucher greift ohne Vorwarnung zu. Situationskomik im Sekundentakt, wir glauben gerne, dem Ensemble hat das Einstudieren richtig Spaß gemacht. Wohl wissend, die große Kunst der Komödie bedarf der ernsthaftesten Probenarbeit. Grandios das Spiel, gelungen das Bühnenbild, naheliegend wie treffend die musikalischen Einlagen. Alles andere als das französische Chanson wäre ein Fauxpas.
Liebevoll die Garderobe – ja, die Herren tragen auch Hemd und Hose – weil bunte Boxershorts wie muntere Socken unterstreichen das lockere Treiben. Donnernder Applaus.

"Zwei Männer ganz nackt"

Komödie von Sébastien Thiéry, Theater Oberzeiring: „Zwei Männer ganz nackt“. Regie Peter Faßhuber, Spiel Ninja Reichert, Julia Faßhuber, Peter Faßhuber, Christian Krall
Termine: 17., 20., 25., 30. November, 4., 7., 12., 14. Dezember, 4., 8., 11. Jänner, jeweils 20 Uhr
Information, Karten:
Tel. (03571) 200 43, www.theo.at

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