Gulasch, Würstl mit Saft, Russisches Ei und Schinkenrolle: Diese Gerichte stehen bei unserem Besuch auf der Speisentafel vor dem Grünhübl. Gerichte, die den einen oder anderen wohl nostalgisch werden lassen, sind sie doch Klassiker aus der 50er- und 60er-Jahren. Verspeist werden kann die Retrokost im entsprechenden Ambiente, denn das Lokal wurde im Jahr 1955 eröffnet – und seither hat sich an der Einrichtung nicht viel verändert.
An der Theke kann man es sich auf Barhockern der Zeit gemütlich machen – beeindruckend der Blick nach oben auf den stilechten gewölbten Himmel, der durch vier in Kupfer geschlagene Damen geteilt wird. „Sie heißen Eulalia, Kreszentia, Anastasia und Scholastika. Mein Vater hat sie so getauft“, erzählt Friedwald Schaffer.
Seine Eltern – Steffi und Fritz – haben das Café 1955 eröffnet. Die Örtlichkeit ist aber schon weit länger als Gaststätte bekannt, einst war dort das Gast- und Gesindehaus der Brauerei Grünhübl zu finden, die seit rund 100 Jahren Geschichte ist.
Steffi und Fritz Schaffer betrieben nicht nur die Gaststätte, sondern auch ein Hotel mit 34 Betten: „Es war immer ausgebucht“, erinnert sich ihr Sohn. 1982 übernahm Friedwald Schaffer, der die Hotelfachschule Bad Gleichenberg besucht hat. Das Hotel war irgendwann Geschichte, das Lokal blieb aber geöffnet, auch wenn Schaffer 1993 einen neuen Weg als Prokurist der Brauerei Stiegl eingeschlagen hat. „Ich habe das gern und erfolgreich gemacht und diesen Schritt nie bereut.“
25 Jahre lang wurde das Grünhübl verpachtet, nun wirkt der Besitzer der Räumlichkeiten als „mittätiger Ehegatte“ wieder in Küche und Service. Ehefrau Ute führt das Lokal als „Jungunternehmerin“, wie Friedwald Schaffer schmunzelt. Beide schupfen den Laden ohne Personal: „Das geht sich aus, der Betrieb ist klein genug“. Die 65-Jährige hat als Lehrerin gearbeitet und kennt das Lokal natürlich auch in- und auswendig.
„Nach meiner Pensionierung im Vorjahr ist der Wunsch gereift, wieder in der Gastronomie aktiv zu werden“, so Friedwald Schaffer. Und so kehrte der 63-Jährige Ende Juli, ohne groß eine Neueröffnung zu feiern, zu seinen Wurzeln zurück. Und dies mit Leidenschaft – „ich gehe richtig auf“ – und einigen Plänen. So soll im kommenden Jahr eine Art Wintergarten entstehen, aus dem Wurlitzer werden bald wieder alte Nummern aus den 50er- und 60er-Jahren erklingen.
Retro
Besuch im "schönsten Wohnzimmer Judenburgs"
Bis 1993 führte Friedwald Schaffer das Grünhübl in Judenburg – 25 Jahre später
kehrt er mit Frau Ute zurück zu den Wurzeln.
© Michaela Egger