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Sommergespräch aus dem MurtalOlympia-Medaillengewinner Willi Denifl: "Ich bin kein Stadtmensch"

Eine Olympia-Medaille krönte heuer die Karriere des Wahl-Murtalers und Nordischen Kombinierers Willi Denifl.

Zeit zum Entspannen bleibt Willi Denifl derzeit kaum © Sarah Ruckhofer
 

Im Tumult des Formel 1-Wochenendes sind sie gut beschäftigt: Willi Denifl und seine Nordischen Kombinierer-Kollegen posieren geduldig für Fotos, geben Autogramme und posen für Selfies. Der Gewinn der Bronze-Medaille bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang ist noch frisch in Erinnerung. Mitten im Trubel am Red-Bull-Ring haben wir Wahl-Weißkirchner Willi Denifl zum Interview gebeten.

Herr Denifl, gerade die Formel 1 ist ein Sport, bei dem ein großer Personenkult betrieben wird. Ist das etwas, was Sie in ihrer Sparte vermissen?
Jein. Einerseits will man natürlich erfolgreich sein und dafür auch Anerkennung bekommen. Andererseits, wenn du nirgends mehr hingehen kannst ohne erkannt zu werden, ist das auch nicht so fein. Aber als Sportler wünschst du dir schon Aufmerksamkeit, und wenn du viel davon hast willst du noch mehr.

Es scheint, als wären Sie mit der Olympia-Medaille einem großen Publikumskreis erst bekannt geworden.
Olympia ist wirklich groß. Ich hatte auch zuvor Erfolge, aber Olympia ist offenbar einfach mehr wert. Ich habe jetzt viel mehr Termine, aber es macht wirklich Spaß.

Zur Person

Willi Denifl wurde am 10. November 1980 in Rum
(Tirol) geboren.
Der Sportler hat zwei Schwestern. Mit seiner Ehefrau Ute und den gemeinsamen Töchtern Nina und Hanna lebt er in Weißkirchen.
Hobbys: Radfahren, Motorradfahren, Tauchen, Tennis.
Bei den Olympischen Winterspielen gewann er im Teambewerb Bronze.
2003 wurde Denifl mit dem Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ausgezeichnet.

Ist so eine Medaille Motivation, oder steigert sie eher den Druck?
Mein Antrieb war immer, ich wollte vorne mit dabei sein. Ich wollte nie dastehen und mir vorwerfen müssen, nicht alles gegeben zu haben. Ich hab’ auch schlechtere Zeiten erlebt, und das ist gut so. Wenn du immer oben bist, kannst du nie sagen, wer deine Freunde sind und wer nur Schulterklopfer. Durch die Olympiamedaille ist bei mir ein großer Druck abgefallen, ich war wahnsinnig erleichtert. Das war das letzte, was gefehlt hat. Jetzt bin ich viel gelöster und will einfach nur schauen, was noch geht.

Aufhören ist also kein Thema?
Heuer nicht. Eine Saison will ich noch machen, danach werde ich zu 99 Prozent aufhören. Ich bin mit 37 jetzt schon der Älteste im Weltcup

Als Kind wollten Sie Dompteur werden. Eine zweite Karriere?
Mich haben Löwen und Tiger immer fasziniert (lacht). Die Eleganz, die Gewalt, das war immer der Höhepunkt im Zoo. Und sie schauen so nett aus, als könnte man sie streicheln. Aber das machst’ wohl nur einmal.

Sie sind vom Tiroler zum Steirer geworden...
In Tirol habe ich alles gekannt. Für die Karriere ist es gut, einmal etwas Anderes zu machen. Ich bin jetzt fünf Jahre da im Murtal, und entdecke immer noch Neues.

Ein Umzug in eine Stadt war nie Thema?
Nein, ich bin absolut kein Stadtmensch. Meine Frau hat einmal in Salzburg gewohnt, aber diese Anonymität ist nix für mich. Nicht mal den Nachbarn hast du da gekannt. Ich liebe unser Dorf, habe hier einen großen Freundeskreis. Das macht viel mehr Spaß als in der Stadt.

Sie haben zwei Töchter. Ermutigen Sie sie, ebenfalls in den Profisport zu gehen?
Ich ermutige jeden, Sport zu machen, raus zu gehen in die Natur und etwas für sich selbst zu machen. Ich unterstütze meine Kinder bei jedem Sport, den sie machen wollen. Meine Große ist jetzt sieben und hat heuer mit dem Skitraining begonnen, das macht ihr großen Spaß. Was sie von mir nie hören werden, ist: Du musst das machen, du musst Ergebnisse bringen. Mein Vater ist immer hinter mir gestanden, aber er hat mich nie unter Druck gesetzt.

Wie verbringt ein Wintersportler den Sommer?
Ehrlich? Mit Training. Nach dem Finale war ein Tag Pause, dann ging es nahtlos weiter. Die Hauptarbeit passiert im Sommer: Ski testen, Kondition aufbauen, Ausdauer trainieren. Ich gehe viel Laufen, Radfahren, Tennis spielen, mache Mentaltraining. Im Prinzip ist jeder Tag zu kurz (lacht). Im letzten Jahr hatte ich das erste Mal seit sieben Jahren eine Woche frei, heuer fliegen wir nach Griechenland. Das tut schon gut.

Wo ist für Sie Heimat?
Heimat ist, wo du dich wohlfühlst. Manche könnten nie am Land leben, andere, wie ich, nie in der Stadt. Heimat ist für mich Familie – da, wo wir einfach nach draußen gehen können spielen. Ohne groß Nachdenken.

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