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St. Lambrecht

"Blick hinüber": Lambrechts emeritierter Abt legt zwei Bücher vor

Ikonen, Meditationstexte, Druckgrafiken, Psalmen und die Suche nach dem Echten. Lambrechts Abt Otto Strohmaier, am 15. März 80 Jahre alt, macht mit der Sprache von heute die Kraft uralter Gebete zugänglich.

„Ein fragender Blick“, eine gewiss nicht gewöhnliche Darstellung einer Muttergottes. Otto Strohmaier hat nicht herausgefunden, woher sie stammt © repro perstling bzw. zens
 

Ein fragender Blick. Nicht nur, er ist herausfordernd. Otto Strohmaier hat nicht herausgefunden, woher die Dame stammt. Gemalt, geschrieben, hat er sie aber, diese Muttergottes. Wie viele andere Ikonen, etliche fordern jene Menschen, die sich auf das Echte, Tiefgründige, Unverkitschte einlassen wollen, in seinem jüngsten Buch „Ein Blick hinüber“. „Hört er mich?“ fragt Lambrechts emeritierter Abt in seinem zweiten aktuellen Werk. Dafür hat er zu Psalmen ebenso Meditationstexte entworfen, dazu luftige Druckgrafiken in erdigen wie sonnigen Farben, wie man sie aus seiner Hand bisher nicht kennt.

 

Abt Otto Strohmaier, ein kunstsinniger Mensch mit Gefühl für das Echte Foto © Bettina Oberrainer

Ja, der Geistliche zeigt sich in munterer Frische kurz vor seinem 80. Geburtstag. „Zunächst einmal lache ich.“ Ist ja auch ein Witz, unglaublich, „dass ich wirklich schon 80 bin“. Natürlich interessiert uns, was die unbekannte Gottesmutter, die inkognito zur inneren Erschütterung verführt, Abt Strohmaier fragt. Vielleicht: Hältst du meinen Blick aus? Hältst du mich aus? Und was halten wir durch eine Überdosis an Bildern, Werbung, Computer zur Flüchtigkeit Erzogene aus?
Der Abt erklärt, vor Ikonen muss man stehen bleiben, lange schauen. Dann können sie zu Tränen rühren, weiß der emotionale Schreiber. Nicht allein die Schöpfung ist für ihn Emotion, es wirkt auch vermeintlich Banales: „Ich kann mich wahnsinnig freuen über einen Tag wie heute. Sonne, Schnee, Vogelgezwitscher ...“ Und natürlich über Musik, Emotion pur. Mozart, Beethoven, Leo Cohen.

Total lässig

Der Abt, er hat ein Gespür für Echtes, lehnt alles Verlogene, Falsche ab. Will mit der „total lässigen“ Sprache von heute – Copyright Ernst Wachernig, sein redaktioneller Begleiter und Lektor – die Kraft uralter Gebete zugänglich machen. Weil der tiefere Sinn dahinter aktuell brennt. „Kranke, Krieg, Einsamkeit, gibt es auch heute noch.“ Und so schreibt Strohmaier zu Psalm 42 über den unstillbaren Durst der Konsumgesellschaft, über „die Menschenmassen, die beim Oktoberfest sich vollrinnen lassen, die Jugendlichen am Wochenende, gierig nach dem berauschenden Event“. Er formuliert beherzt poetisch: „Werden sie endlich trinken von dir, der Quelle lebendigen Wassers? Werden sie ankommen an heiligen Orten, bebenden Herzens und tränenüberströmt ...“

Schlichtheit

Wonach also Ausschau halten? Erneut kennt Strohmaier keine Scheu vor Schlichtheit: Ganz klar nach einer besseren Welt, auch wenn das jeder sagt. Allerdings: „Solange es diese Welt gibt, wird es keinen echten Frieden geben, das schaffen die Menschen nicht alleine, dafür muss Christus kommen.“ So einfach, so überirdisch. Der Blick hinüber, das Weinen und Jauchzen der Psalmen. Sicher kein Labsal für jedermanns Geschmack, aber die ernsthaft nach dem Sinn des Lebens Suchenden, die einsamen Sprachlosen, könnten in den Büchern medidative Hilfe finden.
Am Tag unseres Gesprächs bricht Otto Strohmaier später auf nach St. Blasen zu einer jungen Familie, die Taufe eines neuen Erdenbürgers wird besprochen. Ist auch irgendwie Aktuelles mit tieferem Sinn. Sophia, „die Weise“, wird das Mädchen heißen.

 

Die Feierstunde

Otto Strohmaier, geb. am 15. März 1937 in Halltal bei Mariazell, seit 1957 in der Benediktinerabtei St. Lambrecht. Abt von 1982 bis 2013, Seelsorger, Exerzitienbegleiter. Die zwei Bildbände anlässlich seines 80. Geburtstages zeigen sein Wirken als Ikonenmaler und geistlichen Autor, sie werden in einer Feierstunde im Kaisersaal am 18. März präsentiert. 19 Uhr. Information:
Tel. (03585) 2305

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