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Renaturierte Mur

Wie die Mur von der Kloake zum Vorzeigefluss wurde

Die Renaturierungen der Mur haben es ins Finale eines internationalen Umweltpreises geschafft. Der Fluss brachte es von der einstigen Kloake zum Vorzeigegewässer. Von Günter Pilch

Die Grenzmur zu Slowenien gilt heute als Vorzeige-Flussabschnitt © KK
 

Karl Schober weiß es noch gut: „Es war eine schwarze Brühe. Es hat gestunken und die Fischernetze mussten regelmäßig ausgeschüttelt werden, weil sich Zelluloseteile verfangen haben. Die Fische hatten Pilzerkrankungen.“ Den Südsteirer, der an der Grenzmur zu Slowenien aufgewachsen ist, schüttelt es noch heute, wenn er daran denkt, wie die Mur bis in die 1980er hinein ausgesehen hat.

Inzwischen hat sich das geändert. Die Mur ist nicht nur sauberer geworden, der Fluss der Steirer ist zum internationalen Vorzeigegewässer aufgestiegen. Im vergangenen Jahr wurden die Arbeiten zur Renaturierung des Flusses mit dem „European River Prize“ ausgezeichnet. Am Dienstag setzte es den nächsten Erfolg: Eine Steirer-Delegation durfte im australischen Brisbane den zweiten Platz beim weltweit ausgeschriebenen „Theiss International Riverprize“ feiern. Im Finale mussten sich die Steirer gemeinsam mit einem Projekt am Jordan-Fluss nur der Renaturierung des australischen Lake Eyre Basin geschlagen geben. „Es war knapp, aber wir sind stolz auf den Erfolg und konnten unser Projekt einem Expertenforum aus der ganzen Welt präsentieren“, sagt Rudolf Hornich von der Wasserwirtschaftsabteilung des Landes.

Grafik: Die Renaturierungen an der Mur Foto © Grafik

Dass es überhaupt so weit kommen konnte, ist einer ökologischen Kehrtwende zu verdanken, die in den frühen 1980ern eingesetzt hat. Bis dahin ließen die Firmen und Gemeinden entlang der Mur ihre Abwässer praktisch ungeklärt ins Murwasser fließen. Der Fluss wurde zur dunklen, schäumenden Kloake – bis das Land einen Schlussstrich zog. Die Verschmutzungsquellen wurden systematisch ausgeschaltet, über die Jahre besserte sich die Wasserqualität wieder.

Doch immer noch war der Fluss schwer lädiert. Im späten 19. Jahrhundert hatten die Steirer die Mur in ein enges Korsett gepresst, den ursprünglich mäandernden Flusslauf begradigt, um ihn besser kontrollieren zu können. Es sollte Jahrzehnte dauern, bis die ökologische Sünde erkannt wurde. Ein Gutteil der einstigen Murauen war da schon vertrocknet, die Fischarten hatten sich radikal dezimiert. Die unpassierbaren Wasserkraftwerke des 20. Jahrhunderts verschlimmerten die Lage.

Tourismus lebt auf

Mitte der 1990er-Jahre begann die zweite Phase der ökologischen Kehrtwende. An der Grenze zu Slowenien und am Oberlauf der Mur begann das Land gemeinsam mit Zivilingenieuren, dem Fluss seinen ursprünglichen Verlauf zurückzugeben. Allein an der 40 Kilometer langen Grenzmur wurden dafür 50 Hektar Land von privaten Eignern abgelöst. Altarme wurden reaktiviert, Retentionsräume geschaffen. 14,5 Millionen Euro, zur Hälfte aus EU-Mitteln gefördert, sind seither in derartige Projekte geflossen. Maßnahmen, die für Landesrat Hans Seitinger auch „einen enormen touristischen und Naherholungscharakter“ haben.

Ein Punkt, den Karl Schober unterstreichen kann. Mitten im ökologischen Aufstieg der Mur gründete der Südsteirer Ende der 1990er seine Firma „Mur pur“, die Abenteuerbootsfahrten auf der Grenzmur anbietet. „Heute kommen die Gäste von überall her und sind begeistert von diesem schönen Fluss“, sagt Schober. „Die Anstrengungen haben sich bezahlt gemacht.“ Das weiß man jetzt auch in Australien.

Kommentare (6)

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der wurm
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wird der Preis wieder....

.... aberkannt, wenn das nächste Teilstück vom Murwald in Zeltweg fertiggerodet ist um eine Verhüttungsanlage zu errichten, bei der geplant ist, dass
Zitat UVE:
"Wasserteilströme Prozesswasser, Kühlwasser und Oberflächenwasser in die Mur abzuleiten."

=)

Ich bin auch stolz auf unsere Politiker.
Zumindest auf jene, denen unser Lebensraum am Herzen liegt und mit HERZ + VERSTAND agieren.

Das meint halt der Wurm, der wie immer im Detail steckt.

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28d22avoq5uuv9aaqkb3nt63pa04k85o
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... "zum Vorzeigefluss": Wir Steuerzahler(-innen) ließen uns das aber auch ...

viel Geld kosten und unterstützten die Wirtschaft großzügigst, um unser Wasser als Lebensader zu verstehen.

Seinerzeit als Mistkübel der Industrie verstanden, hat endlich die Vernunft gegriffen!

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Efried
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Respekt und Skandal

nicht zu vergessen was auch auf der slowenischen Seite geleistet wurde. In Radkersburg ist die österr. Seite mau.
Ein Skandal ist aber dass beim Kraftwerk Gössendorf der Wald jenseits des linksseitigen Damms nicht als Auwald reaktiviert wurde.

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flachzange
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Man kann den Politikern viel unterstellen, aber wie man wieder unsere Mur auf Vordermann gebracht hat: RESPEKT!

Der beste Beweis is eh eine Tour entlang des Murradweges. Toll.

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28d22avoq5uuv9aaqkb3nt63pa04k85o
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Und überhaupt ... machen Beamte ihre Aufgaben ...

"unsere Politiker" präsentieren, ansonsten sind's für d'Fisch.

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28d22avoq5uuv9aaqkb3nt63pa04k85o
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Besonderen "RESPEKT" dafür, dass sie ihren Aufgaben gerecht werden?

Ganz im Gegenteil, gehörte ihnen noch sauber untergeheizt, wo sie säumig sind:

Die Schwarze Sulm, nur schwarzen Politikern?

"Es ist ja alles so kompliziert" :-(

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