Kapfenberg, BruckSportvereine suchen nach neuen Geldgebern

Heribert Krammer zieht sich als Sponsor von Basketball und Tischtennis zurück. Der finale Akt einer Meinungsverschiedenheit.

Ein Bild aus harmonischeren Tagen: Fritz Kratzer, Heribert Krammer und Bulls-Obmann Oliver Freund (v. l.) mit dem Supercup 2017
Ein Bild aus harmonischeren Tagen: Fritz Kratzer, Heribert Krammer und Bulls-Obmann Oliver Freund (v. l.) mit dem Supercup 2017 © GEPA
 

Mit einem 4:0-Heimsieg über Mauthausen gelang den KSV-Tischtennisspielern am vergangenen Wochenende ein perfekter Saisonauftakt. Ganz ungetrübt ist die Freude bei Obmann Wolfgang Heimrath jedoch nicht, musste er doch auf dem finanziellen Parkett einen herben Rückschlag hinnehmen: Heribert Krammer, Chef des Einkaufszentrums ece, beendet sein Sponsoring. „Wir sehen uns als Spielball zwischen Wirtschaft und Politik und wissen nicht, wie wir diese finanzielle Lücke schließen sollen“, sagt Heimrath.

Schließlich steigt Krammer nicht nur mit sofortiger Wirkung bei den Tischtennisspielern aus, sondern im kommenden Jahr auch bei den Basketballern der Bulls. „Ich bin nicht der ,Teschek’ der Nation und kann nicht immer nur geben und geben“, sagt Krammer im Gespräch mit der Kleinen Zeitung. Er vermisst die Unterstützung der Stadtgemeinde, sowohl im Bezug auf eine neue Basketballhalle als auch auf die Ansiedelung eines großen Handelsunternehmens. Besagte Großdrogerie hätte Krammer gerne bei sich im ece begrüßt, nun siedelt sie sich allerdings in Apfelmoar an.

Fokus liegt auf der Mehrzweckhalle

Während die Stadtgemeinde eine neue Basketballhalle samt Betriebskosten finanziell nicht stemmen kann und auf die dringend notwendige Sanierung der Eis- bzw. Mehrzweckhalle verweist, sagt Bürgermeister Fritz Kratzer zur Betriebsansiedlung: „Wenn auf der fraglichen Fläche die Widmung passt und auch sonst alles in Ordnung ist, werden wir keine Ansiedelung verbieten, da wären wir im Bereich des Amtsmissbrauchs.“

Außerdem, so Kratzer, sei weder der Stadt noch Krammer selbst geholfen, wenn besagtes Unternehmen sich 100 Meter weiter in der Nachbargemeinde St. Lorenzen ansiedelt: „Da geht es um Jobs und Steuern für Kapfenberg.“

Die Bulls wiederum haben in den vergangenen Jahren ein dichtes Netzwerk an zusätzlichen Unterstützern auf die Beine gestellt, um auch bei einem Abgang Krammers möglichst gut aufgestellt zu sein. So wird etwa der Verbleib des serbischen Spielmachers Bogic Vujosevic durch das heimische Klimatechnik-Unternehmen „Miwas“ ermöglicht.

Du brauchst als Verein eben Personen mit einem guten Netzwerk, um weitere Sponsoren an Bord zu holen.

Christian Mayer, Sportreferent der Stadt Bruck
 

Dieses Netzwerk ist vor allem im Sport von großer Bedeutung, weiß der Brucker Sportreferent Christian Mayer. Die Gemeinde selbst war intensiv daran beteiligt, die Brucker Handballer 2016 nach dem Ausstieg Krammers – er hatte die fehlende Unterstützung anderer Brucker Wirtschaftstreibender beklagt – auf neue Beine zu stellen. In den sechs Jahren zuvor hatte der Verein vor allem dank Krammer den Sprung in die höchste Spielklasse geschafft. „Zum einen gab es eine Rettungsaktion der Gemeinde, zum anderen musste der gesamte Apparat verschlankt werden“, erzählt Mayer. Davon betroffen waren sowohl die Wohnungen als auch die Autos der Spieler, zudem wird seitdem mehr auf Ehrenamtlichkeit gesetzt. „Und du brauchst als Verein eben Personen mit einem guten Netzwerk, um weitere Sponsoren an Bord zu holen“, sagt Mayer. Als Beispiele aus dem Brucker Sportwesen nennt er beispielsweise Harald Holzgruber von Inteco (Tennis), Andreas Appel von Kfz-Grill (Fußball) oder Jörg Leichtfried, seit dem heurigen Sommer Präsident der örtlichen Handballer.

Wie mühsam die Suche nach Sponsoren – mitunter auch im wirtschaftlich so erfolgreichen Mürztal – sein kann, weiß auch Erwin Fuchs, Präsident der KSV-Fußballer: „Wir haben unsere Breite an Sponsoren eher außerhalb der Region, etwa aus dem Murtal oder dem Wiener Raum.“ Den Rückzug Krammers aus der heimischen Sportlandschaft bedauert Fuchs, „weil er viel für den Sport getan hat und immer ein offenes Ohr gehabt hat, auch für andere Sparten im Sport“.

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