Man könnte sagen: Koch Andreas Krainer hat für Bauer Karl-Heinz Fraiss die Kartoffeln aus dem Feuer geholt. Denn noch vor ein paar Tagen wusste Letzterer nicht, wie es mit ihm und seinen 9000 Kilogramm Erdäpfel weitergeht.

Doch alles einmal auf Anfang. Fraiss baut seit vielen Jahren auf ungefähr 5000 Quadratmeter Acker im Kindberger Ortsteil Hadersdorf Erdäpfel an, einerseits die „rotschalige Laura“ und andererseits eine sehr alte Haussorte. „Das ist so ziemlich das Maximale, was man ohne ganz große Maschine bewältigen kann“, sagt Fraiss. Der Aufwand dahinter sei gerade als Bio-Bauer sehr groß, aber: „Man schmeckt schon, dass unser Boden noch lebt.“

Die Ernte war gut

Trotzdem hatte Fraiss zuletzt zu hadern: „Ich habe wirklich überlegt, aufzuhören und heuer keine Erdäpfel anzubauen. Es rechnet sich so einfach nicht mehr. Die Ernte war gut, aber ich hab‘ keine Abnehmer mehr gefunden“, sagt Fraiss. Neben Privatpersonen würden im Mürztal auch immer weniger Betriebe auf heimische Ware setzen: „Die günstigen Preise im Großhandel spielen da eben eine Rolle.“

Karl-Heinz Fraiss mit einem seiner Erdäpfel
Karl-Heinz Fraiss mit einem seiner Erdäpfel © KLZ / Markus Lösel

Dazu kommt, dass die Erdäpfelernte letztes Jahr generell wieder gut ausfiel. Mit einem Ertrag von rund 804.000 Tonnen waren die heimischen Lager nach zuvor eher schlechteren Jahren wieder bestens gefüllt. In Deutschland mussten Landwirte sogar ihre Kartoffeln verschenken oder wegschmeißen.

Haubenkoch half aus

Dieses Schicksal drohte auch einem Teil der Fraiss-Erdäpfel. Doch mit Andreas Krainer vom gleichnamigen Hotel-Restaurant in Langenwang blieb Fraiss nicht nur einer der größten Abnehmer treu, sondern setzte sich auch dafür ein, dass er seine Kartoffeln woanders unter die Leute bringen konnte. „Als er mir von seiner Lage erzählt hat, habe ich gleich zu kurbeln begonnen und Nachrichten in verschiedene Gruppen geschrieben. Seine Erdäpfel sind einmalig und er ist als Lieferant sehr verlässlich“, sagt Krainer.

Und das hat sich mittlerweile gut herumgesprochen. Von Leibnitz bis Bad Aussee lieferte Fraiss seine Erdäpfel aus. „Mittlerweile sind sogar alle weg. Mein Telefon hat die letzten Tage durchgeläutet. Manchen war auch der Preis egal. Die waren nur froh, gute Erdäpfel zu bekommen“, so Fraiss.

Haubenkoch Andreas Krainer (l.) ist langjähriger Kunde bei Fraiss
Haubenkoch Andreas Krainer (l.) ist langjähriger Kunde bei Fraiss © KLZ / Markus Lösel

Nichtsdestotrotz gab dem Bio-Bauern die diesjährige Situation zu denken: „Viele sagen, wie wichtig ihnen die regionalen Produkte sind, aber kaufen dann trotzdem nicht regional ein.“ Auch dass immer mehr freie Flächen, auf denen Bauern sonst ihre Felder haben, verbaut werden, ist ihm ein Dorn im Auge: „Dann wird das halt alles einmal wegfallen.“ Die nächsten Erdäpfel von Fraiss gibt es nun jedenfalls wieder ab September.