Im Herbst des Vorjahres wurde bekannt, dass eine hohe Zahl an Arbeitsplätzen bei den Werken der Voestalpine in Kindberg und Mürzzuschlag abgebaut wird – von 340 gestrichenen Jobs an beiden obersteirischen Standorten war die Rede. Die Kündigungsfristen erstrecken sich laut dem AMS Mürzzuschlag bei Arbeitern bis Ende Juni, bei Angestellten sind sie sogar teilweise noch länger. Dort macht sich der Abbau nun auch bei den Arbeitsmarktzahlen bemerkbar, mit Ende Februar waren 57 Voest-Mitarbeiter bei der Regionalgeschäftsstelle des Arbeitsmarktservice vorgemerkt. Mehr als hundert sollen noch dazukommen, erwartet man.
Dieser Wert trägt auch dazu bei, dass im Arbeitsmarktbezirk Mürzzuschlag, der den ehemaligen politischen Bezirk darstellt, die Arbeitslosenzahlen im Februar angestiegen sind. Im Vergleich zum Vorjahr waren 56 Personen mehr beim AMS vorgemerkt. Die Zunahme umfasst in diesem Monat auch Frauen, die aus Krankenständen oder Kinderbetreuung auf den Arbeitsmarkt zurückkehren, wie Geschäftsstellenleiterin Elfriede Saufüssl erklärt. Die Arbeitslosenquote von 5,8 Prozent stellt in der Steiermark aber den zweitgeringsten Wert dar, der Durchschnitt liegt bei 8,5 Prozent.
Weltpolitische Lage beeinflusst
„Wir sind durch die bisherigen Entwicklungen gut durchgekommen, gehören zum Beispiel nicht zum Auto-Cluster“, sagt Saufüssl. „Im Moment sind die Kündigungen tragisch, weil Existenzen und Familien daran hängen, aber solange es nicht weiter bergab geht, besteht noch kein Grund zur Sorge.“ Aufträge seien an beiden Voest-Standorten da, aber „es hängt alles stark von der weltpolitischen Lage ab“. Die Auswirkungen des jüngsten Kriegs im Nahen Osten, etwa auf die Energiepreise, kann freilich ebenfalls noch niemand abschätzen.
Jene, die wissen, dass sie abgebaut werden, hätten sich bereits auf die Suche nach anderen Arbeitsplätzen begeben. „Gut ausgebildete Voestler sind bei anderen Betrieben gefragt“, sagt Karin Edlinger-Juricek vom Service für Unternehmen des AMS. Firmen im Mürztal nehmen vereinzelt solche auf, ganze Abteilungen werden aber nicht übernommen. Die Lebensläufe der gekündigten Mitarbeiter unterscheiden sich auch stark in Bezug auf Alter, Ausbildung und auch Gesundheitszustand. „Es sind auch viele dabei, die mit Metallbetrieben eigentlich nichts zu tun haben und woanders wieder unterkommen“, so Saufüssl.
Stiftung als Chance
Dazu gibt es bei der Voest auch das Privileg der Stahlstiftung, ein Dutzend Personen aus dem jüngsten Abbau sind derzeit als Teilnehmer vorgemerkt. „Für jene, die nicht ihr ganzes Leben in der Produktion bleiben wollten, ist das eine große Chance“, so Saufüssl. Manche holen etwa die HTL-Matura nach, andere wechseln in völlig andere Bereiche wie etwa die Gesundheit.
Dabei will man beim AMS auch betonen, dass dieses Angebot nicht nur für Jüngere gilt. „Es ist auch mit 55 noch nicht Ende“, sagt Thomas Rosegger, stellvertretender Abteilungsleiter beim Jobservice. Er betreut all jene Voest-Mitarbeiter, die in der Stiftung sind. „Viele nutzen dieses Angebot“, sagt er. Geschäftsstellenleiterin Saufüssl ergänzt: „Wenn die Zeit, die nach der Ausbildung bleibt, die Dauer dieser um das Doppelte übersteigt, macht das aus arbeitspolitischer Sicht immer Sinn.“ Zudem gibt es auch weitere Förderschienen des AMS, darunter seit diesem Jahr die „Aktion 55+“. Diese soll dazu beitragen, dass Über-55-Jährige wieder schneller am Arbeitsmarkt Fuß fassen.