Es ist Licht am Ende des Tunnels: Mit dem Tunneldurchschlag im Vorjahr sind beide Röhren des Semmering-Basistunnels fertig gegraben und die Gemeinden Mürzzuschlag und Gloggnitz (Niederösterreich) unterirdisch miteinander verbunden. Für das 4,2 Milliarden-Euro-Projekt, das sich über eine Strecke von 27,3 Kilometern unter dem Semmering hindurchschlängelt, ist damit ein wichtiger Meilenstein erreicht – Grund genug zum Feiern.

Dazu fanden sich am Freitag zahlreiche niederösterreichische und steirische Spitzenpolitiker und hohe Funktionäre der ÖBB in Gloggnitz ein. Die Parteifarben mögen verschieden sein, von der Bedeutung des Bauprojektes waren sie aber offensichtlich alle überzeugt. Dementsprechend wird der Tunnel in den einzelnen Festreden mit Superlativen überschüttet: Begriffe wie „Meilenstein“, „revolutionär“, oder „schwer beeindruckend“ jagen einander förmlich auf der Bühne des Festzeltes.

Und das, obwohl die Arbeiten nicht immer einfach waren: „Die Wassereinbrüche haben uns immer wieder zurückgeworfen und Semmering hat seine geologischen Facetten bis zum Schluss gezeigt“, berichtet Manuela Waldner, ÖBB-Vorstandsmitglied und Chief Financial Officer. Zu Beginn der Veranstaltung wurde auch bei einer Schweigeminute den vier tödlich verunglückten Arbeitern gedacht.

Zwischen 2020 und 2023 sind vier Arbeiter auf der Baustelle verstorben
Zwischen 2020 und 2023 sind vier Arbeiter auf der Baustelle verstorben © KLZ / Moritz Prettenhofer

Dementsprechend groß fällt der Dank gegenüber den Mineuren aus: „Ihr wart und seid der Motor dieses Projektes“, lobt etwa Niederösterreichs Landeshauptfrau-Stellvertreter Udo Landbauer und Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner ergänzt: „Hinter diesem Projekt steckt richtige Ingenieurskunst und viel Risiko. Man kann nur wünschen, dass die Heilige Barbara weiterhin die schützende Hand über die Arbeiter hält.“

Johanna Mikl-Leitner bedankte sich bei den Tunnelarbeitern
Johanna Mikl-Leitner bedankte sich bei den Tunnelarbeitern © KLZ / Moritz Prettenhofer

Gebraucht wird deren wachsames Auge noch bis 2030, wenn der Tunnel für den regulären Verkehr freigegeben werden soll: „Wie es bereits 1854 [Anm. Eröffnung der Ghega-Bahn über den Semmering] der Fall war, als es ‚Freie Bahn‘ über den Semmering hieß, wird es dann ‚Freie Bahn‘ durch den Semmering heißen“, schmunzelt Waldner. Mit bis zu 230 km/h werden die Züge dann unter der Bergkette hindurch rasen, für die Fahrtzeit zwischen Wien und Graz bedeutet die Eröffnung eine Ersparnis von rund 50 Minuten.

Nächster Schritt: Innenausbau

Bis es allerdings in fünf Jahren so weit ist, gibt es auf der Baustelle noch einiges zu tun: So wird der 2020 begonnene Innenausbau, bei dem der Tunnel mit einer zweischaligen Innenschale aus Beton ausgekleidet wird, auf den letzten zehn Kilometern finalisiert. „Während vorne gegraben wurde, hat man dahinter bereits gearbeitet“, erklärt Projektleiter Gerhard Grobiet bei einer Begehung des fertig-gegrabenen Tunnels. Bereits in diesem Sommer beginnt man dann mit dem Verlegen von Gleisen, Leitungen und dem Einbau der nötigen technischen Anlagen.

Bilder aus dem Tunnel