Heute Frankreich, morgen Spanien, übermorgen Portugal – ganz nach dem Motto "Der Weg ist das Ziel", am Vortag noch nicht wissen, in welcher Traumkulisse man am nächsten Morgen aufwacht. Für viele Menschen klingt das nach einem absoluten Traum. Für Sascha Kosatschow und seine Partnerin Franziska Daun ist es Realität. Seit April dieses Jahres leben der gebürtige Trofaiacher und die Hamburgerin Vollzeit in einem Van – einem weißen Fiat Ducato – und sind damit seit September unterwegs durch Europa. Damit erfüllen sie sich einen gemeinsamen Traum, wenngleich der Start in ihr gemeinsames Abenteuer alles andere als traumhaft verlaufen ist. 

Gewachsen sei der Gedanke an ein "Vanlife", also ein Leben im Bus, bei diversen Kurz- und Wochenendtrips. "Letztes Jahr waren wir zwei Monate in Norwegen unterwegs, da haben wir uns gedacht, dass es interessant und cool wäre, Vollzeit in einem Van zu leben", erzählt die 34-Jährige und ergänzt, dass der Ausbau eines Busses schon immer auf ihrer "Lebens-To-Do-Liste" gestanden sei. Gleichzeitig hätten die beiden sich ganz bewusst für ein minimalistisches Leben entschiedenen, nur mit den nötigsten Dingen und neuen Prioritäten: "Wenn du im Van unterwegs bist, sind die Grundbedürfnisse ganz andere. Du musst dir zum Beispiel Gedanken machen, wann du das Wasser auffüllst."

Herausforderung für die Beziehung

In Kombination mit dem Wunsch nach diesem ganz besonderen Freiheitsgefühl sei das "Vanlife" für die beiden sportbegeisterten Abenteurer im Frühjahr zur Realität geworden – etwas früher als geplant. "Wir wollten die Wohnung kündigen. Das geht aber immer nur quartalsweise, deshalb haben wir schon ab April im Bus gewohnt", so Daun. Also noch während die beiden in Graz als Lehrer tätig waren.

Alltag im Van
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Bevor der Van, mit dem die beiden seit September unter anderem durch Frankreich, Spanien und Portugal gefahren sind, zum "Zuhause auf vier Rädern" werden konnte, mussten unzählige Arbeitsstunden in den Umbau fließen: "Das war wegen der Arbeit immer nur am Wochenende möglich, deshalb hat es fast ein ganzes Jahr gedauert, um ihn für ein Vollzeitleben zu modifizieren", berichtet der 33-Jährige. Eine echte Belastung für die Beziehung, wie die beiden gestehen.

Selbstständigkeit in der Aufbauphase

Auch der Start in das tatsächliche Reiseabenteuer sollte nicht ohne Schwierigkeiten verlaufen. Die ursprünglich geplante Bildungskarenz von Sascha sei kurzfristig doch nicht möglich gewesen, ihr Vorhaben wollten die beiden dennoch umsetzen. Mit Oktober haben sich die beiden im Bereich Video und Fotografie selbstständig gemacht, ein fixes monatliches Einkommen haben sie aber noch nicht, da sich alles noch in der Aufbauphase befinden würde.

"Wir schauen, dass wir so lange wie möglich von unserem Ersparten leben können und nebenbei kleine Projekte machen", erklärt Kosatschow. Damit das möglich ist, würden die beiden "jeden Cent umdrehen und auch auf der Autobahn nie schneller als 90 km/h fahren", lacht er. Auch deshalb, weil sie versuchen, so nachhaltig wie möglich zu reisen – dem Prinzip "Slow Travel" folgend, Solarstrom inklusive.

Reisedauer: Open End

Wie lange die beiden unterwegs sein werden, steht aktuell noch in den Sternen. Mit der Fähre geht es bald auf die Kanaren, wo sie überwintern werden. Im Frühjahr soll es wieder zurückgehen. "Das Ziel wäre, dann weiter nach Skandinavien zu fahren", sagt Kosatschow. Das hänge aber von ihrer finanziellen Situation ab, der Traum sei, das Projekt mit "Open End" fortzuführen. Gleichzeitig nutzen sie die Reise auch dafür, um zu sehen, "wo wir es uns einmal vorstellen können zu leben". Ein Stopp in Österreich müsse im Frühjahr aber so oder so erfolgen – um das "Pickerl" ihres Busses zu erneuern.

Sascha Kosatschow und Franziska Daun mit ihrem "Zuhause auf vier Rädern"
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Trotz aller Herausforderungen und Schwierigkeiten hat sich die Erfahrung für die beiden bereits jetzt gelohnt. "Das Vanlife ist sicher nicht für jeden, weil frei sein nicht immer schön ist. Aber ich bin voll happy damit", sagt Kosatschow. Daun ergänzt: "Für mich ist es ein absolutes Highlight und ich würde das immer wieder machen."