Friedrich Lechner aus Leoben ist richtig fuchsteufelswild. Auslöser für seinen Ärger ist die Wasserabrechnung für das Jahr 2025, die er aus seinem Briefkasten zog. „Die Stadtwerke haben ab 2026 den Wasserpreis um 56,3 Prozent erhöht“, erzählt Lechner.
Die Erhöhung an und für sich findet er schon übertrieben hoch. Was ihn jedoch mindestens genauso stört: „Mit einem Schreiben wurde den Wasserkunden 2021 mitgeteilt, dass die Wasserabrechnung jährlich mit dem vom Land Steiermark vorgegebenen Index angepasst wird“, so Lechner.
Bis heuer daran gehalten
In den vergangenen Jahren hätten sich die Stadtwerke bei den Abrechnungen auch immer daran gehalten – bis heuer. „Für das Jahr 2026 wurde der Index vom Land Steiermark mit vier Prozent angegeben, die Stadtwerke haben den Wasserpreis für 2026 aber um 56,3 Prozent erhöht“, ärgert sich Lechner.
„Die Diskrepanz der Prozentsätze ist für mich absolut unverständlich und nicht nachvollziehbar“, meint er weiter. Die Erhöhung stehe in klarem Widerspruch zu dem Schreiben der Stadtwerke aus dem Jahr 2021: „Ist der Inhalt des Schreibens nach fünf Jahren nicht mehr gültig?“, fragt Lechner, der das Vorgehen als „willkürliche Preisanpassung“ empfindet.
Er schrieb an die Stadtwerke mit der Bitte um eine Erklärung. In der Antwort wird auf die Verluste der Sparte Wasser in den beiden Geschäftsjahren 2023 und 2024 hingewiesen. Auch das Geschäftsjahr 2025 werde voraussichtlich negativ abgeschlossen, heißt es im Antwortschreiben. Dies sei vor allem auf den steigenden Instandhaltungsaufwand von 51 Prozent und den Erhöhungen bei den Personalkosten um 32 Prozent ab dem Jahr 2022 bei gleichbleibendem Mitarbeiterstand zurückzuführen.
Die Erhöhung über dem Landesindex sei notwendig gewesen, auch weil man verpflichtet sei, laufend Erträge zur Bildung von Rücklagen zu erwirtschaften – insbesondere für Vermögen, das einer Wertminderung unterliegt. Auch Ronald Schindler, Direktor der Stadtwerke, weist auf Anfrage der Kleinen Zeitung auf die massiv gestiegenen Instandhaltungskosten als Faktor hin.
„Wasser ist das wertvollste Gut“
Die von Lechner kritisierte Erhöhung von 56,3 Prozent könne er nicht nachvollziehen, so Schindler: „Soweit ich weiß, sind es 46 Prozent. Es geht auch immer darum, die Qualität und Sicherheit in der Versorgung zu garantieren. Wasser ist das wertvollste Gut, das wir haben.“ Dementsprechend investiere man laufend auch in die Verbesserung der Systeme.
Eine „Zusicherung“. welcher Wasserpreis angesagt werde, existiere ohnedies nicht. In der Sparte Wasser habe es zuletzt einen Abgang von 600.000 Euro gegeben: „Dem haben wir entgegenzuwirken“, betont Schindler. Es solle aber bei diesem einmaligen „Ausreißer“ bleiben: „In den kommenden Jahren wollen wir uns wieder an den Landesindex anpassen.“
Die Stadtgemeinde Leoben meint auf Anfrage der Kleinen Zeitung: „Die Wasserversorgung ist eine kommunale Pflichtaufgabe der Daseinsvorsorge. Ziel ist es, die Versorgung der Bevölkerung dauerhaft sicher, qualitativ hochwertig und wirtschaftlich stabil zu gewährleisten“, heißt es.
Es gilt das Prinzip der Kostendeckung
Gebühren im Bereich der kommunalen Infrastruktur wie für Wasser, Kanal oder Abfall, würden dem Prinzip der Kostendeckung unterliegen: „Das bedeutet, dass die Einnahmen aus den Gebühren langfristig jene Kosten abdecken müssen, die für Betrieb, Wartung, Erhaltung und notwendige Investitionen in die Infrastruktur anfallen“, so die Stadtverantwortlichen.
Der Landesindex diene nur als „Orientierung“ für Gebührenanpassungen: „In einzelnen Fällen kann es notwendig sein, Anpassungen vorzunehmen, die mit einer reinen Indexanpassung nicht ausgeglichen werden können.“ Ziel solcher Maßnahmen sei es, die wirtschaftliche Stabilität der Versorgungseinheit zu sichern und eine langfristig eine verlässliche Versorgung zu gewährleisten.