Wenn man an Sojabohnen denkt, wird man wahrscheinlich am ehesten an Südamerika denken, und nicht an den Bezirk Leoben. Doch der 31-jährige Christian Haberl beweist, dass der Anbau von Soja in der Obersteiermark durchaus erfolgreich möglich ist. „Man muss für die Sojabohnen also keinen Regenwald abholzen. Es gibt Sorten von Sojabohnen, die auch in gemäßigten Zonen funktionieren“, betont der Landwirt, der als Erster in der Region auf Soja setzt.
Seit drei Jahren wachsen und gedeihen die Hülsenfrüchte auf seinem Bauernhof „Einödmoar“ in St. Michael, die schließlich zu hochwertigem Bio-Sojaöl verarbeitet werden. „Ich wollte einmal etwas Neues probieren. Wir haben den Versuch mit Soja gestartet, da es sich ideal für die Fruchtfolge im Ackerbau eignet“, erläutert er.
Die Sojabohne zählt nämlich zu den Leguminosen, die sich dadurch auszeichnen, dass sie den Stickstoff in der Luft binden und nutzen können. Während die Bohne geerntet wird, wird der Rest der Pflanze als Humus und Dünger genutzt. All das spiele bei der Fruchtbarkeit des Bodens eine wesentliche Rolle. „Die nächste Frucht hat dann eine super Vorlage“, so Haberl.
Ertrag von vier Tonnen pro Hektar
Die Pflanzen selbst seien nicht sehr anspruchsvoll. Da sie aber nur wenig Bodenschatten spenden, sei eine aufwendigere Unkrautbekämpfung notwendig. „Wir sind ein Biobetrieb und dürfen deshalb kein Pflanzenschutzmittel verwenden. Das Unkraut müssen wir also mechanisch bekämpfen“, schildert der 31-Jährige.
Der Ertrag belaufe sich auf drei bis vier Tonnen pro Hektar, zeigt sich Haberl zufrieden. Die Sojabohnen werden in einer zertifizierten Biomühle in Oberösterreich frisch gepresst. „Das Öl eignet sich für vieles – egal ob für das Schnitzerl oder für den Salat“, so der Landwirt, der unter anderem auch Mais anbaut und 60 Milchkühe hat.
Zusätzliches Standbein
Haberl habe sich mit dem Sojaöl ein zusätzliches Standbein für seinen Bauernhof geschaffen, der mit der Landwirtschaft, einer Forstwirtschaft, dem Milchkuhbetrieb, einer Direktvermarktung und einer Zimmervermietung bereits breit aufgestellt ist. „Aber wir Bauern müssen uns inzwischen so breit aufstellen, damit wir für alles gewappnet sind“, erklärt er. Zudem funktioniere der Betrieb in der Landwirtschaft nur, wenn die ganze Familie anpackt.
Dass die Sojaproduktion oder auch der Anbau von Kürbissen inzwischen in der Obersteiermark möglich ist, sei auch auf den Klimawandel zurückzuführen. „Man muss mit der Zeit gehen, sonst geht die Zeit mit dir. Wir müssen uns an den Klimawandel anpassen. Ohne Innovationen geht es bei uns Bauern nicht mehr – und lebt der Bauer, lebt das Land“, ist Haberl überzeugt. Und der innovative Landwirt schmiedet bereits weitere Pläne: „Wir basteln gerade an Sonnenblumenöl, das ist fast noch anspruchsvoller als Sojaöl. Sonnenblumen sind bei uns auch nur sehr wenig verbreitet.“