Der vergangene Freitag wird vielen Einsatzkräften wohl für immer im Gedächtnis bleiben. Aufgrund des starken Schneefalls war es der bisher einsatzstärkste Tag mit 1736 Einsätzen und 4000 Kräften von 461 Feuerwehren in der gesamten Steiermark. Auf der A9 Pyhrnautobahn mussten zudem viele Menschen stundenlang in ihren Fahrzeugen ausharren, nachdem mehrere Unfälle passiert und Lkw aufgrund der Schneefahrbahn hängengeblieben waren.
Karl-Heinz Pichler von der Freiwilligen Feuerwehr Madstein-Stadlhof war aus diesem Grund mit zwei Kollegen im Einsatz. „Wir halfen dabei, die Fahrbahn freizuräumen. Das dauert oft stundenlang“, erklärt der Feuerwehrmann. „Und dann haben wir live miterlebt, wie schnell sich eine Situation verändern kann.“
„Als ich die Kindersitze sah, wurde mir kurz anders“
Direkt nach dem Gleinalmtunnel nahmen die Feuerwehrkameraden eine Frau wahr, die mit ihrem Auto gegen die Fahrtrichtung stand. „Eigentlich war es nicht unser primärer Auftrag. Die Frau war nicht akut in Lebensgefahr.“ Trotzdem entschied sich Pichler, auszusteigen und der Frau zu helfen. „Ich ging durch den Tiefschnee zu ihr. Als ich die Kindersitze auf der Rückbank sah, wurde mir kurz anders“, gibt Pichler, der selbst Vater von zwei kleinen Kindern ist, einen Einblick, was in dem Moment in ihm vorging. „In solchen Momenten denkt man nicht an Blechschaden. Man denkt nur ‚Bitte nicht die Kinder.‘“ Aber die Kindersitze waren glücklicherweise leer.
Pichler bat die Frau, von ihrem Auto wegzugehen und sich in Sicherheit zu bringen. „Und auf einmal haben wir es krachen gehört.“ Ein Auto war aus dem Tunnel geschossen und stieß mit dem Auto der Frau zusammen. „Wäre ich nicht ausgestiegen, wäre sie wahrscheinlich noch hinter ihrem Auto gestanden, und wäre ich nur 30 Sekunden länger dort geblieben, hätte es mich auch erwischt“, schildert Pichler.
Auch für Angehörige nicht einfach
Der Feuerwehrmann zeigt eine Perspektive, die oftmals im Hintergrund bleibt: Wie es den Einsatzkräften selbst geht, wenn sie sich bewusst in Gefahr begeben. Pichler ist seit 14 Jahren bei der Feuerwehr und hat mittlerweile schon eine gewisse Routine. „Durch die Alarmierung wissen wir dann im Vorhinein schon grob, worum es bei einem Einsatz geht.“ Trotzdem: „Wenn man vor Ort ist und sieht, was wirklich los ist, muss man vielleicht doch einmal kurz durchschnaufen.“ Danach funktioniere man einfach und tue, was man tun muss.
Für seine Frau und seine Kinder sei es ebenfalls nicht immer leicht, wenn er sich auf den Weg zu einem Einsatz macht. Er erzählt: „Mein achtjähriger Sohn sagt immer: ‚Du musst auf jeden Fall zum Einsatz fahren, die Leute brauchen deine Hilfe!‘“ Für seine Frau seien besonders nächtliche Einsätze schwierig, wenn Pichler plötzlich weg ist. „Sie bekommt jetzt aber auch automatisch eine Nachricht, wenn ich im Einsatz bin, dann kann sie halbwegs ruhig schlafen“, so der Feuerwehrmann.
Er betont: „Wir Feuerwehrmänner und -frauen sind keine Actionhelden, so wie man es im Fernsehen oft sieht. Wir fahren zum Einsatz und zu Leuten, die Hilfe brauchen, wir helfen, und dann fahren wir wieder heim. Und es ist ein schönes Gefühl, wenn man merkt, dass die Leute dankbar für unsere Hilfe sind“, sagt Pichler abschließend.