Lang (SPÖ) im Sommer-Interview"Jahreskarte um 365 Euro ist nicht möglich"

Die Landesparteichefs im Interview: Was sich SPÖ-Anton Lang von der Graz-Wahl erwartet, wann das regionale Klimaticket enthüllt wird und wieso er nicht ans Aufhören denkt. Und wenn der Diesel 1,80 Euro kostet ....

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"Das ist Kindergartenniveau." Wissen Sie noch, wer das gesagt hat?
ANTON LANG: Das war Hans Peter Doskozil, als unsere Parteivorsitzende etwas gegen ihn gesagt hat … Ich bleibe dabei: Solche Diskussionen schaden nur der Partei, bringen dem Einzelnen nichts und führt man hinter verschlossenen Türen. Sonst freuen sich nur Mitbewerber. Aber das ist Vergangenheit, unsere Aufgabe ist es, sozialdemokratische Politik machen.

Es gab nicht allein im Burgenland Streit: Der ehemalige Landespartei-Geschäftsführer, Bürgermeister Anton Vukan wurde aus der SPÖ ausgeschlossen. Hatten Sie seither Kontakt zu ihm?
Nein. Für mich ist das erledigt. Das geschah auf Basis der Statuten, der Ausschluss war zu vollziehen. Andere Bürgermeister verhalten sich Statuten-konform.

Was trauen Sie Spitzenkandidat Michael Ehmann bei der Gemeinderatswahl in Graz zu?
Ich bin optimistisch, dass wir das Ziel, einen Stadtratssitz, erreichen werden. Ehmann hat ein tolles Team, frische Kräfte und ein gutes Programm.

Nachgefragt bei Anton Lang

Er fordert den Gratiskindergarten, von dem sich die Landes-SPÖ längst verabschiedet hat …
Die Ideen der Grazer tragen sozialdemokratische Handschrift und sind mit mir abgesprochen. Es stimmt, auf Landesebene steht der Gratiskindergarten nicht im Regierungsprogramm. Man muss sich nach der Wahl anschauen, was alles umsetzbar ist und was nicht.

Zum Verkehr: Ministerin Leonore Gewessler hat den Ausbau der S 36 und A 9 infrage gestellt ...
Ich gehe davon aus, dass die S 36 bis Scheifling fertig gebaut wird. Das ist keine neue Transitstrecke nach Kärnten, sondern eine Entlastung für die Gemeinden an der Murtal Schnellstraße. Der Schwerverkehr muss über die Autobahnen laufen. 

Und der dreispurige Ausbau der A 9 von Wildon nach Graz?
Dreispurig ist man zwar rascher in Graz, dort aber staut es sich erst wieder. Wir müssen den Verkehr klug aufteilen, mit Park+Ride mit ÖV-Anschluss an den Autobahnabfahrten – der Murpark ist das beste Beispiel. Um das innerstädtische Problem zu lösen, muss man den Großraum mitplanen. Wir konnten bereits mehr Menschen auf die S-Bahn und in die Regio-Busse bringen. Leider sind wegen Corona die Fahrgastzahlen rapide gesunken. Wir müssen zuerst die Fahrgäste zurückgewinnen.

Wahlkampf in Graz
Auf Wahlkampf in Graz mit Ehmann (re.) Foto © spoe

Ist eine Metro das geeignete Mittel dafür?
Das ist jeder Ausbau, der den ÖV attraktiver macht. Die Experten müssen uns mal ihren Vorschlag zur Metro vorlegen, der umsetzbar ist - und finanzierbar. Egal ob Metro oder Mischsystem aus Tram und S-Bahn: Der Bund muss mit mindestens 50 Prozent dabei sein.

Der Bund zahlt das Klimaticket, wann folgt die regionale Karte?
Wir werden Mitte September wissen, wann wir es einführen – das ist eine technische Frage – und zu welchem Preis.

Ist der kolportierte Preis von 595 Euro pro Jahr korrekt?
Dazu werden Sie heute von mir keine Antwort erhalten.

Warum wird das Ticket in der Steiermark nicht 365 Euro kosten?
Mit dem Beitrag des Bundes (14 von 100 Millionen bundesweit, Anm.) sind solche Ticketpreise schlicht nicht möglich. Man kann die Steiermark nicht mit Vorarlberg vergleichen. Eher mit Oberösterreich, wo die Karte 695 Euro kosten soll. Und damit so ein Ticket gut angenommen wird, muss das Angebot noch weiter verbessert werden. Das kostet immens viel Geld.

Zieht die Wirtschaft denn nicht so kräftig an, wie man sagt?
Viele Branchen boomen wieder, aber bis die Ertragsanteile bei uns sind, dauert es. Vieles wurde von der Steiermark vorfinanziert, vom Bund kam noch wenig zurück. Wir rechnen daher weiter mit einer Einnahmen-Ausgaben-Lücke von etwa einer halben Milliarde. Sorgen bereitet mir, dass im Winter Corona-bedingt wieder nur ein eingeschränkter Tourismus möglich sein könnte. Das würde noch viele weitere Branchen treffen.

Wie sieht denn die Budget-Prognose für 2022 aus?
Wir müssen viel Geld für die Gesundheit und Pflege in die Hand nehmen. Wollen den Aufschwung mit Investitionen unterstützen. Im Verkehr werden wir – zwangsweise – viel Geld in Brücken-Sanierungen stecken. Wichtig ist mir der Radverkehr: Da sind 15 Millionen Euro für die Regionen reserviert, weitere fünf Millionen für Graz. In den nächsten fünf bis zehn Jahren entsteht da Großes.

Lang mit Drexler (ÖVP) bei der Budgetvorstellung
Lang mit Drexler (ÖVP) bei der Budgetvorstellung Foto © (c) steiermark.at/Streibl

Das hört sich nicht so an, als ob sie im Wahljahr 2024 aufhören?
(Lacht). Es macht mir Spaß, es geht viel weiter – und es gibt ein sehr gutes Miteinander mit der ÖVP. Mit LH Hermann Schützenhöfer und vor allem mit Landesrat Christopher Drexler, mit dem ich das Budget verhandle.

Sie hängen also nur eine Periode an, wenn Drexler neuer Landeshauptmann wird?
Das maße ich mir nicht an, zu sagen. Wir arbeiten in der Koalition gut zusammen.

Sie waren lange Umweltreferent: Ihre Nachfolgerin propagiert "mit vielen kleinen Schritten, Großes zu bewegen". Ist das 2021 zeitgemäß?
Ich bin da bei Uschi Lackner, mit vielen kleinen Maßnahmen wird  etwas Großes bewegt. Das Land kann nicht in ein, zwei Jahren rückgängig machen, was hunderte Jahre negiert worden ist. Und was auch passiert: Es muss sozial verträglich sein. Ich habe schon die Sorge, dass die Maßnahmen vielen Menschen enorme Bürden auferlegen.

Wo genau?
Wenn wir sagen, wir müssen die E-Mobilität einführen: Da gibt es so gut wie keinen Gebrauchtwagenmarkt, man ist auf neue Autos angewiesen. Oder das Aus für fossile Brennstoffe: Das ist alles ist leicht gesagt, aber viele Haushalte können sich das nicht leisten. Das gehört gefördert und geht nicht von heute auf morgen. Die Energiewende muss für alle leistbar sein: Wenn der Diesel 1,80 Euro je Liter kostet, muss die Pendlerpauschale erhöht werden, damit die Leute in die Arbeit kommen.

Kommentare (8)
petera
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€1,8

Wer auf Urlaub warbzw. Ist, weiss, dass das vielerorts längst Realität ist. Vor allen auch in Ländern mit weitaus geringerem Verdienst.

Österreich ist bei den Treibstoffpreises deutlich "unterenwickelt".

SeCCi
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ganz einfach

weg mit der förderung für das pendlerpauschale und das geld stattdessen in die subventionierung des zugtickets - und schon gehts

pescador
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@SeCCi

Wie schön, wenn man in einer Scheinwelt lebt, in der alles "ganz einfach" zu lösen ist. Die Realität sieht halt ganz anders aus.

petera
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Ich bin auch bei Secci

Mit der Pendlerpauschale (vor allem für de n Individualverkehr) wird das Problem der Bodenversiegelung, des zunehmenden Verkehrs,.. verschärft.

Ich glaube aber auch, dass man das Problem nicht von heute auf morgen lösen kann, aber es gehört umgebaut in Richtung öffentlicher Verkehr. Es profitieren eh vor allem die Gut-und Bestverdiener davon.

SeCCi
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die scheinwelt

wird durch das pendlerpauschale erzeugt!
ein wahlzuckerl aus den 90ern welches der allgemeinheit jährlich millardenkosten (österreichweit) verursacht und die wahren kosten des (meist günstigeren) "am land" bzw im grünen wohnen - aber doch in der stadt arbeiten wollen - verschleiert!

melahide
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Und das

Pendlerpauschale wurde danach auch noch um den Pendlereuro erweitert. Und das Land zahlt da auch noch brav mit. Man kann nicht den Individualverkehr fördern und den öffentlichen. Pendler sollten nur noch was bekommen, wenn kein Öffi vorhanden ist oder es nicht zumutbar ist damit zu fahren. Aber sonst. Alles weg. Nur die Ticketkosten für ÖV sollten absetzbar sein.

lilith73
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Warum keine Öffis benutzt werden

Wenn man selten mit Öffentlichen Verkehrsmitteln fährt nimmt man meist eine Stunden oder Tageskarte.

Der Preis dieser ist für eine Stadtfahrt von 20 min. extrem hoch.
Im Gegensatz dazu ist eine Stunde Parken mit dem Auto, dass ich ohnehin schon zahlen muss günstig.

Mein Auto fällt nicht aus ist nicht überfüllt kommt nicht zu spät.
Meist ist es mir so gegangen, dass ich wenn ich die Öffis gewählt habe mit diesen schlechte Erfahrungen in dieser Hinsicht gemacht habe.

Bevor ich für eine Stadtfahrt 5€ bezahle oder gar 5,60€ nimm ich das Auto oder das Fahrrad.

compositore
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Völlig richtig

2 Zonen-24 Stundenkarte kostet € 9,60, das Ticket für eineinhalb Stunden für eine Fahrt nach Graz ist sinnlos, da eine Einzelfahrt je nach Verkehrsaufkommen schon bis zu 25 min. dauert.