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Reform

"Gesundheit darf nie zum Luxus werden"

Heute Vormittag stellte die Landesregierung die lange erwartete Gesundheitsreform vor. Es soll weniger Spitäler geben, die aber trotzdem mehr Leistung bringen. Die spannendsten Details und das Video zum Nachschauen.

Was soll das Gesundheitssystem künftig leisten?
Was soll das Gesundheitssystem künftig leisten? © Alexander Raths
 

Mehr als 1300 Personen sind heute Vormittag in die Grazer Stadthalle gekommen, um hier über die Gesundheitsreform zu diskutieren. Darunter aus dem Gesundheitsbereich Ärzte, Pflegebereich oder Apotheker, aus der Politik etwa Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer und Vize Michael Schickhofer, die beiden Kages-Vorstände Tscheliessnigg und Fartek und aus der Gesundheitsbranche Vertreter von Gesundheitsfonds und GKK.

>>> Die Vorstellung der Reform im Video (Auftakt bei 16:10 Minuten):

In seiner Eröffnungsrede rief Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer alle auf, die Reform mitzutragen: "Tun Sie mit, tun Sie kritisch mit, aber tun Sie mit." Der Landeshauptmann will seine "schützende Hand" über den Reformprozess halten. Und das könnte es brauchen: "Viele im Land wollen beim Alten bleiben." Doch es sei erforderlich, "generationengerechte" Politik zu machen und der Jugend damit Zukunft zu geben. Und abschließend: "Ich denke, die Steiermark kann Vorreiterin sein, und ich hoffe, dass uns der Mut dabei nicht verlässt."

Stellvertreter Michael Schickhofer machte im Anschluss jene vier Punkte fest, auf denen künftig das Gesundheitssystem in der Steiermark basieren soll: Im Notfall soll ein Notarzt so rasch wie möglich zur Stelle sein. Außerdem soll es eine Telefonbereitschaft, eine Art Erstanlaufstelle, geben. Zudem sollen Primärversorgungszentren und Facharztzentren bzw. Spitäler gestärkt werden.

Ganzheitliches Denken

Für Landesrat Christopher Drexler ist das Thema Gesundheit "vielleicht das Wichtigste für die Bürger." Eine entsprechend hohe Priorität will er denn auch der Reform geben: "Was ist das Ziel der Bemühungen: wir wollen gerade noch rechtzeitig eine flächendeckende Untersuchung aufrecht erhalten und neu interpretieren." Dabei gehe es um einen ganzheitlichen Ansatz: "Wir denken nur in der Welt des Allgemeinmediziners, des Spitals oder der notärztlichen Versorgung - wir müssen an alles denken." Am Ende soll es sieben Leitspitäler - inklusive mehrerer Standorte - geben.

Konkrete Ziele

Harald Gaugg vom Gesundheitsfonds Österreich und Mastermind der Reform 2035 schlägt in seinem Vortrag dann die Eckpfeiler ein: Telefonische Beratung soll für die Steirerinnen und Steirer rund um die Uhr verfügbar sein. Es soll primäre Gesundheitszentren mit Allgemeinmedizinern, diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegepersonal plus unterschiedliche Extrabesetzung mit medizinischen Berufen geben. Für jede Einheit muss zum Beispiel ein Kinder- bzw. Jugendmediziner integriert oder zumindest erreichbar sein. Bis 2020 sollen mindestens 11 Zentren in der Steiermark fix sein. Darüber hinaus soll es      Fachärzte und Fachärztezentren (plus Tagesbetten) geben. Und: Insgesamt soll es in der Steiermark sieben Leitspitäler geben, wobei Gaugg extra darauf verweist, dass ein Spital durchaus mehrere Standorte haben kann.

Fürs gemeinsame Anpacken sprach sich auch Verena Nussbaum, Obfrau der steirischen Gebietskrankenkasse, aus und: "Gesundheit darf nie zum Luxus werden."

Kräfte bündeln

Auch für Landesrätin Ursula Lackner ist die Schlagrichtung klar: "Unsere Aufgabe ist es, die Strukturen des Systems an die Menschen anzupassen. Wenn wir heute nicht ein Modell heute herzeigen können, dann gewinnen wir diese Debatte nicht - aber es ist uns gelungen, alle Kräfte zu bündeln."

Mehr als 1300 Betroffene kamen Montagvormittag in die Stadthalle
Mehr als 1300 Betroffene kamen Montagvormittag in die Stadthalle Foto © Didi Hubmann

Beim anschließenden Gespräch gab es ebenfalls Einigkeit: Das Geld muss so effizient wie möglich eingesetzt werden, damit die Steirer gesund wie nie alt werden können. Patienten-Anwältin Renate Skledar ist optimistisch: "Vor 20 Jahren bis du mit bestimmten Erkrankungen drei, vier Wochen im Spital gelegen. Heute gehst du bei der gleichen Erkrankung nach zwei Tagen nach Hause. Ein Stolperstein für die Reform? Nein. Denn es geht immer darum, dient es den Eigeninteressen oder der der Bevölkerung."

Ärztekammer-Präsident Herwig Lindner plädiert dafür, für jede Region ein maßgeschneidertes Konzept zu erstellen. Von dieser Woche an bis Anfang Dezember werden in sieben Regionen entsprechende Konferenzen dazu abgehalten.

Für Wirtschaftskammer-Boss Josef Herk geht es um Veränderung: "Das heißt auch, den einen oder anderen Standort zu schließen. Wir müssen Leistbarkeit mit Leistung verbinden." Und Arbeiterkammer-Präsident Josef Pesserl: "Wir müssen die Bevölkerung und die Akteure vor Ort mitnehmen und erklären, um was es geht."

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Danke für Ihr Verständnis.

DocMike81
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Ich als Hausarzt stelle mir die Frage, ob sich Meinesgleichen oder gar ein Facharzt, der ja einem Klinikalltag mit Nachtdiensten etc. entfliehen wollte, sich dann, womöglich noch im Schichtdienst zu (osteuropäischen?) Dumpingpreisen in so ein (konzernbetriebenes?) PHC setzt! Außerdem schaue ich mir an, dass ein solches Zentrum dann die Massen der Patienten auffangen wird (können), die durch fehlende Hausärzte/Krankenhäuser dorthin wandern werden. Eine weitere Farce ist wohl, zu glauben, dass sich gesamt 100 Kinderärzte finden werden, die bereit sind, im "Radl" 24/7 Ambulanz zu machen? Bin schon gespannt, wann ich von der Kasse dann gezwungen werde, für einen Bruchteil meines selbst erarbeiteten Gehalts in einem solchen Zentrum dahinzuvegetieren! Ein Billig-Krankenhaus mit Massenabfertigung und erst keiner adäquaten Versorgung, was soll das sonst sein?

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Buero
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Es ist wirklich sehr eigenartig,

dass man zu diesem Beitrag nicht kommentieren darf. Warum?

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KellySue
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Krankenversicherung

Ich rate jeden eine private Krankenversicherung abzuschließen. ich weiß sie ist sehr teuer, aber heutzutage haben wir österreicher keine andere wahl mehr.

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Liezen
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Hausärzte

Ich denke dass sich ab dem heutigen Tag kein Allgemeinmediziner der Rechnen kann mehr für eine Kassenstelle findet. Investitionen in die Praxis werden sich durch die PHC´s sich nicht mehr rentieren. Mit dieser heutigen Aktion haben die Veranwortlichen der steirischen Bevölkerung ein Trojanisches Pferd hingestellt. Gratulation

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DocMike81
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Das kommt ganz darauf an, wie die Kasse die bestehenden Verträge handhaben (einseitig verändern) wird, ob sich noch Kollegen finden, die das machen wollen! Ich persönlich kann mich nicht beschweren, arbeite viel, verdiene (noch) gut als engagierter Hausarzt...und eines wird ein PHC vermutlich auch nicht können: Hausbesuche machen!;-)

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Hardy1
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Diese Experten. ....

.....
schaffen es ja nicht einmal in Liezen einen Hautarzt zu etablieren; diese Stelle ist schon über ein Jahr vakant....und dies im flächenmäßig größten Bezirk Österreichs!

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argus13
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Die Reform

besteht v.a. aus Zusperren (grotesk Rottenmann zusperren und Liezen neu bauen!) dieser sog. Experten. Es soll mehr Leistungen mit weniger Geld geben? Neue Zentren mit Fachärzten - es gibt heute schon zu wenig, weil die GKK eher reduziert, statt aufzubauen. Was geschieht mit den vorhandenen Ambulanzen, Personal, Geräte? Spitze ist die telefonische Beratung - welcher Arzt gibt sich dafür her? Wenn die Beratung falsch ist, wer übernimmt die Verantwortung? Wie wäre es, wenn in der Verwaltung und bei Gehältern der Experten inkl. Politiker gespart würde. Lieber bei Anderen sparen, als bei sich!

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