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Grazer Gemeinderatswahl

Siegfried Nagl: Großer Wahlgewinner beim vierten Antreten

Grazer ÖVP-Chef Siegfried Nagl - Langzeitbürgermeister (seit 2003) und mit hohem Verbrauch an politischen Partnern - hat am Sonntag bei der Gemeinderatswahl einen überraschenden Wahlsieg geholt.

Der erfolgreiche Stadtchef
Der erfolgreiche Stadtchef © (c) APA/ERWIN SCHERIAU
 

"Ich weiß, was das für eine große Verantwortung bedeutet. Die Menschen haben wieder die Mitte gewählt", so ein sichtlich erleichterter Nagl. Dies bezieht sich wohl auch auf die Regierungsverhandlungen.

Als jugendlicher Quereinsteiger hatte Nagl (geb. am 18. April 1963) im Jahr 2000 eine schwächelnde ÖVP übernommen, die sogar hinter die FPÖ zurückgefallen war. Er schaffte es, sie 2003 auf Platz 1 zu führen - nach der Ära von SPÖ-Langzeit-Bürgermeister Alfred Stingl. Passierten ihm zu Beginn seiner Amtszeit noch Ausrutscher minderheiten- und fremdenfeindlicher Tendenz, wuchs er zunehmend in die Rolle des umsichtigen Stadtoberhaupts, das sich um ethnische und religiöse Integration bemüht. Diverse Verbote und Beschränkungen wie das Bettelverbot brachten ihm von der Opposition dennoch Kritik ein.

Hatte Nagl in seiner ersten Periode noch das Problem, gegen eine rot-rote Mehrheit im Stadtsenat und eine rot-rot-grüne im Gemeinderat zu regieren, folgte 2008 die Koalition mit den Grünen. Mit ihnen und seiner "Vize" Lisa Rücker - die sich 2017 zugunsten von Tina Wirnsberger zurückzog - gab es in Sachen Bettel- und anderer Verbote, Verkehr, Umweltzone und Murkraftwerk Sollbruchstellen, die man zunächst gemeinsam umschiffte, die letztlich aber doch nicht hielten. Die Wahl wurde vorverlegt, ein Hasaradspiel, das sich aber nun auszahlte.

2012 mit Verlusten aus der Wahl gegangen

Es lief wesentlich besser als 2012 - wo Nagl Federn lassen musste. Die ÖVP hielt zwar Platz 1, kam aber nur auf 33,74 Prozent (Minus 4,63 Prozentpunkte),17 Sitze im 48-köpfigen Gemeinderat und drei Stadtsenatssitze. In der Folge wurde eine Zusammenarbeit mit FPÖ und SPÖ ausverhandelt. Aus dieser stiegen die Freiheitlichen aus, die KPÖ sprang ein, dennoch war im Herbst 2016 Schluss: Die KPÖ trug das Budget u.a. wegen des Dauerbrenners Murkraftwerk nicht mit, ein anderer Partner fand sich nicht mehr.

Somit ähnelte Nagls Situation Anfang 2017 jener im Jahr 2012: Für Alleingänge zu stimmenschwach und mit einem zerrütteten Verhältnis zu KPÖ, Grünen und auch FPÖ, ersuchte er im schlappen Wahlkampf die Bürger, ihm ein deutliches Mandat zu erteilen. Knapp eineinhalb Wochen vor der Wahl wurde gegenüber der bisher ausgesprochen treuen SPÖ unnötig Porzellan zerschlagen: Nagl präsentierte den unauffälligen ehemaligen SPÖ-Klubchef und früheren Stadtrat Michael Grossmann als möglichen künftigen "unabhängigen" Kulturressortchef.

Aug in Aug mit dem Amokfahrer

Als Stadtoberhaupt genießt Nagl Ansehen, wozu wohl auch seine Reaktion auf den Amokfahrer in Graz im Juni 2015 (drei Tote, über hundert Verletzte, Anm.) beitrug. Nagl, am Motorroller selbst nur knapp dem Amokfahrer entgangen, bewies einerseits stilles Einfühlungsvermögen gegenüber den Opfern und äußerte klare Worte gegenüber dem Täter: "Dieser Mensch, der Mörder." Nagl hat Verletzte und Angehörige besucht, kein Aufhebens darum gemacht und somit den Opferschutz in den Vordergrund gestellt.

Der studierte Handelsakademiker kommt aus dem Innenstadtunternehmen Klammerth , hat mit seiner Ehefrau Andrea vier Kinder und ist schon Großvater, wie er stolz betont.

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