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Doppel-InterviewDie kuriosen Fälle zweier Grazer Scheidungsrichter

Die Grazer Scheidungsrichter Ulrike Worm und Manfred Kuperion berichten von 10-Minuten-Trennungen, von In-flagranti-Videos und ungewöhnlichen Rückziehern.

Die Grazer Scheidungsrichter Kuperion und Worm: Zur Sicherheit wollen sie nicht erkennbar sein © MSA
 

Verzeihen Sie, wenn ich vorweg nachfrage, aber sind Sie jeweils verheiratet?
Ulrike Worm: Ja.
Manfred Kuperoin: Ich auch.

Ändert der Beruf als Scheidungsrichter den Blick auf die eigene Ehe? Auf die Liebe?
Worm: Negativ beeinflusst es mein Privatleben überhaupt nicht. Es ist wirklich eher das Gegenteil der Fall: Manche Themen, die ich bei Scheidungen erlebe, kennt man ja von daheim. Also im Kleinen und Gott sei Dank nicht so hasserfüllt wie manchesmal im Verhandlungssaal. Aber man fühlt sich ab und zu erwischt und reißt sich dann daheim mehr z’samm.
Kuperion: Dass es mich privat nicht beeinflusst, ist schon auch Selbstschutz.

Wie viele Scheidungen vollziehen Sie eigentlich?
Kuperion: Eine am Tag.
WORM: Ich bin ja zu 50 Prozent auch Jugendstrafrichterin, bei mir sind es also weniger. Ich habe jeden Dienstagvormittag meine Scheidungen.

Bei den Ruckerlber-Scheidungen geht es halt oft um sehr viel Geld.

Ulrike Worm, Scheidungsrichterin

Wie schnell geht eine Scheidung im Idealfall vonstatten?
Worm: 20 Minuten.
Kuperion: (lacht) 10 Minuten.
Worm: Nur zum Verständnis: In Österreich haben wir zuerst die Scheidung und danach erst die Aufteilung des Vermögens. Bei einer einvernehmlichen Trennung hat man beide Punkte an einem Termin, weil sich das Paar eben auch bei der Vermögensaufteilung einig ist.
Kuperion: Ja, aber genau da passiert auch viel: Geschieden bist du schnell. Aber aus Rechtsunkenntnis lässt sich sehr oft die Frau auf etwas ein, was ihr später auf den Kopf fällt.

Wie reagieren Sie dann? Sind Sie verpflichtend, darauf hinzuweisen?
Kuperion: Rein rechtlich nicht mehr.
Worm: Aber man kann vertagen und die Parteien auffordern, eine Rechtsberatung in Anspruch zu nehmen. Bei der Verhandlung stehen ja alle unter Strom, wollen schnell geschieden sein, sagen ,Ja, hab verstanden’ und raus bei der Tür! Also vertage ich oft, gerade bei unvertretenen Parteien. Und davon haben wir hier am Bezirksgericht Graz-West mehr als am Gericht Ost. Wir haben hier Paare, die weniger Vermögen, aber mehr Schulden aufteilen müssen. Die anderen, die Ruckerlberg-Scheidungen, sind am Bezirksgericht Ost.

Und gehen deshalb auch nicht harmonischer vonstatten, oder?
Worm: (schmunzelt) Nein. Diese Scheidungen sind meist einfach rechtlich aufgepeppter, es wird sehr förmlich prozessiert mit Anwälten. Und es geht halt oft um sehr viel Geld.

Dann erlebst du, dass der Mann heftig abstreitet, dass er fremdgegangen ist, und hinter ihm baut der Anwalt der Frau schon den Videorekorder auf.

Manfred Kuperion, Scheidungsrichter

Und wenn es strittig ist, wenn es rund geht – wie lange kann sich das Verfahren dann schlimmstenfalls hinziehen?
Worm: Zwei Jahre. Bei jenen Paaren, die einvernehmlich nichts mehr zusammenbringen, ist es ja meistens so, dass einer den anderen quälen will. Und derjenige schöpft dann auch alle Möglichkeiten aus.

Wie läuft dann so ein Verfahren ab? Alles inklusive, samt Beweisfotos eines Detektivs und so?
Kuperion: Genau. Und dann erlebst du, dass der Mann heftig abstreitet, dass er fremdgegangen ist, und hinter ihm baut der Anwalt der Frau schon den Videorekorder auf.

Ist Fremdgehen der Hauptgrund für eine Scheidung?
Worm: Ja.
Kuperion: Absolut.

Wie dramatisch wird es, wenn Kinder im Spiel sind? Kommt es vor, dass diese von einem Elternteil instrumentalisiert werden?
Worm: Nicht für das Scheidungsverfahren, da kenne ich Gott sei Dank sehr wenige, die ihre Kinder als Zeugen führen.
Kuperion: So g’scheit sind sie zum Glück!
Worm: Aber wenn sie in der Folge über die Obsorge streiten ... die Kinder wollen gar nicht einvernommen werden.

Wie passiert das eigentlich?
Worm: Ich hab die Kinder bei mir im Büro, das ist eine entspanntere Situation.
Kuperion: Du schaust, dass du zu ihnen ein Vertrauen aufbauen kannst. Dann erzählen sie eh von allein alles.

An welche Ihrer Scheidungen denken Sie heute noch? Und hatten Sie im Nachhinein manchmal Zweifel an Ihrem eigenen Urteil?
Kuperion: Du hast ja nie eine Garantie! Du hältst dich ans Gesetz und musst dir in den Spiegel schauen können. Ganz dramatisch wird es, wenn währenddessen etwas passiert.
Worm: Selbstmorde kommen leider immer wieder vor.

Gab es auch positive oder gar kuriose Verfahren?
Worm: Ich hatte einmal ein junges Pärchen bei mir. Einvernehmliche, die haben sich gut verstanden. Drei Stunden nach der Scheidung steht plötzlich der Mann wieder vor mir und meint, er wolle das Ganze rückgängig machen. Er habe von Beginn an nur schauen wollen, wie weit seine Frau geht. Und ob sie die Scheidung durchzieht.

Gibt es mehrheitlich einvernehmliche Scheidungen?
Worm: Zu 90 Prozent! Da gehen Paare raus und sagen: So, jetzt gehen wir was trinken!

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