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Primärversorgung"Medius Graz": 12 Ärzte und Therapeuten unter einem Dach

Im Oktober eröffnet am Leonhardplatz das erste Grazer „Primärversorgungszentrum“. Was dahintersteckt, was Patienten erwartet.

Die vier Hauptakteure vor dem neuen Primärversorgungszentrum (hinten links)
Die vier Hauptakteure vor dem neuen Primärversorgungszentrum (hinten links) © Michael Saria
 

Lassen Sie ihn durch, er ist Arzt - und Tennisfan. Also eilt Stefan Korsatko zum vereinbarten Treffpunkt, das Smartphone in der Hand und im Blick. Es ist ein Notfall: Tennis-Ass Dominic Thiem geigt grad auf, da gehört der Spielstand noch kurz überprüft.

Eine Stunde, zwei aufgekrempelte Ärmel und viele medizinische Fachbegriffe später liegt die Vermutung nahe, dass sich Korsatko zuletzt nicht viele solcher Ablenkungen erlaubt hat. Und dass es Ines Muchitsch, Elisabeth Strobl-Gobiet und Susanna Finker ähnlich ergangen ist: Finker ist Managerin, ihre drei Mitstreiter sind Allgemeinmediziner - und gemeinsam wollen sie Graz in Kürze nicht weniger als eine „neue Versorgungsform“ bieten.

„Medius - Zentrum für Gesundheit“ liest man auf Plakaten am Eckhaus Leonhardplatz/Elisabethstraße, nur ein Heftpflaster vom geschlossenen Café Schanzl entfernt, also in LKH-Nähe. Der Untertitel lautet „Primärversorgungszentrum“. Und diese Ankündigung ist nicht nur Passanten und Autolenkern aufgefallen, sondern auch Grazer Ärzten. Die Folge: Manche befürchten bereits eine geballte Konkurrenz, andere - völlig überlaufen - hoffen tatsächlich auf eine Entlastung.

Ende Oktober geht's los
Ende Oktober geht's los Foto © KK

„Wir sind keine Konkurrenz, wir wollen keinem Hausarzt Patienten wegnehmen“, stellt Korsatko klar und betont, „dass wir drei schon bestehende Kassenstellen ausfüllen“. Zielgruppe sei vielmehr jener „gar nicht so kleine Kreis“ an Grazern, „die gar keinen Hausarzt haben“. Und die, wenn es zwickt, zum Facharzt oder zur Ambulanz düsen. Die Folge: überfüllte Ordinationen und Wartesäle.

Im künftigen Primärversorgungszentrum am Leonhardplatz hingegen wolle man die Wartezeit gering halten - dafür die „Behandlungs- und Arbeitszufriedenheit“ erhöhen. Wie? Indem im 400 Quadratmeter großen Zentrum künftig neben den drei Allgemeinmedizinern auch Fachkräfte für Physiotherapie, Diätologie, Diplompflege, psychosoziale Dienste, Ergotherapie, Sozialarbeit und Medikationsmanagement arbeiten.

Wir sind keine Konkurrenz. Wir wollen keinem Hausarzt Patienten wegnehmen.

Stefan Korsatko

Mit Verlaub, aber heißt das, als Patient wird man quasi aufs Fließband gestellt und dann pendelt man durch alle ...? Ines Muchitsch und Elisabeth Strobl-Gobiet schütteln den Kopf: Es gehe um eine niederschwellige, aber umfassende Erstversorgung. Weil ein Team aus Ärzten und Gesundheitsberufen unter einem Dach arbeite, das verhindere, „dass Patienten ständig fremdüberwiesen und im Kreis geschickt werden“. Ende Oktober geht's los, montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr. Für alle Kassenpatienten.

Der Weg bis dahin war kein leichter, wie man gesteht. Mit betriebswirtschaftlichen Hürden, einem seufzenden Steuerberater. Denn auch wenn die öffentliche Hand dem Zentrum unter die Arme greift, habe man viel eigenes Geld investiert.

Nun aber freue man sich auf den Start. Wie beim Tennis. Aufschlag „Medius Graz“.

 

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