GrazGrazer U-Bahn: Experte empfiehlt fahrerlose und kurze Züge

Die U-Bahn für Graz ist derzeit in aller Munde. Kurt Fallast von der TU Graz über Vor- und Nachteile einer (Mini-)U-Bahn. Verkehrsstadträtin Elke Kahr will den Vorschlag prüfen.

Ob Graz auch eine U-Bahn bekommen soll, wird derzeit in Graz heiß diskutiert © Pixabay
 

Alles einsteigen, bitte! Ginge es nach Bürgermeister Siegfried Nagl (ÖVP) würde das in Zukunft auch für eine Grazer U-Bahn gelten.
Der Stadtchef sorgt mit seiner Vision, die er im Interview gegenüber der Kleinen Zeitung äußerte, für Aufsehen. Doch welche Vorteile hätte eine U-Bahn? Wie lang würde der Bau dauern? Und würde sie eine Straßenbahn ablösen?

Neu ist die Idee jedenfalls nicht. Bereits der einstige Stadtrat Helmut Strobl (ÖVP) forcierte das Konzept. Doch es scheiterte: „Es war von Nord-Süd-, jetzt ist von einer Ost-West-Achse die Rede. Damals wollte man Wagenlängen von 200 Metern wie in Wien, Graz braucht aber eher eine Mini-U-Bahn“, erklärt TU-Verkehrsexperte Kurt Fallast, der eine Machbarkeitsstudie für sinnvoll hält. „Es muss alles technisch und finanziell genau geprüft werden.“ Sollte es tatsächlich so weit kommen, rechnet er mit einer Planungs- und Bauzeit von etwa zehn Jahren. Zum Vergleich: Auch in anderen, kleineren europäischen Städten denkt man über U-Bahnen nach. Im griechischen Thessaloniki wird seit 2006 bereits an einer solchen gebaut, im italienischen Brescia fährt seit 2013 eine Metro durch die Stadt.

Nun meldet sich auch Verkehrsstadträtin Elke Kahr (KPÖ) zu Wort – und stellt sich nicht gegen eine U-Bahn: „Die Beweisantretung, ob das für Graz sinnvoll ist, kann man jedenfalls machen.“ Erfahrungen würden aber zeigen, dass der „Zug für Graz – zumindest innerstädtisch – abgefahren ist, da hätten wir früher anfangen müssen.“ Sie denkt an Möglichkeiten zur Anbindung ins Umland.

Die Stadt ist noch nicht so weit, dass man ganze Straßen sperrt und autofrei macht. Das ist momentan noch genauso utopisch wie eine U-Bahn. Also wieso keine Mini-U-Bahn?

Kurt Fallast, TU-Verkehrsexperte

„Ich will nicht von vornherein sagen, dass es nur eine Verbindung geben könnte, man muss alles untersuchen“, ergänzt Fallast. Dass eine U-Bahn den öffentlichen Verkehr ersetzen könnte, bezweifelt er: „Der Vorteil bei einer Mini-U-Bahn ist, dass sie fahrerlos geführt werden kann und man so Personalkosten reduzieren würde.“ Eine Mini-U-Bahn käme, schätzt der Experte, auf 120 bis 130 Millionen Euro pro Kilometer. Bei einer „Voll-U-Bahn“ wären es 200 Millionen Euro, bei Straßenbahnnetzen spricht man von 20 bis 25 Millionen Euro (jeweils pro Kilometer).

„Die Stadt ist noch nicht so weit, dass man ganze Straßenzüge sperrt und autofrei macht, wie etwa die Keplerstraße oder Elisabethstraße. Das ist genauso utopisch wie eine U-Bahn. Also wieso keine Mini-U-Bahn?“

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invisible
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Bei den 200m langen Wiener U-bahn-Zügen war klar, was von den "Experten" zu halten ist. Die sind nämlich in Wirklichkeit nur 105-110m lang (je nach Fahrzeugtyp).

Auch die Kosten sind "leicht" daneben. Die teuersten Streckenabschnitte in Wien liegen bei etwa 180 Mio/km, oberirdisch am Stadtrand gibts auch schon ab ca. 80 Mio/km; im Schnitt liegt man bei etwa 130 Mio/km. Allerdings wäre eine Mini-U-Bahn nicht wirklich viel billiger. Nur weil die Züge kürzer sind werden die Tunnel ja nicht weniger. Man kann lediglich durch kürzere Stationsbauwerke ein wenig sparen (wobei da auch nur beim umbauten Raum; Rolltreppen/Lifte/Beleuchtung/Lüftung/... braucht man ja wiederum genauso). Also vielleicht kommt man im Grazer Schotterboden mit 100 Mio/km davon.

Zum Vergleich: Straßenbahn gibts ab ca. 10-12 Mio/km, Lokalbahnen ins Umland auch schon ab 5-6 Mio. Das Kostenverhältnis von ca. 10:1 zwischen U-Bahn und Tram zieht sich recht konsequent bei Bau- und Betriebskosten durch; eine Tram kann aber bei zeitgemäßem Betrieb durchaus ähnliche Reisegeschwindigkeiten erreichen, und auch das Verhältnis der Beförderungskapazität liegt eher nur bei 5:1. Eine U-Bahn zahlt sich also nur aus, wenn man die höhere Kapazität wirklich unbedingt braucht.

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vpower
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S Bahn sinnvoller

Eine neue S Bahn Station in Graz Nord wuerde Sinn machen. Bislang wird die S Bahn innerhalb von Graz viel zu wenig genutzt

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SagServus
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Billiges Kalkül von Nagl?

Mittlerweile kommt mir ja vor, dass Nagls Ankündigungen in Sachen Verkehr nur mehr darum gehen, Kahr in das Eck der "Nein"-Sagerin zu stellen.

Da wird mit Projekten herumgeworfen die auf den ersten Blick zwar gut ausschauen und sich gut anhören, aber jedem normaldenkenden klar sind, dass das nix ist.

Das Problem ist nur, dass Kahrs Ablehnungen dazu wohl bei den Leuten eher hängen bleiben als zu hinterfragen ob das Projekt sinnvoll ist.

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Lodengrün
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Es ist keine Frage

eine U-Bahn von Nord nach Süd als auch eine von Ost nach West wäre schon fällig. Aber wie viele Kilometer wären das? Jetzt hochgerechnet. Wenn man die Massen sieht die ständig vom Hauptplatz zum Bahnhof wollen dann ist die Straßenbahn wohl nicht auf Dauer das adäquate Verkehrsmittel.

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checker43
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Ja dann doch gleich

nur eine Schnellstrecke Haupt- oder Jakominplatz zum Bahnhof. Ohne Zwischenhalt.

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