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SommergesprächJuwelier Weikhard: „Graz sollte nicht jede Idee als Spinnerei abtun“

Klaus Weikhard sieht Graz als kleine Weltstadt, der es an Mut und Meer fehlt. Aber kein Ort sei gemütlicher.

Klaus Weikhard vor der Weikhard-Uhr
Klaus Weikhard vor der Weikhard-Uhr © Preis
 

Es fällt schwer, Sie nicht gleich nach der Weikhard-Uhr zu fragen.
Klaus Weikhard: (lacht) Ich weiß. Ich habe aber auch eine aktuelle Geschichte dazu: Der Künstler Christian Gollob aus Hitzendorf hat mir zum Geburtstag diese Woche eine wunderbare Skulptur geschenkt. Jetzt überlege ich, ob wir da nicht so etwas wie ein Souvenir daraus machen.

Also sehen Sie die Uhr selbst auch als Wahrzeichen?
Ja, denn es ist faszinierend, dass sich heute noch Leute hier treffen, und das trotz Handys. Und wenn ich mich irgendwo vorstelle, sagen die Leute auch oft: ,Ah, Weikhard, wie die Uhr‘.

Sie haben es angesprochen, das Handy. Wie stark hat es den Uhrenverkauf beeinträchtigt?
Enorm. Aber wir merken einen Gegentrend, die Jungen legen wieder Wert auf Etikette und das Schöne. Eine Uhr ist heute nicht dazu da, die Zeit anzuzeigen – sie ist ein Statement. Auch Verlobungsringe und Tanzkurse sind gefragt, alles Werte, die fast verloren gegangen waren.

Einen zentraleren Standort als den Hauptplatz kann man nicht haben. Ist das auch Belastung?
Wenn es mir zuviel wird, ziehe ich mich ins Büro zurück, aber in Wahrheit genieße ich es. Wir haben zu 90 Prozent Stammkunden, manche kommen auf einen Kaffee herein. Keine Stadt ist so gemütlich und sympathisch wie Graz.

Und wie schwer hat man es als Unternehmer bei uns?
Uns belastet vor allem, dass es zu wenig Handwerker gibt. Es ist schwer, Goldschmiede oder Uhrmacher zu bekommen. Dabei habe ich vor jedem Respekt, der eine Lehre absolviert – ich habe ja selber eine gemacht.

Sie nehmen aktiv am gesellschaftlichen Leben Teil, Stichwort Oberlandler.
Der wird gerne auf den Ball reduziert. In Wahrheit treffen wir „Bauern“ – so nennen wir uns – aber jeden Donnerstag in der Gösser zusammen und stellen unsere Fälle vor. Jeder hat einen Armutsfall, den er betreut. Und ich bin stets erschüttert, wie groß die Armut in Graz ist. Ihr Problem ist, dass sie so leise ist.

Was stört Sie an Graz?
Die Stadt könnte internationaler sein, mehr Vielfalt zulassen. Ich finde auch Ideen wie die Gondel nicht von vorne herein schlecht. Schade, dass vieles schnell als Spinnerei abgetan wird. Große Dinge sind ja immer dann entstanden, wenn jemand etwas gewagt hat. Graz ist kein Museum und sollte sich weiterentwickeln. Mutig sein.

Und im Sommer dann doch die Abschlussfrage nach dem Urlaub: Bleiben Sie in Graz?
Ich und meine Frau, wir reisen sehr gerne. Fernreisen, Autoreisen, Hauptsache Meer. Aber wir kommen immer gerne zurück, denn Graz ist letztlich eine kleine, sympathische Weltstadt. Aber wie gesagt: Jetzt geht‘s dann doch bald ans Meer.

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