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GrazDer amerikanische Cannabis-Kult erreicht Graz

Was es mit der ersten 4:20 - Party in der Graslerei und dem 20. April auf sich hat.

© Christoph Grothe
 

„Wir haben uns alle bemüht, erst um 4:20 anzufangen. Normalerweise legen wir direkt zu Dienstbeginn los – schon wegen des guten Geruchs für’s Caffee.“ Bastian Knabl, einer der Mitbegründer der Graslerei, auf meine Frage, ob er und seine Kollegen heute schon um 16:20 Uhr ihren ersten Joint geraucht haben.

Rückblende. 1971, Herbst, San Rafael, Kalifornien. Eine Gruppe, die sich „Die Waldos“ nennt, plant, eine aufgegebene Cannabis–Plantage zu suchen. Sie gelangen an eine Schatzkarte des ursprünglichen Anbauers und verabreden sich. Treffpunkt: Statue von Louis Pasteur an der San Rafael High School, Uhrzeit: 4:20 nachmittags. Codename des Plans: „4:20 Louis“. Mehrere Versuche, die Plantage zu finden, scheitern kläglich. Der Codename jedoch überlebt in abgekürzter Form, „4:20“, und steht fortan für das Rauchen von Marihuana. Die auf Cannabis spezialisierte Zeitschrift High Times fordert 4:20 als die gesellschaftlich akzeptierte Tageszeit für den Genuss von Cannabis. Der 20. April wird in Nordamerika ein Tag der Festlichkeiten rund um die Hanfpflanze. Nicht zu vernachlässigender Aspekt: die Legalisierung. Soweit Legende und Geschichte.

"Hanf, freshe Beats und 1 richtig nice Pardy"

So kündigt die Graslerei, der erste CBD–Coffeeshop, den Graz seit 1. Dezember 2017 zu bieten hat, seine erste 4:20 Party an, die am 20. April um 16:20 Uhr mit „gemütlichem Abhängen und Chillen bei Küchlein und Aromastäbchen“ startet.

Wir haben seit 20 Jahren ein Drogenproblem im Stadtpark. Da ist CBD einfach ein logischer Schritt zu Desensibilisierung.

Bastian Knabl, Mitbegründer der Graslerei

Um 19 Uhr wird es laut Programm mit Liquid Sun psychedelisch. „Auf dieses Konzert hab ich mich besonders gefreut. Ein Freund von uns spielt da mit. Aber es ist unser erstes Stoner Rock Konzert hier und wir haben es uns ehrlich gesagt etwas leiser vorgestellt. Da waren wir jetzt nicht so ganz drauf eingestellt.“, erklärt mir Julia Staud, Mitbegründerin der Graslerei.

Während ich mir meine Notizen mache, ist Julia so freundlich, mir ein großes Hanfbier und Aromastäbchen zu holen. „Ja, wir haben öfter solche Konzerte da. Gestern hat jemand aus Serbien gespielt. Einmal im Monat gibt’s Gypsy-Jazz. Und der Samba Sunday ist auch was Cooles. Mittwochs machen wir außerdem immer eine Afterwork Party mit verschiedenen DJ‘s“, so Julia.

Hanf-Coffeeshop: Zu Besuch in der Graslerei

Mit der Graslerei hat im Dezember 2017 der erste Coffeeshop in Graz eröffnet.

Ballguide/Großschädl

Zu Kaffee, Tee und Kuchen gibt es dort Cannabis ...

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... und das laut den Betreibern ganz legal. Details dazu finden Sie hier.

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Und das ist bei den Produkten in der Graslerei der Fall, betonen die Betreiber.

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Angebaut werden die zwei angebotenen Sorten in Spanien...

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...im Coffeeshop werden sie unter anderem zu Kuchen weiterverarbeitet.

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Gunnar Knaus
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Cannabis mit Cannabidiol

In der Graslerei – aufzufinden übrigens mitten im Univiertel, Leonhardstraße 42 ( man beachte die Straßennummer) - geht es um Cannabis, darum, sich darüber zu „informieren, auszutauschen, und, sich zu entspannen“. Allerdings nicht um die Sorte Cannabis, die die Meisten von uns kennen: THC beziehungsweise Tetrahydrocannabinol. Berauschend, psychoaktiv, illegal.

0,2 % - das ist der Maximalwert an THC, den das Cannabis der Graslerei, geführt von drei Studierenden der Sozialen Arbeit und einem freischaffenden Künstler, enthält beziehungsweise enthalten darf. Alles andere darüber: Fällt unter das Suchtmittelgesetz und ist illegal.

In der Graslerei wird also nicht fündig, wer nach dem allseits bekannten THC sucht. Aber was steckt denn dann in diesem Cannabis? Es ist CBD, Cannabidiol. Cannabidiol ist das neben Tetrahydrocannabinol am höchsten konzentrierteste, in der Hanfpflanze vorzufindende, Cannabinoid.

Konsumieren, ohne high zu werden

CBD ist nicht psychoaktiv, das heißt, es macht nicht high. CBD kann schmerzlindernd, entkrampfend, beruhigend und angstlösend wirken.
Maille aus Frankreich und Sofia, die auf einer Bank an der Wand sitzen, sind Freunde der Band Liquid Sun. „Wir fanden’s voll cool. Es war voll gechillt. Es ist hier wie in einem Wohnzimmer. Die Leute sind alle total lieb.“ Im Gegensatz zu Maille, die schon gern hin und wieder mit Freunden was raucht, hat Sofia es damit nicht so. Dafür weiß sie mit dem Begriff 4:20 etwas mehr anzufangen: „Ich glaub, es hat irgendwas mit Legalisierung zu tun.“

Hand aufs Herz, Basti: Macht Gras ohne THC denn überhaupt Spaß? Oder ist das nur ein Kompromiss, damit das Ganze legal wird? „Nein, es ist definitiv nicht nur ein Kompromiss", betont einer der Mitbegründer der Graslerei. "Wir haben uns, bevor wir unseren Coffeeshop eröffnet haben, alle schon lange mit dem Thema beschäftigt. Meine Tochter zum Beispiel nimmt CBD seit einem Jahr als Medikament."

Dieser 4:20-Kiffer-Tag

"Die Hanfpflanze taugt mir einfach", so Knabl weiter. "Egal, ob CBD oder THC. Es ist einfach eine schöne Pflanze aus der man schöne Dinge herstellen kann. Nun haben wir seit zwanzig Jahren ein Drogenproblem im Stadtpark. Und da ist CBD einfach ein logischer erster Schritt zur Desensibilisierung, für einen offenen Diskurs. Abgesehen davon: Ein Freund von mir, der in seiner Jugend jahrelang THC geraucht hat, hat jetzt CBD probiert. Und der sagt: Es ist viel besser, einfach nur angenehm.“

Zum Abschluss frage ich Lukas und Lindi, die beide mit einem Bier (natürlich einem Hanfbier) in der Hand in der Mitte des Raumes stehen: Wisst ihr eigentlich, was der Hintergrund dieser Party ist?
Lukas: „Heut ist doch dieser 4:20-Kiffer-Tag.“
Darauf Lindi, ein wenig verwirrt: „Ach, is des so?“

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