GrazReininghaus: Streit um Unterführung lässt Schulcampus wackeln

Die Bundesimmobiliengesellschaft hadert mit geplanten Verkehrslösung in der Alten Poststraße und stellt Schulbau infrage.

Reiinghaus
© kk
 

In Reininghaus soll es nicht drunter und drüber gehen. So will es die Stadt Graz. Die rund 20.000 Autos in der Alten Poststraße sollen nicht unter die Erde, damit drüber die Fußgänger und Radfahrer ungestört queren können. Also keine Unterführung.

Genau die hätten aber zwei prominente Investoren gerne, die links und rechts der Alten Poststraße bauen: die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) und Architekt Hermann Eisenköck. Die BIG baut ja im Osten den Schulcampus für gut 1500 Schüler sowie über eine Tochterfirma Wohnungen; Eisenköck plant gegenüber das Q2, ein markantes Zentrum samt Kino, Hotel und Geschäften. Die Alte Poststraße liegt zwischen den beiden Quartieren.

Was den Streit so brisant macht: Ohne Unterführung wackelt der Schulstandort. „Dann bauen wir dort sicher nicht“, sollen Vertreter der BIG bei internen Sitzungen gesagt haben. So berichten es Teilnehmer. Denn auch der Plan B, ein Zebrastreifen mit Ampel, klappt nicht. Da hat das Land sein sicherheitstechnisches Veto eingelegt, weil sonst die Abstände zwischen den Ampeln zu kurz würden.

Gerald Winter-Pölsler Reininghaus Unterführung Eisenköck
So schaut die Unterführung am Modell von Hermann Eisenköck aus © Gerald Winter-Pölsler

Offiziell klingt es bei der BIG zwar nicht ganz so deutlich, aber deutlich genug: „Die geplante Verkehrslösung ist nicht in vollem Ausmaß befriedigend“, sagt BIG-Pressesprecher Ernst Eichinger. „Es braucht baldige Termine, um zu einer konstruktiven Lösung zu kommen.“

Auch Nachbar Eisenköck plädiert für die Unterführung. Der Rahmenplan schreibe ja die Öffnung und Durchlässigkeit der einzelnen Quartiere vor allem für Fußgänger vor. Jetzt – ohne Auto-Unterführung und ohne Zebrastreifen – würden die Menschen aber an der Alten Poststraße anstehen. Es wäre für Tausende Fußgänger täglich wie eine Sackgasse, sie müssten lange Umwege zur nächsten Kreuzung in Kauf nehmen, anstatt die Straße direkt überqueren zu können. „Wenn das so kommt, müssen wir umplanen“, sagt Architekt Eisenköck, der sein Projekt gemeinsam mit den Architektur-Größen von Coop Himmelb(l)au und Delugan Meissl konzipiert hat – und von dem Bürgermeister Siegfried Nagl (ÖVP) schon lange als neues Wahrzeichen schwärmt.

Unterführung ist "nicht mehr zeitgemäß"

Tatsächlich stand Nagl einer Unterführung zunächst offen gegenüber. Die Fachabteilungen im Rathaus haben sich aber dagegen ausgesprochen – und Nagl ist seinen Beamten gefolgt. Unterführungen seien nicht mehr „zeitgemäß“, heißt es nun.

„Wir würden uns sogar an den Mehrkosten beteiligen“, sagt Peter Kothgasser, Geschäftsführer von Eisenköck. Die Alte Poststraße wird ja groß umgebaut, mit der Unterführung wäre das zwischen vier und fünf Millionen Euro teurer.

Im Büro von Bürgermeister Nagl ist man jedenfalls überzeugt: In Reininghaus wird es nicht drunter und drüber gehen. Und trotzdem wird man eine Lösung finden. Die Zeit drängt jedenfalls: Für den 10. April ist die nächste straßenbaurechtliche Verhandlung zum Umbau angesetzt.

Kommentare (5)

Kommentieren
Think_simple
0
3
Lesenswert?

Unterführung

Ah ja, nicht mehr zeitgemäß - aber z.B. die Unterführung Josef Huber Gasse, die muss unbedingt her, weil das ist dann schon zeitgemäß, obwohl nur wenige Meter daneben? Sch... drauf, dass dann halt die SW-Linie dran glauben muss, wäre ja nur sowas wie ein Jahrhundert-Projekt für den ÖV in Graz gewesen...
Bitte, liebe Wähler, gebt Graz eine faire Chance, beendet das Leiden bei nächster Gelegenheit!

Antworten
kropfrob
2
4
Lesenswert?

Da hat Nagl schon recht,...

... wenn er Unterführungen als nicht mehr zeitgemäß bezeichnet - allerdings für Fußgänger. Denn solche Unterführungen sind nach wenigen Jahren dreckige, finstere, stinkende Löcher, die keiner benützen mag. Aber dass Autos unter die Erde verschwinden ist wohl allgemeiner Standard.

Antworten
kropfrob
1
2
Lesenswert?

2.

Am besten gleich im gesamten Areal und die Zufahrten zu den Parkgaragen von dort abzweigend.

Antworten
DieGrazerFamilie
1
5
Lesenswert?

Seilbahn statt Unterführung

Vermutlich wollen Nagl & Co. unbedingt eine Seilbahn über die Alte Poststraße, wenn sie den durchaus gelungenen Unterführungsvorschlag so sehr ablehnen.

Antworten
Think_simple
0
2
Lesenswert?

Seilbahn

Wobei es doch auch einmal recht interessant wäre, warum Nagl immer und überall eine Seilbahn bauen will, je unnötiger je dringender.
Mit Bedarf oder Vernunft hat es jedenfalls nichts zu tun...

Antworten