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Interview

"Das magerlt dich dann schon"

Michael Ehmann, Chef der Grazer SPÖ, spricht über die Wahlniederlage und seine Familie.

Hat sich für den Weg in die Opposition entschieden: Michael Ehmann
Hat sich für den Weg in die Opposition entschieden: Michael Ehmann © Ballguide/Pajman
 

Herr Ehmann, die simple Frage vorweg: Wie geht es Ihnen? Haben Sie die Wahlniederlage schon etwas verdaut?
MICHAEL EHMANN: Danke der Nachfrage. Ja, die vergangenen Tage waren natürlich wichtig, zur Selbstreflexion, aber auch zum Aufarbeiten intern.

Sie meinten bei Ihrem Antritt als SPÖ-Chef, keine „Phrasendrescherei“ zu mögen. Nun denn, in aller Klarheit: Warum hat die SPÖ bei der Graz-Wahl verloren?
EHMANN: Die Zeit war halt zu kurz, um das Profil zu schärfen. Auch von mir selbst nach außen hin. Und dann haben die Leut bei uns noch Zank und Hader im Kopf gehabt, obwohl es das ja schon lange nicht mehr gibt.

Aber Sie wussten ja, dass Sie wegen des früheren Wahltermins genau auf diese Hürden zulaufen.
EHMANN: Es hat halt nicht funktioniert, das rot-grüne Schreckgespenst in den Köpfen zu verhindern. Diese Exit Poll der ÖVP nach dem vorgezogenen Wahltag zu veröffentlichen und so manipulativ zu nutzen, das war in der Form einmalig und nicht in Ordnung. Und die Sache Grossmann (VP-Chef Nagl präsentierte im Wahlkampf den Ex-SP-Klubchef als Unterstützer, Anm.) hat uns auch nicht geholfen. Dessen muss sich Herr Nagl schon bewusst sein.

Ballgudei/Pajman Ehmann wird Gemeinderat und SP-Klubchef
Ehmann wird Gemeinderat und SP-Klubchef © Ballgudei/Pajman

Wo nehmen Sie sich rückblickend selbst bei der Nase?
EHMANN: Mehr gelaufen als ich ist überhaupt kein Kandidat! Wie gesagt, die Zeit war zu knapp. Und wir haben auch nicht mehr die Ressourcen so wie früher.

Was konkret muss in der Grazer SPÖ künftig anders laufen?
EHMANN: Wir müssen sicher unsere Kommunikation anders denken. Vielleicht auch wieder mit einem eigenen Medium.

Wird das reichen? Nach der Niederlage in Graz 2012 meinte damals SP-Landeschef Voves, man müsse wieder „näher an die Bürger“ herankommen. Ist man weiter von ihnen entfernt denn je?
EHMANN: Überhaupt nicht. Ich hab noch nie so viele von uns und für uns laufen gesehen wie jetzt. Auch viele Junge, obwohl das ja mittlerweile eine Partei der Ehrenamtlichkeit ist. Diese Motivation will ich nützen. Und dass es im Parteivorstand trotz allem einen enormen Zuspruch gab, macht mich auch zuversichtlich.

Nützen Sie dann auch den Einsatz von Mustafa Durmus, der als Siebenter auf der SPÖ-Liste 601 Vorzugsstimmen erhielt?
Ehmann: Er hat enormes Potenzial und wird in Zukunft sicher eine Rolle bei uns spielen.

Aber nicht aktuell als SPÖ-Gemeinderat?
EHMANN: Dann muss ein anderer vor ihm verzichten. Das ist kein Thema.

2016 hat Ihre Frau Sie dabei unterstützt, neuer SP-Chef zu werden - jedoch mit dem Hinweis, es werde Schlagzeilen geben, auf die Ihre Kinder angesprochen werden. Ist das jetzt der Fall?
EHMANN: Ich hab gestern meiner jüngeren Tochter etwas nachgebracht. Und wie ich die Schulklasse betrete, fangen alle zum Jubeln an. „Das ist er ja!“ Und dass sie mich gern als Bürgermeister gesehen hätten, das war lieb. Aber natürlich kam das Kind nach der Wahl auch weinend nach Hause: „Es tut mir so leid, du hast so viel gearbeitet.“ Das magerlt dich dann schon.

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