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Der "Teddy" wollte nicht nur kuscheln

15 Jahre lang werkte er im Rathaus, nun wechselt er in die VP-Landeszentrale. Detlev Eisel-Eiselsberg über Erfolge - und private Niederlagen.

 

Wenn's blöd läuft und sich Siegfried Nagl spielt, sind die folgenden Zeilen völlig umsonst. "Ich bin noch Stadtrat, ich hab dem Herrn Bürgermeister ja noch gar nicht mein Rücktrittsgesuch vorgelegt", schmunzelt Detlev Eisel-Eiselsberg.

Ja, so ein Umzug ist gar nicht so ohne. Bis 14. Jänner ist Eisel-Eiselsberg noch Sport- und Schulstadtrat in Graz, ab 15. Jänner werkt er als neuer Geschäftsführer der Landes-VP. "Aber in Wahrheit mach ich schon beides. Und wenn du täglich mehrmals vom Hauptplatz zum Karmeliterplatz marschierst, spürst du das."

Im Rathausbüro hat er buchstäblich Platz gemacht für Nachfolger Kurt Hohensinner. Also erzählt Eisel-Eiselsberg zwischen Kisten und Sesselstapeln . . .

. . . von seinen Anfängen in der Landesbaudirektion: 1982 war der heute 51-Jährige für Anrainer- und Umweltschutz im Straßenbau zuständig. Bis er eines Tages geholt wird, "mitten in einer EDV-Schulung, die Landesrätin will dich sehen, hieß es. Ich dachte: Hab ich was angestellt?".

"Lehrreiche Zeit"

Ja: Er ist Waltraud Klasnic positiv aufgefallen. Also wird Eisel-Eiselsberg ihr Sekretär. "Eine lehrreiche Zeit. Sie hat immer auf einen Zettel einen Kreis gemalt und sternförmig die passenden Stichworte. Mehr hat sie nicht gebraucht für eine freie Rede."

Anschließend habe ihn "der Herbert Paierl geerbt" und nach einem Zwischenstopp bei Hermann Schützenhöfer wechselte er 1998 ins Rathaus - als Büroleiter des damaligen Stadtrates Nagl. "Ich kenn ihn ja seit dem 15. Lebensjahr", betont Eisel-Eiselsberg. "Wobei ich lange Haare und eine Lederjacke hatte und der Siegfried Nagl Anzug mit Kofferl. Da hab ich mir gedacht . . ." Schnösel? "Ja, so ein Schnösel."

Doch es sollte Freundschaft werden, gespickt mit beruflicher Loyalität. Bröckelte diese nie? "Nein, nie." Aber es habe sehr wohl Auseinandersetzungen gegeben. "Etwa beim Thema Homosexualität. Da hab ich oft gesagt: Das ist jetzt nicht dein Ernst! Aber er hört zu, lernt, das schätze ich an ihm. Und eines Tages hat er die RosaLila PantherInnen ins Rathaus geladen und gesagt: Ich habe umdenken müssen."

2003 wird Eisel-Eiselsberg selbst Stadtrat. "Es klingt theatralisch, aber als mich Nagl gefragt hat, hab ich zum Kastner rübergeschaut und mich erinnert: Als ich jünger war, musste ich zweimal im Jahr vorm Kastner warten, bis die Fürsorgerin gekommen ist. Die hat auf einer Liste nachgeschaut, wie viele Socken und Unterhosen sie mit mir kaufen geht. Ich dachte mir: Und jetzt soll dieser Bub Stadtrat werden?!".

Fürsorge? Ja, Eisel-Eiselsberg wächst im Internat auf. "Meine Mutter war Alleinerzieherin mit drei Kindern." Diese Zeit habe ihn geprägt, auch in seinem politischen Tun - auch gegenüber VP-Kollegen. "Wenn Eltern den Kindergartenbeitrag nicht bezahlen konnten, haben manche von uns gemeint: Dann wird dieser Platz halt frei. Da hab ich gesagt: Und was kann das Kind dafür?!".

Familienstand?

Im Privaten gab es noch eine Weggabelung - eine leere Zeile auf der Internetseite der Stadt verrät sie: Bei allen Stadtregierern ist im Lebenslauf der Punkt Familienstand ausgefüllt, nur bei ihm nicht. "Weil ich das Wort ,geschieden' nicht mag. Und es mir bis heute leidtut, dass meine Ehe nicht geklappt hat, weil mir Familie wichtig ist." Nach durchwachsenen Jahren habe er nun "eine wunderbare Lebenspartnerin" gefunden, so der dreifache Vater und zweifache Opa.

Zu den beruflichen Erfolgen zählt er die Errungenschaften im Sport - von der Vereinsförderung bis zu Großbauten wie das Eggenberger Bad - sowie den Ausbau der Schulen und Kinderbetreuungsplätze. Misserfolge? "Da fällt mir nur die Eishalle Liebenau ein, da ist die Neuausrichtung leider noch nicht gelungen."

Dafür gelang es ihm selbst, die Stellung zu halten. Eigenfehlern zum Trotz. Dass er zu Nagls Vertrauten gehörte, dürfte nicht geschadet haben - und so blieb es bei anonymen Beschwerden aus der VP (!) über den "Schönwetter-Politiker" Eisel-Eiselsberg, als er in der Kleinen Zeitung ein positives Zeugnis erhalten hatte.

Ab 15. Jänner leitet er also die VP-Landeszentrale. Der "Teddy", wie sie ihn nennen, wird auch hier nicht nur kuscheln wollen. Hat er nie getan. Nicht als Schüler, der seinen Lehrern das Unterrichtsgesetz unter die Nase hielt und so die Wiederholung von Prüfungen erreichte - nicht als Stadtrat, der das Schulschwänzen dank eines "freiwilligen Vertrages" zwischen Direktoren, Eltern und Schülern bekämpfen wollte. "Dazu ist es eh nie gekommen", lacht Eisel-Eiselsberg.

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