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CV-Verbindung Carolina Graz

"Für Gott und Vaterland"

Vor 125 Jahren wurde die CV-Verbindung Carolina Graz gegründet - im akademischen Kulturkampf gegen die Nationalliberalen.

 

C arolina war wie keine andere katholische Studentenverbindung dem Terror, der Ausgrenzung und den Anfeindungen durch nationale Verbindungen ausgesetzt", betont Markus Simmerstatter, Philistersenior der Carolina und mit Gerhard Hartmann Autor des Buches "Ein großes Gehen Hand in Hand. 125 Jahre Carolina".

"Unsere Studentenverbindung stand in krasser Gegnerschaft zum Nationalsozialismus. Unsere Leute gehörten nicht zu jenen, die man auf den Fotos aus jenen Tagen sieht, wie die jubelnden Menschen auf dem Heldenplatz, sondern sie saßen da schon in Gefängnissen und im KZ. Ideologisch trennen uns Welten."

Und diese Welten waren auch der Grund, warum die Carolina 1888 als älteste steirische CV-Verbindung gegründet wurde. "Das war ein mutiger Schritt", erklärt Obmann Florian Altendorfer. "Mit dem Bekenntnis zum Katholizismus, zu Österreich und dem Ablehnen der Mensur stellte man sich gegen den Mainstream der Zeit. Daran hat sich bis heute nichts geändert."

Die Carolina wurde von den schlagenden Verbindungen als Provokation aufgefasst. In diesem aufgeheizten Umfeld gründete 1888 eine kleine Schar katholischer Studenten in Graz eine Farben tragende Verbindung, die nach dem Gründer der Grazer Universität, Erzherzog Karl, Carolina benannt wurde. Als Farben wurden Schwarz-Gold-Weiß mit schwarzer Samtmütze und der Wahlspruch "Pro Deo et Patria" ("Für Gott und Vaterland") gewählt. Bereits 1889 wurde die Carolina in den CV (Cartellverband) aufgenommen. Auch ein Prinzipienkatalog wurde eingeführt: Katholizität, Lebensfreundschaft, Farbentragen, Wissenschaftlichkeit, Sittlichkeit, Vaterlandsliebe und studentischer Frohsinn sind angeführt.

"Bis 1914 mussten wir um Gleichberechtigung kämpfen", erzählt Simmerstatter. Von Beginn an wurden Fenster eingeschlagen, Studenten überfallen und niedergeknüppelt. Der Druck der schlagenden Verbindungen war so groß, dass die Carolina 1895 nicht einmal zur Eröffnung der neuen Universitätsgebäude eingeladen wurde. Am 16. Mai 1908 kam es zum "Grazer Bauernsturm". Freiheitliche Studenten wollten verhindern, dass Michael Aldrian, Mitglied der Carolina und Sekretär des Bauernvereins, in Farben zu seiner Promotion ging. 200 Bauern trafen auf 600 zum Teil mit Stöcken bewaffnete Studenten, es kam zu Tätlichkeiten. Die Promotion wurde abgesagt. Im Chaos versank auch das 25. Stiftungsfest 1913. Es gab Verletzte, Militär musste ausrücken. Husaren schützten den Zug der Carolina zur Festmesse vor Angriffen der schlagenden Verbindungen.

In der NS-Zeit kam es zu Verhaftungen, im ersten Österreichtransport ins KZ Dachau 1938 befanden sich als prominente Carolinen der spätere Kanzler Alfons Gorbach, Alfred Maleta und Karl M. Stepan, Landeshauptmann und später Generaldirektor des Verlagshauses Styria.

Derzeit boomt der CV. 2009 und 2011 wurden zwei neue Verbindungen in Graz gegründet - Erasmus und Europa Kopernika: "Da schließt sich der Kreis der 125 Jahre. Wir haben 1888 ein Minderheitenprogramm gehabt und gründen heute eine katholische Verbindung, die den Namen Europa trägt. Wir gehen bewusst einen anderen Weg."

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