AccessControl ac = AccessControl.getAccessControl(request);

NACHRUF

Max Mayr Retter der Grazer Altstadt ist tot

Am Donnerstagabend starb Max Mayr im 84. Lebensjahr.

© Kanizaj
 

"Der Max" ist tot. Er hieß in der Redaktion der Kleinen Zeitung nur "der Max". Und "der Max" war eine journalistische Qualitätsmarke der besonderen Art: Max Mayr brachte, energisch gefördert von Chefredakteur Fritz Csoklich, eine neue Form der Kommunikation in das Medium Zeitung: Aktivierung der Leser für einen nachhaltigen Zweck.

Untrennbar verbunden mit dem Namen des Verstorbenen ist die Aktion "Rettet die Altstadt". Damals, 1972, sollte im Grazer Landhaushof eine Tiefgarage gebaut werden. Und die Pressluftbohrer probten bereits . . .

Da ging es nicht nur um die Verhinderung eines Aktes baulicher Barbarei, sondern auch um Bewusstseinsbildung - nicht in einem restaurativen, sondern durchaus in einem zukunftsweisenden Sinn: nicht nur Bewahrung schützenswerter Bauten, sondern auch Schaffung von Fußgängerzonen und Verbesserung des öffentlichen Verkehrs.

Max Mayr war der ideale und idealistische dynamische Förderer eines Prozesses, bei dem es gelang, von 1. Oktober 1972 bis 31. Jänner 1973 beachtliche 107.571 Unterschriften zu sammeln - samt Aufmunterungsbekundungen aus 44 Ländern.

Beim steirischen herbst 1972 stellten sich auch international renommierte Karikaturisten wie Luis Murschetz und Ivan Steiger in den Dienst der Sache und Hans Weigel lieferte für Nestroys "Lumpazivagabundus", der im Grazer Schauspielhaus aufgeführt wurde, den Text zu einem "Altstadtrettungs-Couplet".

Max Mayr durfte sogar noch miterleben, wie seine Ziele durch konkrete politische Taten abgesichert wurden: zum Beispiel durch das Altstadterhaltungsgesetz 1974, samt der Etablierung einer kontrollierenden Altstadtkommission. Zum "Ersten Internationalen Altstadtkongress" im September 1974 erschien dann sein Buch "Graz-Lob der Altstadt". Dieser Kongress im Minoritensaal bildete den Auftakt zum "Jahr des kulturellen Erbes 1975". 1999 erklärte die Unesco die Grazer Altstadt zum Weltkulturerbe.

In die Redaktion der Kleinen Zeitung war Max Mayr am 1. Juni 1959 gekommen. Da hatte er als Redakteur der Landjugendzeitung "Wende" seinen Aktionismus bereits ein wenig trainiert und unter anderem einem Missionsbischof in Neuguinea zu einem Flugzeug verholfen. In der Redaktion widmete sich der lernbegierige Bauernsohn aus Oberösterreich mit agrarischer Fachausbildung zunächst seinem Spezialgebiet - aber immer mit dem Drang, etwas zu verändern. Etwa, wenn er Weinbauern ins Gespräch brachte, die Neues versuchten. Kennzeichnend für die damalige Situation des Winzertums in der Grünen Mark war ein Artikel in der Kleinen Zeitung mit dem elegischen Titel "Im steirischen Wein ist die Wahrheit am Zucker gestorben" (Copyright Kurt Vorhofer).

"Der Max" als Chef vom Dienst, "der Max" als redaktioneller Verantwortlicher für den Stadt-Teil in der Zeitung - immer verstand er es, "seine" Themen mit ansteckender Begeisterung zu den besonders wichtigen zu machen und sie mit robuster Ausdauer zu verfechten. Als er, der 1928 Geborene, Ende 1994 in Pension ging, war er noch immer einer der Jüngsten in der Redaktion, wenn es darum ging, zu zeigen, was Enthusiasmus ist.

Max Mayr wurde zu Recht und oft geehrt: Ehrenring der Stadt Graz, Großes Goldenes Ehrenzeichen des Landes, Professorentitel und Ehrenpräsident des von ihm mitinitiierten Internationalen Städteforums. Als Journalist wurde er unter anderem mit dem Staatspreis für journalistische Leistungen im Interesse der Jugend und dem Kudlich-Preis gewürdigt. Nicht immer so im Lichte der Öffentlichkeit stand seine Frau Herta, die ihn zeit seines Lebens unterstützte und ihm in den letzten schweren Monaten und Wochen aufopfernd zur Seite stand.

Danke, Max, und ruhe in Frieden. Hoffentlich erinnern wir uns immer an ein Wort vor dir, das du einmal so nebenbei fallen ließest: "Barbaren sind immer noch unter uns."

Diskutieren Sie mit - posten Sie als Erste(r) Ihre Meinung! Kommentieren