Uni-Viertel war der Pilotversuch, dann kam das Neutorviertel und jetzt wie angekündigt das Herz-Jesu-Viertel. Die Rathaus-Koalition etabliert das Anrainerparken in Graz, das bedeutet: In dem jeweils definierten Gebiet werden 25 Prozent aller Kurzparkzonen-Plätze für Anrainer mit einer Ausnahmegenehmigung reserviert.

Vor Kurzem hat die straßenpolizeiliche Verhandlung für das Herz-Jesu-Viertel stattgefunden, das Vorhaben wird im Wesentlichen von allen Parteien mitgetragen und soll mit Ostern in Kraft treten. Im Detail gibt es aber unterschiedliche Auffassungen: Alexis Pascuttini, formal weiter KFG-Klubchef, gleichzeitig aber auch Kandidat für ein künftiges Neos-Mandat, kritisiert, dass man in der Haydn- und Krenngasse geplante Anrainerparkplätze wieder zurückgenommen hat. Begründet wurde das mit dem Kaiser-Josef-Markt, dessen „wirtschaftliche und soziale Funktion gefährdet“ sei, sollten Zoneparkplätze für die Allgemeinheit wegfallen, sowie mit der Konditorei Philipp in der Krenngasse. Für Pascuttini ist das Argument nicht nachvollziehbar, „warum sollten Bewohner aus anderen Bezirken mit dem Auto den Markt besuchen?“ Und er vermisst eine Bürgerbeteiligung.

Anrainerparken: ÖVP wollte zeitliche Einschränkung auf Abend- und Nachtstunden

ÖVP-Gemeinderätin Cornelia Leban-Ibrakovic wollte in der jüngsten Gemeinderatssitzung das Anrainerparken insgesamt „optimieren und vereinfachen“. Aus den bisherigen Gebieten haben einige Betriebe, aber auch Ärzte rückgemeldet, dass sich Kunden und Patienten schwerer tun, einen Parkplatz zu finden. Alle Plätze, die frei seien, seien Anrainerplätze gewesen. Ihr Vorschlag: Die Parkplätze sollen vor allem „in den Abend- und Nachtstunden für Anrainer reserviert sein“. Zwischen 9 und 17 Uhr aber, wo die Leute in der Regel ohnehin nicht zu Hause seien, sollen die Plätze aber für alle zur Verfügung stehen. Und es soll einfacher und einheitlich ausgewiesen werden.

Von der Koalition erhielt sie dafür allerdings eine Absage. Hanno Wisiak, Bezirksvorsteher in Geidorf für die KPÖ, sieht darin „einen Rückschritt“, die ÖVP agiere gegen die Interessen der Anrainer. Und: „Weil es in Geidorf immer wieder Beschwerden über Verstöße außerhalb der gebührenpflichtigen Zeiten gibt, haben wir uns als Koalition aus KPÖ, Grünen und SPÖ darauf verständigt, künftig verstärkt Schwerpunktkontrollen durchführen zu lassen.“

Schwentner: „Eine spürbare Entlastung für Bewohner“

Das Gebiet, in dem das neue Anrainerparken im Herz-Jesu-Viertel gilt, auf einem Stadtplan eingezeichnet
Das Gebiet, in dem das neue Anrainerparken im Herz-Jesu-Viertel gilt © Stadt Graz

Das neue Gebiet fürs Anrainerparken im Herz-Jesu-Viertel umfasst die „Bewohnergebiete 6 und 7“ und insgesamt 1000 Zonenparkplätze. Ein Viertel davon ist dann für Anrainer reserviert, verteilt auf 46 Orte, von A wie Albertstraße über L wie Lessingstraße bis Z wie Zwerggasse. „Das Anrainerparken sorgt dafür, dass Menschen, die hier leben, auch tatsächlich einen Parkplatz in der Nähe ihrer Wohnung finden. Gerade in dicht bebauten Vierteln ist das für viele ein echtes Alltagsproblem“, sagt Vizebürgermeisterin Judith Schwentner (Grüne). Auch sie ist gegen ein Aufweichen mit zeitlicher Einschränkung, weil das Anrainerparken „eine spürbare Entlastung für die Bewohnerinnen und Bewohner schafft“.