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Fall des angeklagten Arztes

Opfer üben heftige Kritik am Gutachter

Im Fall eines angeklagten Arztes sorgt ein Sachverständiger für Überraschung: Zuerst war er befangen, nun erstellte er Gutachten.

Der Fall beschäftigt nicht nur das Landesgericht
Der Fall beschäftigt nicht nur das Landesgericht © Gepa
 

Im Fall eines 56-jährigen Arztes, der wegen Misshandlung seiner vier Kinder, Suchtmittelmissbrauchs und unerlaubten Waffenbesitzes angeklagt ist, sorgt nun ein Gutachter nicht nur für Verwunderung – er erntet auch viel Kritik.


In einem Zivilgerichtsverfahren, in dem eine Tochter als Klägerin gegen ihren Vater auftrat, erklärte sich der psychiatrische Sachverständige Peter Hofmann aus Graz befangen. Doch nun erstellte er ein „methodenkritisches Gutachten“ – nämlich über die Arbeit seines Klagenfurter Kollegen Walter Wagner, der im Auftrag der Staatsanwaltschaft im Strafverfahren die vier Kinder (Opfer) begutachtet hatte. Wagner kommt dabei zum Schluss, dass alle vier Kinder durch die Handlungen des Vaters an psychischen Störungen, eine Tochter sogar an Opiatabhängigkeit, leiden. Im Strafantrag gegen den Arzt ist von Dauerschäden die Rede.


Dieses Gerichtsgutachten weise „erhebliche Schwächen“ auf, behauptet nun Peter Hofmann. Obwohl Hofmann mit den Opfern nie gesprochen hatte, schreibt er, dass er aufgrund der Akten seriöse Schlüsse für das Gutachten ziehen konnte. Hofmann war im Auftrag der Anwältin des beschuldigten Arztes tätig geworden, obwohl er zuvor den Auftrag der Richterin des Bezirksgerichtes wegen Befangenheit abgelehnt hatte.


Die Opfer sind empört, sprechen von einem Gefälligkeitsgutachten, das ausschließlich ihrem Vater zugutekommen soll. Sie seien vor allem aber auch deshalb verärgert, weil Hofmann mit ihnen kein einziges Mal gesprochen habe.


Wie berichtet, wurde der Prozess gegen den Arzt vertagt, weil das Gericht über den Beschuldigten ein unabhängiges psychiatrisches Gutachten einholen will. Warum das nicht schon im Ermittlungsverfahren durch die Staatsanwaltschaft geschehen ist, sei dahingestellt.


Unabhängig vom Strafverfahren gegen den Arzt ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen versuchter Zeugenbeeinflussung. Der Grazer Psychiater Manfred Walzl hatte im Ermittlungsverfahren die Begutachtung der Kinder abgelehnt, weil er die Familie kennt – und weil bei ihm seitens seiner Kollegen und seitens von Politikern interveniert wurde. Die Polizei soll diese Leute nun ausforschen.

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