Grauer Aprilhimmel über Gröbming. Die Gipfel von Stoderzinken und Kammspitze verstecken sich hinter Wolken, es riecht nach Regen. Am Kulmweg herrscht ungewöhnliche Betriebsamkeit. Kameras. Kabel. Stimmengewirr. Zwei junge Frauen und ein Mann, der zwei große Pakete Bettwäsche unter den Armen trägt, steigen zügig eine Außentreppe zu einem Ferienhaus hinauf.
Ein älterer Herr in Knickerbocker geht ihnen entgegen. Er trägt eine schwarz-grüne Zipfelmütze und wird von jemandem begleitet, der auf den ersten Blick wie ein Metzger aussieht. Vor der Haustür hängt ein halb gehäuteter Hase. Von Weitem betrachtet gibt die Szene einige Rätsel auf.
18 Drehtage braucht es
Einige Minuten später und direkt am Ort des Geschehens sind diese rasch gelöst. Der Zipfelmützenträger ist der bekannte österreichische Schauspieler Johannes Silberschneider. Regisseur Bernhard Wohlfahrter aus Weißenbach bei Haus arbeitet hier gemeinsam mit seiner Crew intensiv an seiner Vorweihnachts-Ensemblekomödie „Päckchen“. Am siebenten von insgesamt 18 Drehtagen steht die Szene „Ankunft im Ferienhaus“ auf dem Drehplan.
Silberschneider spielt Micha, den Vater, der seine Familie zu Weihnachten eingeladen hat. Tochter Tanja (gespielt von Antonia Bill) reist mit ihrem Mann Golo (Jakob Schreier) an, Schwester Danni (Josephine Bloéb) ist ebenfalls dabei. Tanjas Vater hat einen rätselhaften Jagdkollegen aus München mitgebracht: Martin, gespielt von Stefan Murr. Den kennt niemand. Und der Hase, der gerade gehäutet wird, könnte später zum Festtagsbraten werden.
Ein Überzeugungskaffee war notwendig
Silberschneider war Wohlfahrters Wunschbesetzung, doch der Weg dorthin war steinig. Erst durch den Einsatz von Casterin Franziska Aigner erreichte ihn das Drehbuch. Silberschneider haderte zunächst: Er selbst hat keine Kinder, die Vaterrolle fühlte sich für ihn fremd an. Ein persönliches Treffen mit Wohlfahrter stimmte ihn schließlich um. „Ein Überzeugungskaffeegespräch“, nennt es Wohlfahrter mit einem Lachen und betont, dass er sehr glücklich mit seinem Schauspielerteam ist: „Ich hätte nie damit gerechnet, dass ich so gute Leute kriege, die Zusammenarbeit mit Profis macht große Freude.“
Die Stimmung am Set gibt ihm recht. Der Schmäh rennt, und trotzdem arbeiten alle sehr fokussiert. Als Set-Aufnahmeleiter Erik Steinberger einen Butterfly umpositionieren lässt, stimmt Silberschneider spontan einen Hit aus den 1970er-Jahren an: „Butterfly, my Butterfly, jeder Tag mit dir war schön ...“, und lässt noch die eine oder andere Strophe folgen. Breites Grinsen in der gesamten Crew. Steinberger, routiniert durch jahrelange Arbeit bei der TV-Serie „Die Bergretter“, hat den Überblick. Er und Wohlfahrter haben schon oft zusammengearbeitet, harmonieren beinahe blind und geben den Takt vor.
Viel regionale Unterstützung
Aber nicht nur die Crew macht den Film überhaupt möglich. Die großzügige Unterstützung aus der Region übertrifft alles, was sich Wohlfahrter erhofft hat. „Ich bedanke mich aufrichtig bei allen, die das Projekt unterstützen, bei Unternehmen ebenso wie bei Privatpersonen“, fasst der junge Regisseur zusammen. Auch der zentrale Drehort Gröbming bringt sich auf mehreren Ebenen helfend ein. Bürgermeister Thomas Reingruber macht sich an diesem Tag live ein Bild von den Dreharbeiten.
Nach gut zwei Stunden ist die Szene schließlich „im Kasten“. Das Filmteam wird in eine kurze Mittagspause entlassen, in der es in der nahegelegenen Fachschule verpflegt wird. Aus dem bereits für Vormittag angekündigten Regen ist immer noch nichts geworden. Der Jäger holt seine Leihgabe, den Hasen, zurück. Und wie geht es mit dem „Päckchen“ weiter? Bis Ende April werden die Dreharbeiten abgeschlossen sein, dann beginnt die Postproduktion. Die Premiere ist für Anfang 2027 geplant. Dass das Kino Gröbming als Ort für die Uraufführung die besten Karten hat, liegt auf der Hand.