Den Selbstversuch des Ausschenkens an einem traditionellen Kulm-Stand erledige ich schon am Freitag. Da ist weniger los, ich bin den anderen weniger im Wege. Der Schmäh rennt, die Stimmung ist bestens. „Wir sind um die vierzig Leute, die hier an den drei Tagen mitarbeiten. Viele sind gar nicht bei unserer Feuerwehr und helfen uns aber trotzdem gerne“, erzählt Kommandant Martin Eder. Der Eigenverbrauch beim Kulm-Stand der Feuerwehr Zauchen ist im Vergleich zu anderen Festen gering. Dazu ist zu viel los. „Du hast gar nicht die Zeit, etwas zu trinken“, erzählt Eder.

Zitronentee und ein spezieller Kulmtee

Bier gibt es, Mineralwasser, Zitronentee, Glühwein und den legendären Kulmtee der Feuerwehr. Der ist eher etwas für Hartgesottene und besteht aus schwarzem Tee, Apfelschnaps, Rum und viel Zucker. Es gibt die nicht ganz ernst gemeinte Legende in der Region, dass um jene, die den Tee trinken, der Schnee schmilzt und es kreisförmig aper wird. Ganz so wild ist es dann doch nicht. Sonja heißt die erfahrene Teeköchin, die im Dunstkreis der Teeproduktion werkt.

Einen Schluck koste ich: Der Tee trinkt sich gut, die Inhaltsstoffe harmonieren ausgezeichnet, fast keine Spur von Schärfe. Nur leicht spürt man im Hintergrund die Wucht des Getränks. „Der Zitronentee und die nicht alkoholischen Getränke gehen auch sehr gut“, sagt Martin Eder. Normalerweise beschleunigen tiefe Temperaturen den Teeumsatz. Bei plus 12 Grad wie in dieser Woche wandert dann doch um einiges mehr an Getränken wie Limonaden, Mineralwasser oder Bier über den Ladentisch.

Wettkampfstimmung belebt den Umsatz

Am Samstag ist traditionell am Kulm am meisten los, „es geht ziemlich um“. Die Wettkampfstimmung am Gelände überträgt sich. Getränke, Speisen und Geldbeträge wechseln rasch die Besitzer. „Zwischen den Durchgängen geht es zur Sache, beim Skifliegen selbst wird mehr zugeschaut“, kommentiert Lukas Stiendl den Geschäftsgang. „Es passt genau. Fad wird uns sicher nicht“, ergänzt Pamela Rüscher. Die Leberkäsesemmeln kommen vom örtlichen Fleischhauer, dem Aichinger „Joe“, es gibt sie mit Senf und normalem Ketchup. Das Höllenfeuerketchup in der schwarzen Flasche, das eigentlich besser zu den Florianijüngern passen würde, hat man im Feuerwehrdepot gelassen. Vielleicht wollen sich manche die Zunge nicht verbrennen.

„Der Kulm ist eine eigene Welt“

„Der Kulm ist eine eigene Welt. Wenn er dich einmal gepackt hat, lässt er dich nicht mehr los“, erklärt Kommandant Martin Eder die Faszination des gemeinschaftlichen Arbeitens beim Skifliegen. Das Phänomen betrifft alle Bereiche am Schanzengelände: Viele nehmen sich extra Urlaub, um mitarbeiten zu können. Wie die Feuerwehr Zauchen sind auch andere mit ihren Ständen schon jahrzehntelang vor Ort: Vereine, Einsatzorganisationen, Wirte, professionelle Standler. Die Faszination Kulm ist ungebrochen.