Einen Hang einigermaßen elegant hinunterzufahren, das ist das Ziel jeder Skifahrerin und jedes Skifahrers. Dass man dieses Können aber auch zur graziösen Kunst treiben kann, zeigt sich kommendes Wochenende, am 6. und 7. März, am Nordhang des Rittisbergs. Dort treffen sich 400 Skilehrerinnen und Skilehrer aus ganz Österreich, um den Staatsmeister im Formationsfahren zu küren.

Dabei handelt es sich um eine besondere Art des Skifahrens, „vergleichbar mit Synchronschwimmen oder Eiskunstlauf“, erklärt Markus Perner, Organisator und Geschäftsführer der Skischule Ramsau. Zur Königsdisziplin wird dabei der Mannschaftswettbewerb: Sechs Personen fahren zu Musik möglichst synchron einen Hang hinunter und zeigen dabei verschiedene Figuren.

Klammerschwung und Wutzler

Während die Pflichtfahrt eine vorgegebene Choreografie aus kurzen und langen Schwüngen ist, drehen die Teilnehmer bei der 30-sekündigen Showfahrt unter Flutlicht so richtig auf. Dort sieht man dann spektakuläre Figuren wie den Klammerschwung (seitliches Fahren nur am Innenski), Drehungen und den Wutzler, bei dem man sich am Boden dreht und sofort wieder aufsteht. Als Musik funktioniert dafür am besten klassischer Rock. Das Ramsauer Team von Lena Bachler – „West Side Connection“ – setzt heuer so auf den Rocky-Hit „Eye of the Tiger“.

Seit Jänner trainieren die zwei Ramsauer Teams für die Meisterschaften. Neben der gemischten Mannschaft der „West Side Connection“ gibt es auch noch den „Dachstein Sechser“. Die jungen Männer zwischen 21 und 23 Jahren sorgten mit Videos ihrer Trainingsfahrten in sozialen Medien bereits für Begeisterung. Ein Video kam dabei auf mehr als drei Millionen Views. „Teams aus der Schweiz haben ihre Videos auch gepostet, die waren technisch aber nicht so gut wie unsere. Da haben wir gedacht, das können wir besser“, erzählt Robin Höflehner verschmitzt. Dass dieser Plan so gut funktionierte, überraschte die Sechs dennoch.

Qualitätssicherung für Skilehrer

So spektakulär Formationsfahren auch aussieht, steckt aber noch mehr dahinter. „Durch das Festival entsteht eine Dynamik unter den Skilehrern. Sie trainieren mehr, damit heben sich die Qualität und das Können des Einzelnen“, erklärt Markus Perner einen weiteren Beweggrund. Und Sohn Florian, der mit ihm die Skischule führt, ergänzt: „Es ist auch ein Ansporn, längere Ausbildungswege zu gehen. Skilehrer ist nicht nur ein Ferialjob, sondern auch ein Hauptberuf.“

Die Blütezeit des Formationsfahrens und der dazugehörigen Landes- und Staatsmeisterschaften war in den 1990er-Jahren. „Man wollte sich untereinander messen“, so Markus Perner. Am Dachsteinplateau war Perner mit seinen Freunden unter dem Namen „Demo Team Ramsau West“ ganz vorne dabei. 1999 wurden sie sogar Weltmeister. Nach und nach nahm die Begeisterung in Österreich aber ab, 2019 gab es dann gar keine Wettbewerbe. Bis 2025, als die Ramsauer Formationsskifahrer den totgeglaubten Bewerb unter dem Namen „Skilehrer Festival“ wieder auferweckten.

Sport und Party passen zusammen

Warum aber heißt es Skilehrer Festival und nicht Skilehrer Meisterschaften? „Wir Skilehrer haben immer noch ein gewisses Image“, sagt Markus Perner verschmitzt. Und das wäre? „Dass wir gut Party machen können. Wir strahlen Lebensfreude und Spaß aus. Wettbewerb und Party, das versuchen wir mit dem Festival zu verbinden.“ Deswegen wird am Samstagabend auch zur großen Sause mit der Band „Die Niachtn“ geladen.

Und Florian Perner ergänzt: „Wir wollten weg von den Meisterschaften, weil jeder Skilehrer mitmachen soll, vom 16-jährigen Anwärter bis zum Experten.“ Das Format scheint zu funktionieren, denn bei der ersten Auflage vergangenes Jahr waren es rund 22 Teams und 200 Starter, heuer sind es bereits 35 Teams und über 400 Starter aus sechs Bundesländern (Vorarlberg, Tirol, Kärnten, Salzburg, Oberösterreich und Steiermark).