Der Filmprojektor rattert. Das Dachsteinmassiv erscheint, danach ziehen Wolken über den Planai-Zielhang und Bodo Hell steht gestikulierend auf seiner Grafenbergalm. Es sind Bilder aus dem Heute, die die experimentelle Filmkünstlerin Stefanie Weberhofer zeigt – und gleichzeitig sehen sie aus wie aus den 1960er-Jahren. Die gebürtige Schladmingerin hat sich auf ihre Art mit ihrer Heimatregion und den Auswirkungen des Klimawandels darauf auseinandergesetzt.

Ausgang nahm das beim groß angelegten Kulturprojekt „Signal am/vom Dachstein“ nach der Idee von Werner Schrempf, Intendant des Festivals La Strada. Nach der aufsehenerregenden Landschaftsoper 2021 war Weberhofer eine von fünf Stipendiaten, die das Projekt dann weiterführten.

„Macht, was ihr wollt“

„Das war das Beste, was mir passieren konnte“, sagt die Künstlerin im Gespräch. „So sollte Kunstförderung aussehen.“ Sei es doch Usus, dass man sich ein Konzept ausdenkt, die Kosten kalkuliert und dann einreicht. „Da geht es vor allem darum, was sich gut verkaufen lässt.“ Dann müsse man monatelang warten, um danach im besten Fall dieses Konzept 1:1 umzusetzen. „Das hat wenig mit Kunst zu tun.“ Lebe diese doch davon, dass sich etwas erst im Prozess entwickeln kann, was im Gegensatz zu einer exakten Vorplanung steht.

Die Künstlerin erklärt ihre Filme auf der Bühne
Die Künstlerin erklärt ihre Filme auf der Bühne © Eszter Kondor

Genau diesen Ansatz wählte aber Werner Schwab, erzählt sie dankbar: „Er hat gesagt: ‚Wir unterstützen euch drei Jahre lang, am Ende gibt es eine Vorführung. Macht was ihr wollt! Wir sind sicher, es kommt etwas Großes dabei raus‘.“ Das sei extrem „befruchtend und befreiend“ gewesen. Weberhofers „Macht-was-ihr-wollt“ wurde im Endeffekt eine Super 8-Filmreihe „In Bewegung“, deren Vorführungen sie selbst moderiert, und ein begleitendes Buch – ihr erstes wohlgemerkt.

Entwickelt in Schladminger Bier

Zwischen März 2022 und Juni 2024 war die Künstlerin dafür auf und rund um den Dachstein unterwegs. Die Wahl des Super 8-Formats gab dabei den Rahmen vor. „Eine Kassette ist etwa drei Minuten lang. Ich überlege mir im Vorhinein, was ich filmen will und bin währenddessen hochkonzentriert. Im Nachhinein lösche ich nichts und schneide auch nicht.“

Als zusätzliche Kunst-Ebene entwickelt und bearbeitet die in Wien wohnende Schladmingerin ihre Filme selbst. Passend zu den Themen auch mit Schladminger Bier, Eierschwammerl, Schwarzbeeren und Pfefferminze. So entstanden 14 Kurzfilme, die miteinander ein großes Ganzes bilden. Um die Zusammenhänge zwischen den Stummfilmen zu erklären, hat sich Weberhofer entschieden, die Filme persönlich vom analogen Projektor zu projizieren und dazu zu sprechen. Das begleitende Buch gibt zudem Hintergrundinformation, erklärt aber auch ihre Auseinandersetzung mit der Super 8-Filmkunst.

Abschied von Mentor Bodo Hell

Im Zuge der Dreharbeiten hat die Schladmingerin ungeplanter Weise auch ein Zeitdokument erstellt. Denn im Rahmen des Stipendiums wurden den Künstlern Mentoren zur Seite gestellt, bei ihr war es Bodo Hell. Weberhofer hat ihn so noch vor seinem Verschwinden im August 2024 auf der Grafenbergalm gefilmt. „Er ist auf seinem geistigen Höhepunkt gegangen. Er war so fit, ich dachte immer, der Gletscher ist vor ihm weg.“ Der letztgefilmten Film der Reihe, gedreht am Dachsteingletscher selbst, sei daher auch ein Abschied von Hell. „Man sieht dem Eis beim Schmelzen zu, es ist eine Reflexion über Vergänglichkeit.“

Zum Nachdenken einladen, das will die Filmkünstlerin aber auch an anderer Stelle. Zum Beispiel mit jenen Kurzfilmen, die sich um das Spannungsfeld zwischen Tourismus und Natur drehen. „Man lebt in der Region, aber man verkauft sie auch ein bisschen“, sagt sie dazu. Die Filme sollen nicht ankreiden, aber zeigen, was ist. So filmte Weberhofer die Skiberge mit ihrem weißen Streifen in der Landschaft, aber auch die Menschen beim Biertrinken beim Nachtslalom.

Ihre neue Filmreihe „In Bewegung“ stellt Stefanie Weberhofer live in Farbe und Ton nächsten Freitag, dem 6. März, um 19.30 Uhr im Kino Gröbming vor. Das dazugehörende Buch erscheint offiziell am 26. März.