Prozess in GrazAcht Raubüberfälle auf ältere Frauen: Höchststrafe für Rumänen

Opfer erlitten in Graz schwerste Verletzungen, leiden an Langzeitfolgen. Eine starke Indizienkette belastete den 32 Jahre alten Angeklagten - er wurde zu 15 Jahren Haft verurteilt.

Prozess am Straflandesgericht © Penz
 

Innerhalb von zwei Wochen zwischen 30. Juni und 13. Juli wurden im Vorjahr in Graz acht Frauen (69 bis 84 Jahre alt) von einem brutalen Täter auf offener Straße oder in Hauseingängen überfallen. Er schlug hart und rücksichtslos mit der Faust zu. Die Opfer erlitten dadurch oder durch den Sturz zum Teil schwerste Kopfverletzungen. Die Beute: Schmuck.

Wochenlang fahndete eine Soko auf Hochtouren, bis Adiel-Cristian C. (32) in Rumänien festgenommen und schließlich ausgeliefert wurde. Er stand heute in Graz wegen Raubes in zwei Fällen und schweren Raubes in sechs Fällen vor einem Schöffengericht. Das Urteil: 15 Jahre Haft (nicht rechtskräftig).

Der Live-Bericht aus dem Gerichtssaal zum Nachlesen:

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11.42 Uhr:

Höchststrafe für den Rumänen - 15 Jahre Haft für Raub und schweren Raub! Nicht rechtskräftig.

11.33 Uhr:
Die Beratungen beginnen - dann folgt das Urteil.

11.31 Uhr:
Der Angeklagte hat das letzte Wort: "Ich werde mich der Entscheidung des Gerichts beugen!"

11.27 Uhr
Schluss des Beweisverfahrens: "Es gibt überhaupt keinen Zweifel, dass der Angeklagte schuldig ist", so der Staatsanwalt abschließend. "Man muss in diesem Fall die Strafe hoch ansetzen." Als maximale Strafe drohen dem Rumänen 15 Jahre Haft.

11.18 Uhr:
Der Inspektor weiter: "Als die Beweismittel immer mehr gegen  ihn sprachen, sagte der Rumäne abblockend nur ,sehr gut ...`"

11.13 Uhr:
Ein Bezirksinspektor ist als Zeuge am Wort: Er schildert, wie man auf den mutmaßlichen Täter kam. Schnell sei klar gewesen, dass die Opfer speziell ausgesucht wurden, eine SOKO wurde gegründet. "Eine Person verließ immer die öffentlichlen Verkehrsmittel an der selben Haltestelle wie die späteren Opfer - das ergab sich aus den Videoaufzeichnungen."

11.05 Uhr:
Angeklagter: "Es ist ein großes Fragezeichen für mich, wenn mich Leute damals nur von der Seite sahen und mich heute plötzlich erkennen."

11.01 Uhr:
"Ich hörte einen Schrei, war unter Schock, sah den Täter nur von hinten", sagt die nächste Zeugin.

10.55 Uhr:
"Zwei Mal hab ich den Mann gesehen", sagt die nächste Zeugin, die ihn auf der Straße sah. Auf einmal hörte ich Schreie, dann lag eine Frau im Hof am Boden. Und er lief davon. "Von der Ferne war er nicht so schiarch", ergänzt sie.

10.50 Uhr:
Gutachter: "Es scheint System gewesen zu sein, dass der Täter bei allen Opfern einen so genannten Ohnmachtspunkt im Bereich des Kiefers anvisierte, um die Opfer auszuschalten."

10.46 Uhr:
Gutachter: "Das letzte Opfer erlitt einen offenen Nasenbein-Trümmerbruch, die Frau hat heute noch Angstzustände."

10.39 Uhr:
Der Sachverständige ist am Wort, er zählt die schrecklichen Verletzungen der Opfer auf, die heute nicht erscheinen konnten. Eine Frau erlitt massive Kieferverletzungen.
 

10.35 Uhr
"Die Zeugin wurde beeinflusst. Von der Polizei", sagt der Rumäne.

10.29 Uhr
Nach Beendigung der Befragung der Tatopfer darf der Angeklagte Rumäne wieder in den Gerichtssaal. "Eine Zeugin hat Sie eindeutig erkannt", klärt ihn Richter Rom auf. - "Das kann ich mir nicht vorstellen, da ist schon eine lange Zeit vergangen. Und wenn ich sowas machen würde, hätte ich mein Gesicht abgedeckt."

10.25 Uhr
Das letzte der geladenen Opfer ist am Wort, sie erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma und schwerste Verletzungen am Kiefer. "Kurz vor meiner Haustür passierte es - ich wurde dann erst im Krankenhaus wieder munter."

10.20 Uhr
Fünftes Opfer im Saal: "Mir wurde eine Kette gestohlen." Auch sie war aufgrund ihres Alters ein leichtes Opfer für den Täter.

10.14 Uhr
"Sie machen einen resoluten Eindruck, darf ich Ihnen den Angeklaten vorführen?", fragt der Richter das Opfer. "Ja sicher!", sagt die Frau. "Er tut Ihnen eh nichts mehr, die Zeit ist vorbei", ergänzt Rom."War das der Täter?" - "Ja, das ist er", ist sich die Pensionistin sicher.

10.08 Uhr
Viertes Opfer am Wort: "Ich habe den Täter gesehen. Ich ging zum Postkastl, sperrte es auf und bekam von hinten einen Schlag. Dann prallte ich mit dem Kopf zum Postkastl - da sah ich den Täter davonlaufen. Er hatte ganz, ganz kurzes Haar."

10.01 Uhr
Drittes Opfer: "Ich habe immer noch Beschwerden vom Ohr bis zum Hals, ich habe nach wie vor Angst", sagt die Penionistin, die auf Krücken erschienen ist. Die Schmerzen stammen von einem Kieferbruch - "es tut eigentlich immer weh ..."

9.56 Uhr
Nächstes Opfer - der Frau wurde eine 1500-Euro-Kette gestohlen. Sie verlor bei der brutalen Tat Zähne, bekam danach Implantate. "7200 Euro haben mich die Operationen gekostet, ich habe dafür keine Versicherung."

9.50 Uhr
Das erste Opfer ist am Wort: "Es geht mir nicht gut", sagt sie. Der Rumäne wurde für die Befragung aus dem Saal geführt. Die Frau bleibt bei ihren Aussagen. "Ich musste nach der Tat sehr lange künstlich ernährt werden, ich habe von 80 auf 50 Kilo abgenommen. Eine Gesichtshälfte ist immer noch gelähmt ..."
"Danke fürs Kommen - ich will Sie nicht länger strapazieren", so Richter Rom.

9.46 Uhr
Einer Bekannten in Graz bot der Angeklagte eine Halskette an. Diese lehnte ab - "es ist ja wirklich ungewöhnlich, dass Sie ohne Geld zu einer teuren Kette kommen. Wie gibt's das?" -  "Ich wollte niemals so ein Geschenk machen ..."

9.42 Uhr
Richter: "Warum sind seit Ihrer Ausreise nach Rumänien in Graz plötzlich keine Raubüberfälle mehr passiert? Wie kann man sich das erklären?" -
Angeklagter: "Es gibt sicher andere Leute, die das machen. Und die haben dann auf einmal aufgehört."

9.37 Uhr
"Eine Zeugin sah Sie aber wie Sie fluchtartig einen Tatort verließen!" - "Vielleicht hat die Frau mich aus der Zeitung erkannt." - "Da gab es aber noch kein Zeitungsfoto von Ihnen!" Zudem habe die Zeugin den Rumänen bei einer Gegenüberstellung eindeutig als Täter erkannt.

9.35 Uhr
Angeklagter: "Ich möchte nur nochmals sagen, dass ich nur die Diebstähle begangen habe."


9.31 Uhr
"Ihre Handynummer war immer in der Nähe der Tatorte eingeloggt", erklärt der Richter. Das könne wer anders gewesen sein, argumentiert der Angeklagte.

9.25 Uhr:
"Ich habe damit nichts zu tun. Ich weiß davon nichts." Das sind die monotonen Antworten des Rumänen, wenn es um die einzelnen Taten geht.

9.23 Uhr
Richter Rom: "Sie hätten laut Anklage als Räuber vor allem die ältere Bevölkerung in Graz in Furcht versetzt, sind Sie dafür verantwortlich?" - "Nein", sagt der Angeklagte. Befragt zu den einzelnen Taten lehnt er jede Verantwortung ab.

9.22 Uhr
"Es gibt kein Opfer, dass ihn eindeutig erkannt hat!", so der Verteidiger.

9.20 Uhr
Der Verteidiger weiß, "dass wir in einer schwierigen Situation sind, wenn es um das Alibi des Angeklagten geht. Während der Tatzeiten führte er ein eintöniges Leben, er war ein Obdachloser, hatte kein Geld für den Drogenkonsum. Sein Leben war jeden Tag ident."

9.18 Uhr
Der Verteidiger: "Er ist ein Dieb, kein Räuber. Er hat Parfümdiebstähle begangen um sich über Wasser zu halten. Zu den Raubvorwürfen wird er sich leugnend verantworten."

9.15 Uhr
Der Ankläger ist am Wort: Die Opfer wurden wegen ihres Alters gezielt ausgesucht, es lief immer nach dem selben Muster ab - die Frauen lagen am Boden, dann wurde ihnen der Schmuck geraubt.

9.08 Uhr
Der Prozess startet mit einigen Minuten Verspätung, der 32-Jährige gibt über seine Person Auskunft. Vermögen hat er keines. "Welches legale Einkommen hatten Sie vor der Haft?", fragt Richter Andreas Rom. - "700 Euro", sagt der wegen Raub in Rumänien vorbestrafte Mann.

 

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