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Nach Zugunglück

Fahrgast (60) schwebt weiterhin in Lebensgefahr

Nach dem Zugunglück, bei dem am Mittwoch in Übelbach ein junger Lokführer getötet wurde, geht das Bangen um eine 60-Jährige weiter.

Die Rettungskräfte waren im Großeinsatz © APA
 

Im LKH Uniklinikum Graz kämpft man weiterhin um das Leben einer 60-Jährigen, die am Mittwoch beim Zugunfall im Norden von Graz lebensgefährlich verletzt worden ist. Man habe die Frau, die schwerste Kopf- und Brustverletzungen erlitten hatte, operiert, so eine Sprecherin des Spitals. Die Patientin würde weiterhin auf der Intensiv liegen, es bestehe noch Lebensgefahr.

Großeinsatz

12 Feuerwehren mit 150 Einsatzkräften warem am Mittwoch nach dem Zugunglück in Übelbach im Einsatz, um die Verletzten aus den Zügen zu retten. Gerhard Sampt, Bereichsfeuerwehrkommandant, schilderte, dass die Passagiere "schwer verletzt im Zug lagen". Insgesamt zehn Personen haben sich in den beiden Zügen aufgehalten, berichtete das Rote Kreuz bei dem Medientermin im Gemeindeamt Deutschfeistritz (Bezirk Graz-Umgebung). Man habe um das Leben des Lokführers "lange gekämpft" - letztendlich ohne Erfolg. Der zweite Lokführer und eine Passagierin wurden mit schwersten Verletzungen ins Spital geflogen. Fünf weitere Fahrgäste erlitten "mittelgradige Verletzungen", einer wurde leicht verletzt. Ein Passagier blieb unversehrt.

Bei dem getöteten Lokführer handelt es sich um einen jungen Mann aus der Region. Er fuhr die Strecke mehrmals täglich, sagte Helmut Wittmann, Chef der Steiermärkischen Landesbahnen (STLB), bei einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz.

Graz Umgebung: Zwei Züge kollidierten

Zwei Personenzüge sind am Mittwoch nördlich von Graz zusammengestoßen.Markus Leodolter
Der Unfall dürfte gegen 10.20 Uhr bei der Haltestelle Waldstein in Übelbach (Bezirk Graz-Umgebung) passiert sein.Feuerwehr
Ein Lokführer  kam bei dem Unfall ums Leben. Der zweite Lokführer wurde laut ÖAMTC-Angaben vom Notarzthubschrauber Christophorus 16 verletzt in ein Krankenhaus geflogen. Christophorus 9 brachte außerdem eine 60 Jahre alte Passagierin mit lebensgefährlichen Verletzungen ins Spital.Markus Leodolter
Helmut Wittmann, Geschäftsführer der Steiermärkischen Landesbahnen am Unglücksort. "Wir haben heute einen Mitarbeiter verloren."

APA
Einige Passagiere waren nach dem Zusammenstoß "massiv eingeklemmt", hieß es in einem ersten Bericht des Landesfeuerwehrverbandes Steiermark.Feuerwehr
Den Einsatzkräften zeigte sich ein Trümmerfeld. Laut Gerhard Samt, Bereichsfeuerwehrkommandant, lagen schwer verletzte Passagiere im Zug herum.APA
Um 11.21 Uhr waren laut Feuerwehr bereits alle Verletzten aus den Zügen befreit worden.APA
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Feuerwehr
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Menschliches Versagen als Unfallursache

Wittmann zeigte sich tief betroffen: "So etwas will sich ein Geschäftsführer nur in seinen ärgsten Albträumen vorstellen." Als Unfallursache wird menschliches Versagen angenommen. Der verunglückte Lokführer dürfte ersten Vermutungen zufolge nicht auf den Gegenzug gewartet haben. 

Gewerkschaft spricht von Vorverurteilung

Die Gewerkschaft vida spricht in diesem Zusammenhang von einer "Vorverurteilung". "Solange organisatorische und systemische Mängel im Betriebsablauf nicht ausgeschlossen werden können, ist es völlig unangebracht, bereits von menschlichem Versagen als Ursache des Zusammenstoßes zu sprechen", hält Roman Hebenstreit, Vorsitzender des Fachbereichs Eisenbahn in der Gewerkschaft vida, zum heutige Zugsunglück nahe Graz fest. "Die Untersuchungsergebnisse sind abzuwarten", hält Hebenstreit fest. "Ich gehe davon aus, dass die Strecke nach dem aktuellen Stand der Technik ausgestattet und abgesichert war. Sollte eine Untersuchung Gegenteiliges zu Tage fördern, werden wir seitens der Gewerkschaft Anzeige erstatten", kündigt der vida-Gewerkschafter an.

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Reaktion von Landeshauptmann Voves

Landeshauptmann Franz Voves hat vom Zugunglück während der Landeshauptleutekonfernez in St-Pölten erfahren. "In diesen Stunden gilt unser tiefstes Mitgefühl den zahlreichen Unfallopfern und deren Angehörigen. Es ist den Einsatzkräften zu danken, dass alle Verletzten so rasch als möglich geborgen und der notwendigen medizinischen Versorgung zugeführt werden konnten. Nun ist es notwendig, die Ursachen für dieses tragische Eisenbahnunglück zu ermitteln und gegebenenfalls Konsequenzen für die Zukunft zu ziehen“, so der Landeskatastrophenschutzreferent in einer ersten Reaktion.

Reaktion von LH-Stv. Schützenhöfer

Auch Landeshauptmann-Stv. Hermann Schützenhöfer zeigte sich in einer ersten Reaktion betroffen: "Wir sind in Gedanken bei den Angehörigen des leider verstorbenen Lokführers, ihnen gilt mein aufrichtiges und tief empfundenes Mitgefühl. Und wir wünschen den Verletzten vollständige und baldige Genesung. Ein besonderer Dank gilt auch den Einsatzkräften!"

Reaktion von Verkehrslandesrat Gerhard Kurzmann

Verkehrslandesrat Kurzmann brach einen laufenden Termin ab und besuchte die Unfallstelle, um sich selbst ein Bild von der Lage zu verschaffen. "Mein tief empfundenes Beileid gilt den Angehörigen des verstorbenen Lokführers. Ich wünsche allen Verletzten eine rasche Genesung", so Kurzmann, der den Einsatzkräften für ihre Anstrengungen dankte.

Strecke eingleisig

Landesbahnen-Chef Wittmann erklärte, dass die regionale Strecke an der Unfallstelle eingleisig geführt wird und ein Kreuzungsbereich zum Ausweichen anschließt. Die Sicherung der Stelle wird von einem Fahrdienstleiter in Weiz übernommen, der per Telefon die Freigabe für einen der beiden Lokführer gibt, während der andere zu warten hat. Im vorliegenden Fall hätte der Zug Richtung Peggau offenbar in der Haltestelle Waldstein bleiben müssen.

Ein Fahrgast habe Wittmann erzählt, dass noch jemand an der Haltestelle zugestiegen sei, dann setzte sich die Garnitur Richtung Peggau in Bewegung. Etwa 70 bis 100 Meter nach der Haltestelle kam es zur Kollision, der Zug könnte daher noch nicht schnell unterwegs gewesen sein. Der Gegenzug fuhr mit maximal 50 km/h. Eine höhere Geschwindigkeit ist an der Stelle nicht erlaubt.

Gespräche werden aufgezeichnet

Alle Gespräche zwischen Fahrdienstleiter und Lokführer werden aufgezeichnet, müssten aber erst ausgewertet werden. Ersten Angaben des Fahrdienstleiters zufolge war bis zur Kollision alles planmäßig verlaufen.

 

 

Das Landeskriminalamt Steiermark hat Ermittlerungen wegen fahrlässiger Tötung gegen "unbekannt" aufgenommen. Seitens der Rettung waren 55 Personen, darunter vier Notärzte, mit zehn Fahrzeugen im Einsatz. Die Feuerwehr rückte mit rund 120 Helfern an, wobei knapp 30 wegen einer Übung relativ rasch an Ort und Stelle waren. Der ÖAMTC flog mit zwei Hubschraubern, das Innenministerium mit einem.

Laut Wittmann begegnen sich die beiden Züge auf der Strecke nur ein bis zwei Mal pro Tag, im Schnitt verkehrt pro Stunde ein Zug durch Waldstein. Rund 800 Personen fahren täglich auf der Strecke. Für die Sicherung der Lokalbahn ist die telefonische Freigabe ohne Lichtanlage rein rechtlich ausreichend. Kommt kein Anruf oder gibt es Zweifel, müssen die Lokführer in jedem Fall warten, betonte der Landesbahnen-Chef.

Bürgermeister Michael Viertler habe den verunglückten Lokführer als "netten jungen Mann" aus der Gemeinde gekannt. Er meinte: "Das ist der totale Wahnsinn, dass so etwas bei einem sicheren Verkehrsmittel wie dem Zug passiert."