Der Gerichtssaal ist praktisch voll besetzt, allein der Hauptdarsteller fehlt noch. „Er wird gleich kommen“, beruhigt Richter Andreas Rom, „er hat ja die kürzeste Anreise von allen hier“. Richtig. Der Angeklagte (zweifach vorbestraft) erscheint flugs in Begleitung von zwei Justizwachebeamten aus der Haft.

„Eigentlich hätte Sie der psychiatrische Sachverständige im Ermittlungsverfahren befunden sollen, aber Sie wollten nicht mit ihm sprechen, stimmt das?“, fragt der Richter den Deutschen (44). Dieser nickt zustimmend.

Staatsanwältin Patricia Weber wirft dem Mann schwere Erpressung vor. Er habe einem Grazer Hanf-Shop „mit der Gefährdung durch Sprengmittel gedroht“. Konkret ging es dem Deutschen darum, dass das Geschäft seiner Ansicht nach das Hanfmonopol (welches sowieso sein alleiniges Eigentum sei) missachte. Also forderte er von den Betreibern zehn Millionen Euro. „Sollte eine erste Ratenzahlung ausbleiben, fliegen zwei Blöcke C4-Plastiksprengstoff bei laufendem Geschäftsbetrieb in die Lokale“, so die Worte in der Elektropost.

Post vom Vatikan

„Diese E-Mail stammt aus der Botschaft des Vatikan-Staates und ist mit Ihrem Namen versehen. Haben Sie das geschrieben?“, will der Vorsitzende wissen. Da mehrere E-Mails präsentiert werden (eines soll der Beschuldigte originellerweise direkt an die Staatsanwaltschaft geschickt haben), kommt der Beschuldigte bei der Zuordnung durcheinander. Als Alibi dienen ihm sicherheitshalber unbekannte Hacker.

Gutachter Manfred Walzl erkennt vorläufig „Symptome einer Schizophrenie“, benötigt aber zusätzliche, ältere Unterlagen. Vertagt. Die Haft des Deutschen wird indes in eine vorläufige Anhaltung in der Nervenklinik umgewandelt. „Das wird Ihnen gut tun“, sind sich alle im Saal einig.