Der Schock sitzt tief. „Ich hab lange gebraucht, um das damals zu realisieren. Mir fehlen sonst nie die Worte“, sagt Gerhard Jantscher, Vorsitzender des Alpenvereins Mixnitz. Bei einem schweren Felssturz am 8. Juli 2020 kamen in der Bärenschützklamm in der Gemeinde Pernegg nördlich von Graz drei Menschen ums Leben, neun Wanderer wurden teils schwer verletzt. Nach dem Unglück wurde die Klamm – die auch bei Slowaken, Ungarn, Italienern oder Tschechen sehr beliebt ist – gesperrt.

Seither können die 164 Brücken, 300 Meter hohen Kalkwände und das rauschende Wildwasser nicht bestaunt werden. Rund 40.000 Besucher zieht es normal jährlich nach Mixnitz als Startpunkt der Tour. „Das hat natürlich Einbußen bedeutet“, sagt Perneggs Bürgermeisterin Eva Schmidinger. Umso mehr freut es sie und Jantscher, dass die Klamm vor einem Comeback steht.

Neues Sicherheitskonzept

Schon letztes Jahr wurde ein Amtsgeologe bestellt und ein Sicherheitskonzept vorgelegt. Man wollte die Klamm mit Mai 2021 öffnen. Doch das Konzept sei nicht umsetzbar gewesen – im Gegensatz zu jenem, das jetzt von einer Firma vorliegt. Der Alpenverein Mixnitz muss das neue Konzept als Betreiber der Steiganlage einreichen. Die Gemeinde holt dann Gutachten ein. Schmidinger: „Läuft alles nach Plan, wollen wir im September den Bescheid erlassen.“ Damit könnten im Herbst die Felsarbeiten beginnen (u. a. noch stärkere Sicherung mit Stahlnetzen und Felsnägeln). Die Steiganlage aus Holz würde im Frühjahr erneuert werden, wenn der Schnee geschmolzen ist.

2023 soll die Klamm wieder aufsperren

Ziel ist eine Öffnung im ersten Halbjahr 2023. 800.000 Euro Kosten könnten anfallen, erklärt Jantscher. „Die Sektion Mixnitz kann das nicht alleine stemmen. Wir machen das alles ehrenamtlich.“ Man hoffe auf Unterstützung aus der öffentlichen Hand. „Viele rufen uns an, vom Weinbauern in der Südsteiermark bis nach Wien oder dem Ausland. Sie sagen: Bitte macht’s die Klamm wieder auf! Das ist ein bissl ein Motivator für uns“, erzählt der Alpinist.


Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen zum Unglück vor zwei Jahren eingestellt, da alle behördlichen Auflagen damals erfüllt waren. Es wurde als „unvorhersehbares Naturereignis“ eingestuft. Das Restrisiko Natur bleibe immer, meint Schmidinger.

Unglückssommer 2020

So kam es im Sommer 2020 zu einigen schweren Felsstürzen mit verheerenden Folgen. In der Tscheppaschlucht in Kärnten wurde eine Wanderin (32) dadurch schwer verletzt, in Salzburg kam ein Jugendlicher (14) durch einen Felsschlag ums Leben, und auch in Tirol gab es damals einen Toten.

„Die Gefahr im alpinen Gelände muss einem stets bewusst sein“, betont Jantscher. Aber jetzt blicke man erst einmal optimistisch nach vorne und freue sich auf die renovierte Anlage bzw. die Wiedereröffnung der Bärenschützklamm.