Beamte vom Gesundheits- und Veterinäramt waren beim Syrer Stammgast. Bereits einen Tag nach Eröffnung seines Geschäfts in Graz brummte man dem Lebensmittelhändler eine Strafe auf: "Die bin ich aber seit zwei Jahren schuldig", gibt er über seine Zahlungsmoral gestern am Grazer Straflandesgericht Auskunft. "Wie hoch ist denn Ihr Einkommen?", erkundigt sich Richterin Verena Oswald. – "Ich mache ein Minus. Das Gesundheitsamt hat ja die Ware mitgenommen, daher der Verlust."

Seine Ware waren unter anderem Karpfen. Die Tiere
haben im Laden des 43-Jährigen laut Gutachter für Fischereiwirtschaft "Todesangst und Sauerstoffmangel erlitten, ihnen wurden vom Angeklagten unnötige Qualen und Schmerzen zugefügt". Grund: Die Karpfen lagen fünf bis sieben Minuten ("um ein Vielfaches zu lang") in Kisten ohne Wasser, ehe der Syrer die Betäubung und Tötung durchführte.

Nicht artgerecht

"Sie wissen schon, dass Fische Wasser zum Überleben brauchen?", wundert sich die Vorsitzende. "Natürlich", sagt der Beschuldigte, "aber ich kaufe sie auch schon ohne Wasser." – "Und warum liegen die Tiere minutenlang in Kisten? Warum holen Sie sie nicht einzeln raus?" – "Das ist ganz normal." – "Stimmt es, dass Sie am WC waren, als die Polizei kam?" – "Ja." – "Das klingt ja sehr entspannt und nicht nach dem Bewusstsein, dass so ein Fisch nicht
lange an der Luft sein soll", findet die Richterin.

Der Polizist bestätigt als Zeuge, dass der Mann am Klo war, während "die Fische schon mehr tot als lebendig waren und verendeten". Ein bedingter Vorsatz liegt für die Richterin vor: "Es ist Ihnen offenbar egal, wie es den Fischen geht", läutet sie das
Urteil ein: 960 Euro wegen Tierquälerei. "Es war nicht
artgerecht. Auch wenn Sie das nicht einsehen wollen."