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Corona-SchutzimpfungenHunderte steirische Hausärzte wollen nicht mehr impfen

Land und Ärztekammer bitten die niedergelassenen Mediziner um Durchhaltevermögen. Bis zu 300 von ihnen dürften sich aus dem Impfprozess zurückziehen. Über die Hintergründe.

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© DPA-ZENTRALBILD/ROBERT MICHAEL
 

"Mein Team und ich sind arbeitsmäßig am Limit. Wir gehen am Zahnfleisch", sagt Margit Pollinger-Löffler, praktische Ärztin aus Fürstenfeld. "Wir haben als Ärzte ja auch Ordinationen zu führen, nicht nur Corona-Schutzimpfungen zu koordinieren", sagt sie.

Für die Hausärztin steht fest: "Ich mache die Termine jener, die wir verständigt haben, noch fertig. Wir verimpfen noch unsere Kontingente bzw. Bestellungen. Danach höre ich auf." Der administrative Aufwand sei enorm. "Die Impfdaten trage ich meist noch zusätzlich am Wochenende in den elektronischen Impfass ein, weil ich sonst die Zeit dafür nicht finde", meint die Ärztin. Und: Die Patienten würden derzeit komplizierter werden. "Wenn ein bestimmter Impfstoff nicht verfügbar ist, wollen manche nicht geimpft werden", berichtet Pollinger-Löffler über Sonderwünsche.

Sorge vor Engpass im Sommer

Oder Termine werden wegen der Urlaubsplanung storniert bzw. Patienten wollen sie verschieben. Das stößt bei der Hausärztin auf wenig Verständnis: "Ich werde, wegen den zeitlich gebundenen Zweitimpfungen, auch in meinem Urlaub im Sommer impfen müssen." Was die Ärztin noch bemerkt: "Die Leute haben Termine bei uns, aber schauen, wo sie vielleicht noch rascher einen kriegen. Und die offiziellen Impfstraßen sind derzeit natürlich sehr schnell." Ärgerlich sei dies auch, weil offene Impfdosen in der Praxis dadurch verfallen könnten. "Pfizer muss man spätestens nach sechs Stunden verimpfen."

Wie Pollinger-Löffler geht es auch anderen Medizinern. Viele wollen nicht mehr impfen bzw. impfen derzeit auch nicht mehr. Von den anfangs rund 1000 Interessierten dürften bis zu 300 nicht mehr an Bord sein. Offiziell bestätigen Land und Ärztekammer diese Zahl jedoch nicht. Seitens der Kammer wollte man auf mehrmalige Nachfrage keine Daten nennen und verwies lediglich darauf, dass "derzeit ausreichend niedergelassene Ärzte impfen". Nachsatz: "Wir müssen aber aufpassen, dass es im Sommer nicht zu einem Engpass kommt".

Land ist dankbar für Engagement der Ärzte

Als Gründe für ihren Rückzug geben mehrere Ärzte gegenüber der Kleinen Zeitung die Bürokratie, die steigende Impfrate sowie die nahenden Sommerurlaube an. Auch die Aggressivität der Patienten nehme zu, heißt es. Viele würden ausrasten, Impfstoff und Termine frei wählen wollen bzw. Druck auf die Mediziner ausüben: "Wir haben schon vor Wochen gesagt, dass der Umgangston vieler Steirer leider nicht sehr angenehm ist", sagt dazu Impfkoordinator Michael Koren. Das treffe scheinbar nicht nur auf die Impfstraße des Landes zu, sondern auch auf die Ordinationen: "Wir sind aber froh und stolz gemeinsam so viel erreicht zu haben". Er sei dankbar für das Engegement der niedergelassenen Ärzte, so Koren: "Ich bitte alle weiterzumachen, um die letzten Meter auch noch zu schaffen". Die Impfungen gehen weg, wie die warmen Semmeln, bei Tausenden Impfwilligen stehe der erste Stich noch aus.

Daher appelliert auch die Ärztekammer auf das Durchhaltevermögen der Mediziner. Es sei verständlich, "dass Ärzte, wenn sie die Sorge haben, von Patienten angegriffen zu werden, ein distanzierteres Verhältnis zum Impfen aufbauen". Es handle sich um "eine steigende Anzahl von Einzelfällen". Man könne dahingehend nur anraten, "sich davon nicht aus der Ruhe bringen zu lassen". Schließlich werde man auch hinsichtlich der Auffrischungen Ärzte brauchen - selbst wenn man diesbezüglich noch im Dunklen tappe.

Kommentare (35)
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Morpheus17
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Die Yacht in Kroatien fährt nicht von allein

... was glaubt das Fußvolk und die Tiere.

ma12
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kasperl

Die Hausärzte sind NICHT die Großverdiener. Das sind die Fach- und Wahlärzte.

Mein Graz
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@Morpheus17

Der Neid is a Hund.

Stony8762
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---

Wir sollten froh und dankbar sein, dass speziell Hausärzte ihre ohnehin schon spärliche Freizeit einer derart grossangelegten Impfaktion zur Verfügung stellen, und das über Monate! Das sollte man bedenken, wenn unsereiner über ein paar Überstunden alle 'heiligen' Zeiten jammert!

menatwork
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Diese "Freizeitbeschäftigung" wird von den Versicherten

abgegolten und niemand wurde oder wird gezwungen Impfungen zu verabreichen, wenn es das nicht wert erscheint.

Mit Covid wird auch gutes Geld verdient, man braucht da nicht dankbarer sein als bei anderen Dienstleistern, die man bezahlt.

KarlZoech
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@ menatwork: Haben Sie etwa Ihre Impfung selber bezahlt?

Oder wurde Ihnen doch - wie allen anderen - die Impfung auf Staatskosten verabreicht?

Erichjosef
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Freunderlwirtschaft

Jetzt wo die Ärzteschaft sämtliche Freunde durchgeimpft hat, wollen sie die Zusatzarbeit natürlich nicht mehr...

Mein Graz
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@Erichjosef

Ich finde es einfach schäbig, wie manche von euch Dauer-Suderanten und Neidhammeln alles schlecht machen.

In Grund und Boden schämen solltest du dich.

Stony8762
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Erichjosef

Euch Hetzern geht der Stoff nie aus, hä? Hirn benutzen wäre nicht schlecht, bevor du so einen Mist dahertippst!

Ragnar Lodbrok
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Frage an die Vollzeitnörgler:

Ist es nicht anstrengend, immer alles Sch..... zu finden???

DannyHanny
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@Frage an die Vollzeitnörgler...

Kenne genug, die dabei auch noch Überstunden machen, auch hier im Forum!!!!
Wenn es uns wirklich so besch....eiden gehen würde, alles so schlecht und furchtbar ist..........hätten sie keine Zeit zum nörgeln und schimpfen! Dann wäre jeder Tag ein Kampf ums Überleben ( wie in so vielen Ländern dieser Welt)!
Dazu fällt mir ein kürzlich im ZDF gehörter Begriff ein " Wohlstandsverwahrloster Egoistenhaufen"

c31af91295d0d1663eeeb99aa1d4a20e
9
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na ja..

weg mit denen, die nicht wollen....
es gibt genügend, die sehnsüchtig darauf warten, endlich geimpft zu werden!!!!!!!

Stony8762
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gb355

Hallo! Es geht hier um die Ärzte, also Impfer!

andy379
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"Eine steigende Zahl an Einzelfällen"

Der Satz gefällt mir 😁😁😁

henslgretl
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Mein Eindruck

Ich wurde durch das Land Steiermark einem Hausarzt zugeordnet, der nicht mein Hausarzt ist. Die beiden Impfungen habe ich gut vertragen. Was mir weniger gefallen hat war, dass es weder ein Aufklärungsgespräch vor der Impfung gab (hatte 2 x Astrazeneca), noch hatte ich den Eindruck, dass es den Arzt interessierte, ob meinerseits Fragen vorhanden sind etc. Nachdem ich mich sehr mit dem Thema Impfung beschäftigte, war ich aus diesem Grund gut informiert. Kein Hinweis, worauf ich nach der Impfung achten sollte (obwohl ich in den Personenkreis gehöre, wo diese sehr seltenen Komplikationen auftraten). Der ganze Impfvorgang dauerte maximal 2 Minuten. Das hat mich schon etwas gewundert.

Patriot
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@henslgretl: Was willst mehr verlangen?

Für die 2 Minuten hat der Arzt bzw. die Ärztin "nur" 46 Euro bekommen!

laster
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@patriot

naja, ganz so ist es wahrscheinlich nicht - für den Stich vielleicht 2 Min. Was an Bürokratie dahintersteht, sieht man ja nicht ( Beschaffung des Impfstoffes, Koordination der Patienten, Eintragen im elektr. Impfpass usw)

Baldur1981
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Ging mir auch so

Keine Aufklärung, Fragen wurden ignoriert, als Patient bist du nur eine Nummer bei unseren Ärzten

ma12
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OMG

Hast dich nicht vorher informiert? Jede Zeitung und das Internet im voll mit Informationen!

unfassbar
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Ich glaube, Sie haben Zeit genug gehabt,

sich über alles vorher zu informieren.
Wie soll das funktionieren, wenn jeder Impfling ein 15-minütiges
Beratungsgespräch haben möchte....???!!!

Odes64
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glaube das geht nicht anders

dürfte eine rechtliche Frage sein.

glashaus
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unfassbar

welchen Blödsinn sie da schreiben. Es steht sogar am Zettel welcher vorher auszufüllen ist, das ein Aufklärungsgespräch zu führen ist oder Fragen gestellt werden können. Aber Arzt ist eben nicht gleich Arzt.

henslgretl
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Also

bitte, so sehe ich das nicht. In der örtlichen Impfstrasse wurde sehr wohl ein Gespräch vor der Impfung geführt. Das ist m. E. wirklich nicht zuviel verlangt. Soweit ich weiß, gibt es pro Impfung ein Honorar.

Baldur1981
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witzig

Es steht jedem zu, aufgeklärt zu werden. Wo kommen wir da hin, wenn man als Patient nichts fragen darf?

Liezen
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Hat er gefragt?

??

Baldur1981
67
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Spannend

Interessante Berufsauffassung. Oh, es ist so viel zu tun, mehr als jemandem nur 5 Sekunden in den Mund schauen, ich mag nicht mehr. Eigentlich traurig. Solche Ärzte verdienen natürlich keinen Corona-Bonus. Ich finde das verantwortungslos. Als ob ein Feuerwehrmann sagt, er fährt nicht zum Löschen, weil es so anstrengend ist.

 
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