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Steirer des Tages„Gräben überwindet man im Dialog“

Michael Tripolt ist Arzt und vertritt als neuer Vorsitzender des Zentralbetriebsrates 18.359 Kages-Mitarbeiter. Wer ist der Mensch dahinter – und wie denkt er über Politik, Leitspital und Ungerechtigkeiten bei der Entlohnung?

„Humaner, vernunftorientierter Pragmatismus“: das Credo von Michael Tripolt © W. STIEBER/KK
 

Liebe Kolleginnen und Kollegen“, sagte Michael Tripolt bei seiner Antrittsrede, „die Zeiten werden härter. Wir werden dem Menschlichkeit, Kollegialität und gesunden Menschenverstand entgegensetzen.“

Beobachter würden noch ein paar Attribute wie Hartnäckigkeit oder strategisches Denken hinzufügen. Seit Jahren ist Michael Tripolt als Fädenzieher im Hintergrund zu einem politischen Schwergewicht (ÖAAB etc.) gewachsen – im Gegensatz zum Körpergewicht. Der gebürtige Kärntner, der für sein Medizinstudium nach Graz kam, hat zuletzt mit einer konsequenten Diät 16 Kilogramm abgenommen.

Dass Tripolt seinen Weg macht, war vielen Beobachtern lange klar. Er gilt als geschickter Netzwerker und Pragmatiker, der zwar bei Verhandlungen hart bleibt, aber keine verbrannte Erde hinterlässt. Sonst hätte er es wohl nicht als erster Mediziner überhaupt an die Spitze des Zentralbetriebsrates geschafft.

Zur Person

18.359 Mitarbeiter zählt die Steiermärkische Krankenanstaltengesellschaft Kages (zu 100 Prozent im Eigentum der Steiermark). Kernaufgabe: Errichtung/ Betrieb von Landeskrankenanstalten
in der Steiermark und deren
Führung.

11 Landeskrankenhäuser an 21 Standorten und vier Landespflegezentren: Das ist die Kages inhaltlich. Jährlich werden dort über 250.000 stationäre und rund eine Million ambulante Patienten medizinisch, pflegerisch betreut. In den vier Landespflegezentren der Kages arbeiten über 360 Mitarbeiter. 

Michael Tripolt (geb. 1975/Villach) studierte in Graz und Cambridge. Facharzt für Dermatologie/Chirurgie. Verheiratet, zwei Kinder. Hobbys: Naturliebhaber, Wandern und Radfahren mit der Familie. „Das gibt mir Kraft.“

In den letzten Jahren wirkte er schon bei vielen wichtigen Entscheidungen mit. Als verantwortlicher Verhandler für die Reform der Gesundheitsberufe und das neue Gehaltsschema sowie des Ärztegehaltsschemas stellte er wichtige Weichen im Gesundheitssystem. Dass er als damals designierter, neuer Zentralbetriebsrat bei den Gehaltsverhandlungen am Ende des letzten Jahres trotz massiven politischen Drucks hart blieb, war sein Elchtest – die geforderte Erhöhung wurde nach langen, zähen Verhandlungen von der Politik akzeptiert.

Schon zuvor hatte er in einem Interview in einer Mitarbeiterzeitung erklärt: „Wir waren und sind alles andere als Befehlsempfänger der Landespolitik oder der Unternehmensführung. Wären wir das gewesen, hätten wir nichts erreicht.“ Als sein Credo erwähnt er gerne „humanen, vernunftorientierten Pragmatismus.“ Das charakterisiert den zweifachen Familienvater – seine Frau arbeitet ebenfalls als Ärztin – gut.


Herr Doktor Tripolt, in der Politik zeigte man sich überrascht ob Ihrer Steherqualitäteten bei den letzten Gehaltsverhandlungen.


MICHAEL TRIPOLT. Ich habe meine Linie nicht geändert. Vielleicht ist die Konsequenz, mit der ich unsere Anliegen vertrete, nicht allen bewusst gewesen.


Sie sind der erste Arzt an der Spitze des Zentralbetriebsrates – wie groß war die Skepsis, als sie 2008 in den Zentralbetriebsrat gekommen sind?
Das ist lange her. Es ist mir wurscht, ob eine Primarärztin ein Problem hat, oder eine Reinigungskraft, ich nehme den Menschen wahr – das haben inzwischen alle mitbekommen. Gräben, die es gibt, überwindet man am besten im Dialog.

Auf Sie kommt viel Arbeit zu. Sogar am Krankenanstaltenarbeitszeitgesetz wird schon wieder gerüttelt.

Ja, gerade habe ich meine Stellungnahme zum Entwurf der Novelle zum Krankenanstaltenarbeitszeitgesetz abgegeben: Die Novelle trifft alle, vom Oberarzt bis zur Gärtnerin. Es wird versucht, dass die Wochenarbeitszeit auch nach dem Jahr 2021 mehr als 48 Stunden betragen kann. Im neuen Entwurf steht, dass es maximal 55 Stunden sein dürfen. In Verhandlungen konnten wir aber durchsetzen, dass dafür eine Betriebsvereinbarungen notwendig wäre und nur in Notfällen und zeitlich begrenzt möglich ist. Das ist okay – aber die Ruhezeiten nach Rufbereitschaften sind zu kurz angesetzt. Da müssen wir nachjustieren.

Wo muss in der Steiermark noch nachjustiert werden?

Es ist nicht einzusehen dass Kolleginnen und Kollegen in der Verwaltung in der Kages anders entlohnt werden als jene, die in der Landesverwaltung arbeiten. Beide haben den gleichen Dienstgeber, das Land Steiermark. Da sind wir schon in Verhandlungen, das sollten wir heuer erledigen.

Das heikelste Thema bleibt aber das Leitspital im Ennstal. Drei Spitäler werden dafür zusammengelegt. Rottenmann, Bad Aussee und Schladming. Sind sie – trotz der Skepsis vieler Mitarbeiter – für das neue Spital?

Das ist eine Variante, die lebbar sein kann. Es kommt darauf an wie das ausgestaltet wird. Erstens versorgungstechnisch – und wie wird der Nach-Betrieb in den Spitälern aussehen, die wir schließen? Wichtig auch: Wie wird das Zentralspital organisatorisch betrieben? Ist das eine öffentliche Versorgung – ich denke und hoffe schon. Oder macht das der private Partner, die Diakonissen?

Das heißt, das Spital wäre dann de facto privat betrieben.

In der Diakonissen-Variante, ja. Die Kages bringt sicher mehr Ressourcen ein, das muss sich auch in der Organisation abbilden. Wenn das der Fall ist, könnte das gut funktionieren. Versorgungsqualität ist auch eine Frage der Routine und der Fallzahlen, und das ist in so einem Leitspital einfacher möglich als an drei Standorten. Es geht nicht um eine Postadresse, sondern um die Qualität des Arbeitsplatzes vor Ort. Und wir haben einen Sozialplan, der eine Jobgarantie darstellt. Kein einziger muss Angst haben.

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