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Steirerin des TagesFranziska Honsowitz-Friessnigg ist unsere Frau im Kirchenstaat

Franziska Honsowitz-Friessnigg ist Österreichs erste Botschafterin im Vatikan. Weihnachten feiert sie in Rom mit ihrer Familie – und dem Papst.

Franziska Honsowitz-Friessnigg
Franziska Honsowitz-Friessnigg © Privat
 

Alle Wege mögen nach Rom führen – aber von Thörl bei Aflenz in die Arbeitsstube des Oberhaupts der Weltkirche hat es bisher wohl nur sie geschafft. Da stand Franziska Honsowitz-Friessnigg nun, schüttelte die ausgestreckte Hand des Papstes und begann mit ihm über Themen wie Menschenrechte und Abrüstung zu diskutieren.
„Dieses Treffen war der Höhepunkt bisher. Es hat mich sehr berührt“, erzählt die gläubige Katholikin über ihren Antrittsbesuch beim Souverän des Vatikans im November, dem bald eine weitere, noch ungewöhnlichere Begegnung folgen sollte.

Die 56-jährige Obersteirerin Honsowitz-Friessnigg ist Österreichs neue Botschafterin beim Heiligen Stuhl. Die erste Frau, die Österreich in der Männerwelt des Kirchenstaats vertritt: „Das ist etwas Besonderes und freut mich sehr. Aber man muss auch sagen, dass der Frauenanteil im Vatikan gestiegen ist. Es gibt Abteilungsleiterinnen in der Administration, Journalistinnen. Papst Franziskus ist offen für eine wirksame weibliche Präsenz.“

Zur Person

Franziska Honsowitz-Friessnigg vertritt Österreich nicht nur beim Heiligen Stuhl. Die Diplomatin ist zugleich auch die österreichische Botschafterin für die Republik San Marino und beim Souveränen Malteser-Ritterorden.

In die Dienste des Außenministeriums ist die 56-jährige Obersteirerin im Jahr 1984 getreten, nachdem sie ihren Doktor der Rechtswissenschaften
an der Universität Graz
gemacht hatte.

Präsenz zu zeigen, auch in Welten, die Frauen kaum Platz geben, hat Honsowitz-Friessnigg auf ihrem Weg von Thörl nach Rom gelernt. In ihrem Gepäck hatte sie dabei von Beginn an zwei Eigenschaften, die sie immer weitergebracht haben: „Ich bin seit jeher neugierig auf Menschen und weltoffen. Man muss sich auf sein Gastland einlassen, Kontakte pflegen, sichtbar und ansprechbar sein.“

Fünfsprachige Diplomatin

Das macht Honsowitz-Friessnigg mittlerweile seit 34 Jahren überall auf der Welt und wahlweise auf Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch und Italienisch: als Botschaftsrätin für Presse und Information in Bonn, bei den Vereinten Nationen in New York und zuletzt als Botschafterin in Algerien.

„Jeder Wechsel ist eine Herausforderung. In Algerien waren etwa bilaterale Wirtschaftskooperationen wichtig. Beim Heiligen Stuhl geht es mehr um globale Fragen: Klimawandel, der Kampf gegen Drogen“, sagt die Diplomatin.

Musikalisch wird es auch manchmal: So kam es, dass Papst und Botschafterin bei ihrem zweiten Treffen gemeinsam ein Lied anstimmten. Eine Gitarre spielte bei der Generalaudienz im Hintergrund, während der Pontifex maximus, die österreichische Botschafterin und eine Delegation der „Stille Nacht“-Gesellschaft gemeinsam sangen: „Alles schläft/einsam wacht.“

Singen mit dem Papst: die Botschafterin mit der Stille-Nacht-Delegation bei Franziskus
Singen mit dem Papst: die Botschafterin mit der Stille-Nacht-Delegation bei Franziskus Foto © Stille-Nacht-Gesellschaft
Die Österreicher waren Mitte Dezember zum 200. Geburtstag des Lieds nach Rom gepilgert: „Für den Papst hatten sie Kletzenbrot und Weihnachtsgebäck dabei“, erzählt Honsowitz-Friessnigg. Sie eröffnete dann in der Botschaft auch eine Ausstellung zur Entstehung und Verbreitung des weltberühmten Weihnachts-Hits: „Das waren schöne Erlebnisse.“ Aber auch viele stressige Vorweihnachtstage für die Botschafterin. Dafür kann sie jetzt ein paar ruhige Tage mit der Familie genießen. Sohn Alexander, der in Österreich studiert, ist nach Rom gekommen. Ihre Tochter Julia und ihr Mann Herbert, ein pensionierter deutscher Diplomat, leben hier mit ihr: „Weihnachten feiern wir sehr traditionell mit Keksen, Christbaum und viel Zeit miteinander.“

Christmette im Petersdom

Ganz ohne Papst geht das in Rom dann aber auch wieder nicht. Am Heiligen Abend besuchte die Familie die Christmette im Petersdom. Am Dienstag geht es zum Weihnachtssegen „Urbi et Orbi“. Honsowitz-Friessnigg hat damit in diesem Jahr mit dem Papst gesprochen, gesungen und gebetet – mehr geht wohl nicht.

Doch die Botschafterin hat auch im kommenden Jahr viel vor: „Die Botschaft soll eine Plattform werden für die Österreicher, die hier sind, und für die Delegationen, die herkommen. Ich plane zum Beispiel viele Diskussionsveranstaltungen.“ Auf den Weg von Rom zurück nach Thörl wird sie sich aber auch einige Male machen: „Ich bin sehr gerne zu Hause. Die unberührte Natur, die Berge in der Obersteiermark – ich liebe das.“

Doch Neugierde und Weltoffenheit treiben sie dann doch wieder in die Ferne. So wird ihr Weg wohl auch eines Tages wieder von Rom wegführen: „Das ist ein Teil des diplomatischen Lebens, und jeder Wechsel ist auch eine Bereicherung.“

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