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Landarbeiterkammer-WahlHier wird die Höchstarbeitszeit von 14 auf 12 Stunden verkürzt

10.514 Mitglieder wählen ihre Vertretung in der Landarbeiterkammer. Was diese Wahl so besonders macht und warum es so viele „Landarbeiter“ wie seit Jahrzehnten nicht mehr gibt.

Viele Landarbeiter sind Erntehelfer bzw. Saison-Arbeiter © Juergen Fuchs
 

Großflächige Wahlplakate? Diskussionssendungen im TV? Nein, am Straßenbild erkennt man es nicht, dass für eine gar nicht so kleine Gruppe an Steirer gerade Wahlkampf herrscht. Exakt 10.514 Mitglieder sind von 22. November bis 6. Dezember aufgerufen, ihre Vertretung in der Landarbeiterkammer zu wählen.

Dabei bietet diese (Brief-)Wahl gar nicht so wenige Besonderheiten. Nach Jahrzehnten mit stetigem Rückgang der Mitgliederzahl (Im Jahr 1952 hatte die Gruppe der Landarbeiter noch 48.000 Mitglieder) gab’s in den letzten Jahren jedoch eine Trendumkehr, sagt Kammeramtsdirektor und Wahlleiter Johannes Sorger: „Wir haben um 32 Prozent mehr Wahlberechtigte als bei der letzten Wahl 2012. Das sind so viele wie seit 36 Jahren nicht mehr.“

Aber wie kam das zustande? Das habe zum einen mit dem Strukturwandel in der Landwirtschaft zu tun, so Sorger: „Kleine Betriebe hören auf, große werden größer und brauchen daher oft Mitarbeiter.“ Zudem gebe es rund um die Landwirtschaft immer mehr neue Betriebe wie die Gemüseproduktion von Frutura in Bad Blumau oder auch viele arbeitsintensive Manufakturen im Biobereich. „Wir spüren aber auch die Konjunktur“, so Sorger. So gebe es in vielen Mitgliederbereichen der Kammer – etwa den Lagerhäusern oder den Gartenbaubetrieben – sogar einen Fachkräftemangel.

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Landarbeiterkammer-Präsident Eduard Zentner © LAK/Luef

Und nicht nur das. „Ein großer Teil des Zuwachses ist auch darauf zurückzuführen, dass es einfach eine höhere Anmeldungsdisziplin gibt, dass auch Hilfskräfte zumindest als geringfügig beschäftigt gemeldet werden“, erklärt Sorger.

Der 12-Stunden-Tag, gegen den Arbeitnehmervertreter seit Monaten Sturm rennen, ist bei den Landarbeitern auch Thema, allerdings von einer anderen Richtung her. Denn: Das umstrittene, von der Regierung im Alleingang beschlossene Arbeitszeitgesetz gilt für „Landarbeiter“ nicht, für sie gibt es ein eigenes Landarbeitergesetz, das kurzfristige, extreme Arbeitsspitzen in der Erntezeit berücksichtigt.

Das Landarbeitergesetz wurde auch runderneuert – im Gegensatz zum Arbeitszeitgesetz von den Sozialpartnern abgestimmt – und soll noch heuer im Parlament abgesegnet werden. Einer der Kernpunkte: Die maximal zulässige Höchstarbeitszeit soll von 14 auf 11 Stunden (unter besonderen Umständen auf 12 Stunden) verkürzt werden.
Zur Liste der Besonderheiten gehört auch das zur Wahl stehende Parteienspektrum: schwarz und rot. Der ÖAAB-FCG mit Eduard Zentner (Forschungsanstalt Raumberg-Gumpenstein) an der Spitze und die FSG mit dem Forstfacharbeiter Markus Dick.

LAK/Sattler
Herausforderer Markus Dick (FSG) © LAK/Sattler

Zu verteidigen hat der seit 2017 amtierende Präsident Zentner nicht weniger als 85,6 Prozent. Sein Wahlziel: „Angesichts dieses famosen Wertes, den mein Vorgänger Christian Mandl erzielt hat, wäre es vermessen, wenn ich eine Zahl nennen würde.“ Darum formuliert er sein Wahlziel mit Augenzwinkern etwas anders: „Mir ist wichtig, dass mich meine Familie nach dem intensiven Wahlkampf mit Hunderten Betriebsbesuchen in 42 Tagen wieder daheim aufnimmt.“