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Ernte gut, aber nicht alles gutSo fielen heuer die Erträge bei Apfel, Wein, Mais & Co aus

Im Gegensatz zum dürre-geplagten West- und Ostösterreich fiel die steirische Ernte in vielen landwirtschaftlichen Bereichen heuer gut aus. Nur Märkte und Wetterkapriolen machen Bauern zusehends zu schaffen.

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Die steirische Ernte sei insgesamt gesehen im Jahr 2018 "zu einem großen Teil zufriedenstellend" gewesen, sagte der steirische Landwirtschaftskammerpräsident Franz Titschenbacher am Donnerstag. Bei den Paradeprodukten Äpfel und Wein hat es eine ausgezeichnete Ernte in Menge und Qualität gegeben. "Aber der Klimawandel erhöht die Produktionskosten und erschwert Anbaubedingungen", so der Präsident. Auch die Preissituation sei vielfach (aufgrund der großen Mengen) angespannt.

"Gutes Erntejahr ist nicht gleich hohes Ertragsjahr"

Agrarlandesrat Hans Seitinger dazu: "Ein gutes Erntejahr ist nicht gleich ein hohes Ertragsjahr." Man hoffe, dass die heimischen Handelsketten bei steirischen Äpfeln, bei Tafelobst, Treue zeigten, sagte Titschenbacher. Bei Saftobst sei der Preis mit drei bis 5 Cent pro Kilo ohnehin im Keller: "Da bückt sich niemand auch nur um einen Apfel." Titschenbacher formulierte auch die Sorgen der Landwirte bezüglich Klimawandel: "Der ist voll da, im April und Mai lagen wir in der Steiermark vier Grad über dem langjährigen Durchschnitt". Viele Bauern setzten beim Anbau von Futterpflanzen bereits auf die trockenheitsverträglichere Hirse statt Mais. Das blühe auch der Forstwirtschaft: "Auch hier müssen wir trockenresistentere Arten weiterentwicklen, für eine klimafitte Bewirtschaftung."

Hans Seitinger, Franz Titschenbacher, Werner Brugner Foto © (c) Alexander Danner

Titschenbacher wies darauf hin, dass "Bauern faire Chancen und Perspektiven brauchen". Man habe vor einiger Zeit auf die Preissituation bei Schweinefleisch und Äpfeln hingewiesen. Laut Landesrat Seitinger sorgten gute Ernten bei Äpfeln vor allem in Polen bei gleichzeitigem Wegbrechen des russischen Marktes wegen der gegenüber der EU ausgesprochenen Sanktionen für eine schwierige Lage.

Vorgehen gegen Produkt-Täuschung

Kammerdirektor Werner Brugner sagte, der Bauer sei in den vergangenen Jahren ein gläserner geworden. "Mit Transparenz haben wir kein Problem, aber das erwarten wir auch von den anderen Partnern in der Wertschöpfungskette. Zusammen mit dem Schutzverband gegen unlauteren Wettbewerb habe man schon einiges abgestellt, etwa Fehlkennzeichnungen und Vortäuschungen. Eine Saftpackung sei zum Beispiel mit dem "Grünen Herz"-Logo der Steiermark gekennzeichnet gewesen, der Saft war aus polnischen Beeren.

So fiel die Ernte bei einzelnen Kulturen aus

Nach Kulturen gerechnet sah es beim Grünlandfutter ursprünglich gut aus, doch machte Dauerregen während der ersten Mahd die Trocknung am Feld unmöglich. In kleineren Teilen der Obersteiermark war es im Juli bis August zu trocken. Hier kam es vereinzelt zu Mindererträgen. Die steirischen Bauern bewirtschaften 175.082 Hektar Dauergrünland sowie 40.125 Hektar Almen und Almfutterflächen im Jahr 2018.

Bei Mais fiel die Erntemenge um rund zehn Prozent geringer als im sehr guten Vorjahr aus - in den Regionen waren den Angaben zufolge alle Situationen von Spitzenerträgen bis hin zu schweren "Ertragsdepressionen" zu finden. Der steirische Maisanbau hat flächenmäßig heuer um 5,2 Prozent auf 55.668 Hektar abgenommen und liegt damit mit 44 Prozent deutlich unter 50 Prozent der steirischen Ackerfläche.

Zugelegt haben bei der Anbaufläche Hirse und gentechnikfreier Sojabohne. Die Erträge schwanken zwischen durchschnittlich 2,8 Tonnen bis 5,5 Tonnen je Hektar. Mit durchschnittlich 3,5 bis vier Tonnen lagen die Erträge 2018 etwas über dem langjährigen Durchschnitt. Hirse hat sich in der Steiermark als trockenheitstoleranter erwiesen und kann den anfälligeren Mais als Schweine- und Geflügelfutter voll ersetzen. Die Hirsefläche - Sorghum plus Hirse - ist mit 3.134 Hektar (2017: 2.795 Hektar) im Vergleich zu 2017 um zwölf Prozent gestiegen.

Bei Getreide setzte es eine unterdurchschnittliche Ernte wegen extrem hoher Niederschläge in den Anbaugebieten. Diese ließen die Erträge um mehr als 25 Prozent einbrechen. Die Getreideanbaufläche betrug in der Steiermark im Erntejahr 2018 rund 24.874 Hektar und hat sich somit gegenüber 2017 (24.988 Hektar) um 0,5 Prozent verringert. Die Rapsflächen waren wieder im Steigen. Die Erntefläche 2018 betrug nur 247 Hektar, das waren aber 51 Prozent mehr als im Vorjahr. Raps wird in der Steiermark immer weniger zu Biodiesel verarbeitet.

Günstiges Hopfenwetter brachte die Erntemenge 2018 auf 184 Tonnen, um zwei Tonnen mehr als im Vorjahr, bei guter Qualität. Hopfen in der Steiermark wird von 13 Landwirten auf einer Fläche von 95 Hektar im Vertragsanbau kultiviert.

Den steirischen Erdäpfeln setzten sowohl große Wasser- als auch Trockenheitsschäden zu. Die Erträge bei Früherdäpfeln waren heuer aufgrund der hohen Niederschläge zu Beginn der Vegetationsperiode mit minus 30 Prozent deutlich geringer als im Vorjahr. Auch die reguläre Speiseerdäpfelernte war von Trockenheit im Grazer Feld geprägt. Die Kartoffelfläche lag bei rund 745 Hektar und damit gleichauf mit der Fläche im Vorjahr.

Beim Steinobst fuhr man eine gute Ernte bei Marille und Pfirsich ein, Ausfälle gab es aber durch sehr tiefe Wintertemperaturen, die viele Marillenbäume erfrieren ließen. Bei Kirsche und Zwetschke freute man sich über eine kaum getrübte Vollernte.

Der steirische Wein wurde heuer wegen der großen Hitze bereits Ende August zu lesen begonnen. Die Winzer erwarten einen "äußerst fruchtbetonten Jahrgang mit ausgezeichneter Qualität". Die Steiermark hat heuer mit 282.000 Hektolitern die zweitgrößte Ernte eingefahren. Das sind um elf Prozent mehr als im Jahr 2017 (256.000 Hektoliter).

Ein weiteres steirisches Paradeprodukt, der Ölkürbis, ist im Anbau zwar rückläufig gewesen, hat aber eine durchschnittlich gute Ernte erbracht. Auf 8.643 Hektar wurden Ölkürbisse angebaut, das sind minus neun Prozent (824 Hektar) gegenüber dem Vorjahr. Die Erntemenge beträgt rund 6.000 Tonnen.

Käferbohnen wurden auf rund 500 Hektar angebaut. Das ist ein Minus von 20 Prozent gegenüber 2017. Grund sind die vorhandenen Lagerbestände aus den beiden vergangenen Jahren mit sehr guten bzw. guten Ernten. Die heurige Erntemenge wird auf rund 300 Tonnen geschätzt.