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Steirerin des TagesMagierin in Moll

Künstlerin Anja Plaschg alias Soap&Skin (27) ist auf der Tonleiter des Schmerzes daheim. Die Musik für die neue Netflix-Serie „Dark“ stammt von ihr.

Anja Plaschg © Ruth Beckermann Filmproduktion
 

Wer Anja Plaschg alias Soap&Skin in Ruth Beckermanns Film „Die Geträumten“ sieht, kommt der medienscheuen Künstlerin so nahe wie sonst selten. Plaschg liest darin an der Seite von Laurence Rupp Briefe, die Ingeborg Bachmann an Paul Celan geschrieben hat.

Sie zeugen von unfassbar ungeschützter, leidenschaftlicher, verzehrender, aber letztendlich lebensunfähiger und schmerzgeplagter Liebe. Regisseurin Beckermann lässt die Kamera auf den beiden jungen Gesichtern vor den Mikrofonen, auch wenn der Ton im Funkhaus Wien abgeschaltet wird. Die beiden rauchen, reden, liegen am Boden und hören Musik, erzählen auch ein bisschen von sich. Es sind ungefilterte Momente höchster Konzentration.

„Wir wussten schon, dass wir uns da auf ein Experiment einlassen“, erzählte Plaschg dem „Falter“. Nachsatz: „So etwas mach ich auch immer gern.“

Das ist, milde gesagt, noch untertrieben: Ihre künstlerische Karriere entspricht einem Experimentalparcours. Einem, der die 1990 Geborene mit ihrer kompromisslosen Musik längst um die Welt führt. Mit 18 war sie bereits ein Star, ihre Myspace-Seite wurde gestürmt, nachdem der FM4-Spezialist für Kleinode des Undergrounds, Fritz Ostermayer, ihre Songs spielt.

Zur Person

Anja Franziska Plaschg, geboren am 5. April 1990, ist aufgewachsen in Katzendorf bei Gnas. Seit ihrem sechsten Lebensjahr spielt sie Klavier, mit 14 begann sie mit Geige, später wandte sie sich der elektronischen Musik zu.
Schon mit ihrem ersten Album „Lovetune for Vacuum“ (2009) begeisterte sie Musikkritik und Medien, drei Jahre später folgte „Narrow“ (2012).
Filme: „Stillleben“ (2012), „Die Geträumten“ (2016), Kurzauftritt in „Axolotl Overkill“ (2017).
Songs für Filme: u. a. „In 3 Tagen bist du tot 2“, „Breaking Bad“, „Stillleben“, „Dark“.
Preise: Europ. Border Breakers Award, Amadeus Music Award

Das Feuilleton arbeitete sich nach Album Nummer eins, „Lovetune for Vacuum“ (2009), an ihr ab, Magazine hoben sie aufs Cover und – lange vor Bilderbuch oder Wanda – waren sich die Musikkritiker aus dem deutschen Nachbarland einig: „Österreichs Next Wunderkind“, titelte zum Beispiel die „taz“. Und wer die Musikerin in einem ihrer frühen Gigs ihrer Band Soap&Skin, hinter der ausschließlich Plaschg steht, erlebte, war betört von dieser mark- und beinerschütternden Intensität, der Zerbrechlichkeit dieser Person auf der Bühne und der wunderbaren Verstörung, die ihre Stimme auslöste. Es war, als stöße sie mit vielen Dolchen gleichzeitig in die Herzen ihres Publikums. Direkt; ohne Aufwärmphase.

Egal, ob sie zärtlich ins Mikro flüsterte, sich unter ihrem Klavier versteckte oder einen brachialen Gänsehauterregungsschrei ausstieß. Schnell war klar: Diese Künstlerin ist auf der Tonleiter des Schmerzes daheim. Die Frauenrolle, den Stempel „kleine, zerbrechliche Prinzessin der Düsternis“, den man ihr schnell aufdrückte, den hatte sie bald satt. Gefallen, das wollte sie nie. Und dieses Nichtgefallenwollen, das verstört noch immer viele.

Ihr zweiter Albumstreich folgte nur ein Jahr später – mit „Narrow“ eroberte sie schließlich auch Platz eins der österreichischen Albumcharts, war international erfolgreich. Im Song „Vater“ besingt, betrauert und beweint sie den Tod ihres Vaters. Es ist ein atemraubendes Torkeln zwischen Taubheit und Trauer.

Wo immer ich aufschlage find’ ich dich. Du fällst im Schatten der Tage als Stille und Stich.

Soap&Skin, Passage aus dem Song "Vater"

„Wo immer ich aufschlage find’ ich dich. Du fällst im Schatten der Tage als Stille und Stich“, heißt es darin. Und spätestens zu diesem Zeitpunkt war ihr Ruf als Königin der Dunkelheit, als Magierin in Moll einzementiert – auf Bühnen, in Clubs, im Burgtheater oder bei „Voices for Refugees“.

Auf Album Nummer drei warten Fans schon lange. „Ich werde für einen italienischen Spielfilm die Filmmusik machen. Parallel dazu schreibe ich daran, das kann aber noch dauern“, erzählte sie der Kleinen Zeitung im Juli 2016. Und: Mit ihrer vierjährigen Tochter möchte sie nach den Jahren in der Öffentlichkeit „vom Leben mehr erfahren und lernen“.

Die Zeit des Wartens kann man gut nützen: für ihre Auftritte in den ausgezeichneten Spielfilmen „Stillleben“, wo sie unter der Regie von Sebastian Meise eine Prostituierte spielt. Oder eben als Darstellerin in Ruth Beckermanns „Die Geträumten“. Und: Die Titelmusik der neuen düsteren Netflix-Serie „Dark“ stammt in Zusammenarbeit mit Apparat von ihr. Dunkle Nacht, Silhouetten im Gegenlicht und eine Höhle im Wald – und schon ist man drinnen im Gänsehautgrusel. Soap&Skin hindert daran nicht. Im Gegenteil.

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