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Neun Spitäler und drei Ärztesysteme

Die steirische Gesundheitsreform wird Mitte November präsentiert. Es bleiben neun Leitspitäler bis 2035, es gibt dann 1500 Spitalsbetten weniger, aber fast 100 neue Ärztezentren sind geplant.

Steirische Gesundheitsreform
Steirische Gesundheitsreform © Fotolia
 

Die steirische Gesundheitsreform steht. In einem Land, wo jeder Bürgermeister sein Krankenhaus mit Zähnen und Klauen verteidigt, obwohl man längst weiß: Dieses System, das jahrzehntelang von politischen Parteien gedeckt, gefördert und in wechselnden Allianzen am Leben gehalten wurde, ist nur noch eine Beruhigungspille für die Bevölkerung. Denn das Geld, das nach wie vor ins System fließt, könnte man längst besser einsetzen. Man muss besser versorgen, betreuen, therapieren. Das ist die zentrale Herausforderung. Wir haben die wichtigsten Eckdaten, Pläne und Ideen zusammengefasst.


Neun Spitäler werden voraussichtlich bis 2035 übrig bleiben (aktueller Stand: 15 Spitäler/23 Standorte). Sechs Leitspitäler befinden sich in den Regionen der Steiermark, drei in Graz (siehe Grafik). Insgesamt wird es zu einer Reduktion von heute 7294 auf unter 6000 Spitalsbetten kommen. Das sind weniger Betten, als die vormalige Gesundheitslandesrätin Kristina Edlinger-Ploder in dem vor allem in der eigenen Partei umstrittenen Regionalstrukturplan 2020 vorgesehen hatte. Ihr Nachfolger Christopher Drexler reduziert also wesentlich intensiver die Spitalsbetten – es war ein politischer Kraftakt, auch die SPÖ von diesem Vorhaben zu überzeugen. Die größten Aufreger: Längst kennt man Rechenmodelle für zwei Spitalsneubauten (siehe auch Grafik), für die man aber erst das Geld aufbringen muss. Das LKH Judenburg/Knittelfeld könnte mit dem LKH Stolzalpe zu einem Haus zusammengefasst werden. Rottenmann, Schladming, Bad Aussee ebenso – das Projekt hat Priorität, denn hier drängt die Zeit besonders, weil gewisse Erreichbarkeiten/Zeitlimits nicht mehr wie vorgeschrieben angeboten werden können. Ein weiterer Hintergrund: Aufgrund zu geringer Fallzahlen, des neuen Ärztearbeitszeitgesetzes und der neuen Ausbildungsverordnung sind Kleinabteilungen Auslaufmodelle. Aber für den Neubau muss auch Geld da sein.


Dass das LKH Hartberg beim LKH Oberwart angeflanscht wird, gilt als umstritten. Aber es ist ein Thema, wenn man sich mit den Burgenländern, die neu bauen, finanziell einigen kann.
Wer all diese Zahlen, Daten und Fakten nur oberflächlich wahrnimmt, könnte geschockt sein. Aber ein Satz aus einem der Reformleitbilder macht klar: „Für eine qualitativ hochwertige Versorgung hat das Krankenhausbett nicht mehr den Stellenwert wie in früheren Jahren.“ Das ist dem medizinischen Fortschritt geschuldet. Und ebenso der Digitalisierung unseres Lebens. Internetkonzerne arbeiten etwa an Nanochips, die in unserem Blutkreislauf unterwegs sind und die ständig alle Parameter ans Handy weitergeben können. Das mag Zukunftsmusik sein. Aber die wenigsten wissen, dass es schon heuer geplant war, die medizinische Variante des Supercomputers Watson von IBM auch in einem steirischen Krankenhaus zu installieren. Wenn ein Arzt die Diagnose stellt und eine Therapie vorschlägt, kann Watson abklären, ob die Arztentscheidung den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen entspricht. Entscheidet sich der Arzt gegen Watsons Vorschlag und hat mit seiner Therapie einen besseren Erfolg, lernt Watson das und schafft ein neuartiges Wissensnetzwerk.


78 Prozent Steigerung: Eine Zahl, die den demografischen Wandel in der Steiermark ausdrückt. Von den frühen 2000er-Jahren bis 2035 wird die Generation 65+ von knapp 200.000 auf über 350.000 Menschen steigen. Das könnte unser aktuelles, spitalsorientiertes System niemals verkraften. Und nicht jeder alte Mensch benötigt, wenn er krank ist, gleich ein Spitalsbett. Ganz bewusst werden auch schon heute die Weichen gestellt: Vom Verbund Deutschlandsberg/Voitsberg wird de facto bis 2035 ein Spital übrig bleiben – das zweite Haus wird zur Anlaufstelle für ältere Patienten, die spezielle Beratungen, neue ambulante, tagesklinische Versorgungsformen dann dringender denn je benötigen. Das sind die Schlagwörter, um die es gehen wird. Und um eine Rundum-Versorgung, die ein einzelner Arzt alleine nicht mehr bieten kann.


Eine neue Dreiteilung der Versorgung wird noch für Aufsehen sorgen. Wie ernst es dem Land und dem planenden Gesundheitsfonds ist, zeigt das Beispiel Mariazell. Statt des LKHs hat man dort ein primäres Versorgungszentrum mit mehreren Ärzten/Gesundheitsberufen eingesetzt. Damit wurde das alte System ausgehebelt. Gegen den Willen der Ärztekammer, die das Geschäftsmodell Einzelarzt zerbröseln sieht. Land wie Planer setzen auf drei Ärztesysteme, die vor allem in strukturschwachen Gebieten die Versorgung sicherstellen sollen. Zuerst steht der Telefondienst rund um die Uhr. Allgemeine medizinische/gesundheitliche Fragen können genauso wie psychosoziale gestellt werden. Der Telefondienst (Arzt) kann Hinweise zur Eigenversorgung genauso geben wie er Termine, Krankentransporte, Überweisungen organisieren kann.


Dann kommt die Primärversorgung mit einem Team aus Ärzten/Gesundheitsberufen. Wohnortnah, mit längeren Öffnungszeiten, samt Therapiemöglichkeiten – von pädiatrischen Fällen bis zur Altersversorgung. Auch das gefällt nicht allen im System, aber es wird zur Notwendigkeit, weil zwei Drittel der Landärzte in den nächsten zehn Jahren in Pension gehen. Fast 100 solcher Zentren sind bis 2035 geplant.


Die dritte Stufe: Fachärzte, ambulante fachärztliche Versorgung und Facharztzentren. Samt tagesklinischer ambulanter Funktionsbetten. Die Facharztzentren sollen sich in und aus den heutigen Krankenhäusern entwickeln.

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Danke für Ihr Verständnis.

derpanther
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wie ????

hat man die beste medizinische Versorgung wenn das nächste Krankenhaus für die Rettung 1 stunde entfernt ist??? z.B Herzinfarkt!! da geht's um Minuten. der Hubschrauber kann bei Schlechtwetter auch nicht helfen. Pech gehabt oder???

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bobbybrown
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Erstversorger

müssen aber erreicht werden!
Die 80+Patienten, die nicht mehr mit dem Auto fahren und öffentliche Verkehrsmittel nicht benutzen können (da gebrechlich), wie werden diese Pat. zum Versorgungszentrum gebracht und wer bezahlt das????

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bitteichweisswas
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Dafür!

Es liegt in der Natur bei angekündigten Reformen aufzuschreien und an dem Altbewährten festhalten zu wollen.

Ich wünsche mir für mich und meine Lieben im Fall der Fälle die bestmögliche medizinische Versorgung. Die sehe ich nur bei modern eingerichteten medizinischen Zentren mit entsprechend ausgebildeten und routinierten Ärzten. Und dafür kann diese Einrichtung in unserer Zeit der Mobilität ruhig ein paar Kilometer weiter entfernt sein, als die nächstgelegene, liebgewordene Spitalsambulanz.

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cantfox
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Notfallversorgung

Die Notfallversorgung wäre schon in unmittelbarer Nähe notwendig.

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argus13
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Genial

was LR Drexler und seine "Experten" ausgetüftelt haben. Zum Zusperren muss man nicht so viel Geld ausgeben. Wou woar mei Leistung muss man bei seinem Gehalt fragen dürfen! Wo kommt das Geld für all die neuen Einrichtungen. Telefonmedizin ist toll, wenn dann z.B. bei Bauchschmerzen Tee verordnet bekommt und man am Blinddarm operiert werden müsste- wer übernimmt die Haftung - der LR? Die Patienten werde heute schon von den Ambulanzen/GKK zu den zu wenigen niedergelassenen Ärzten abgeschoben. Die LKHs reduzieren die Kosten ebenso wie die GKK! Der Patient bleibt übrig. LR und seine Experten wünsche ich wie mir eine Wartezeit auf eine lebensnotwendigen OP von 17 Stunden im Bett am Gang!

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cantfox
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Rottenmann, Schladming, Bad Aussee

Im flächenmässig grössten Bezirk von Österreich ist ein neues Krankenhaus geplant. Aus drei Krankenhäusern soll, laut der Gesundheitsreform des Landes Steiermark, ein neues Krankenhaus, laut der Kleinen Zeitung in Liezen, entstehen. Man bedenke aber, dass das Krankenhaus in Schladming und Bad Aussee neu errichtet wurden und das Krankenhaus in Rottenmann erweitert wurde. Ein neues Krankenhaus in Liezen würde auch dazu führen, dass das Krankenhaus in Schwarzach-St.Veit (Salzburg), statt Schladming und das Krankenhaus Bad Ischl (Oberösterreich), statt Bad Aussee aus geographischen Gründen herangezogen würden. Ich möchte auch erwähnen, dass Gemeinden des Bezirkes Liezen Petitionen für den Erhalt der 3 Krankenhäuser im Gemeinderat abgegeben haben.

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JoSil
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Das geile an der modernen Medizin

ist, dass man von Jahr zu Jahr immer mehr und besser Krankheit erkennen und behandeln kann. Das heißt auch dass es immer mehr Methoden gibt, die jemand beherrschen muss. d.h. die Ärzte müssen sich noch vielmehr spezialisieren als heute, damit sie das was sie machen auch oft genug tun um in der Übung zu bleiben. Das geht nur, wenn es weniger aber dafür erstklassige Spitäler gibt. Für die Erstversorgung sind dann Ärztezentren zuständig.
Diese Reform ist daher goldrichtig.

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Liezen
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Kronenzeitungsniveau

Transplantationen werden ja nicht in jedem KH gemacht.

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walter1955
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die eine

private Krankenversicherung haben die wird es nicht treffen
aber alle anderen sind der Politik wurscht
armes Österreich das von solchen Politikern missbraucht wird

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JoSil
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Irrtum

Irrtum, guter Freund! gerade die Sonderklasseversicherung gilt nur für Krankenhausaufenthalte, also wenn man mehrere Tage in einem Krankenbett liegt. Bei ambulanter Versorgung sind alle gleich. Wenn also mehr ambulant gemacht wird, so gibt es WENIGER sog. Zweiklassenmedizin.

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