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Internationaler Ansturm

Wie Gratis-Tattoos einen Grazer fast in Ruin trieben

Stichtag: Vor einem Jahr kündigte Grazer an, jedes Tattoo gegen Rassismus gratis zu stechen. Das brachte weltweite Aufmerksamkeit, aber ihn emotional und finanziell an die Grenzen.

Wollte mit Gratis-Tattoos lebenslange Zeichen gegen Fremdenhass setzen: Der Grazer Tattookünstler Alex Smoltschnik
Wollte mit Gratis-Tattoos lebenslange Zeichen gegen Fremdenhass setzen: Der Grazer Tattookünstler Alex Smoltschnik © Pride and Glory
 

Es war eine Zeit, in der rundherum gerade alles hochging. Und gleich darauf ging auch bei ihm alles hoch. Weil ihm all der Hass und die Fremdenfeindlichkeit im Vorjahr im Zuge des zunehmenden Flüchtlingsstromes zu viel wurden, entschied sich der Grazer Tattookünstler Alexander Smoltschnik vor exakt einem Jahr zu einer ungewöhnlichen Aktion: Jeder, der innerhalb einer Woche eine Tätowierung bei ihm bestellte, die sich in der Bildsprache gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit richtet, bekam diese gratis. Fürs Peckerl nichts pecken quasi.

Internationaler Ansturm

Gerechnet hat der vielfach ausgezeichnete Körperzeichner „mit 10 bis 15 Freunden, die mitmachen“. Aber es kam anders: „Ich wurde völlig überrannt, aber es gab für mich kein Zurück, das wäre feig gewesen“, erzählt Smoltschnik, den sie alle Alex nennen, ein Jahr danach. Insgesamt trudelten Hunderte Anfragen aus allen Teilen der Welt herein.

Tattoos gegen Rassimus: Diese Tattoos hat ein Grazer gratis gestochen

Gratis-Tattoos gegen Fremdenhass

Vor einem Jahr kündigte der Grazer Tattookünstler Alex Smoltschnik an, als Zeichen gegen zunehmenden Fremdenhass jedes Tattoo gegen Rassismus gratis zu stechen.

Dunst

Gratis-Tattoos gegen Fremdenhass

Vom internationalen Ansturm auf diese Aktion wurde Alex völlig überrascht, er arbeitete bis Dezember an den Gratis-Tattoos, wie er im Kleine-Zeitung-Bericht erzählt.

Pride and Glory

Gratis-Tattoos gegen Fremdenhass

Klicken Sie sich durch die Bilderserie mit Tattoos, die Alex im letzten Jahr gratis gestochen hat.

Pride and Glory

Gratis-Tattoos gegen Fremdenhass

Alex' Lieblingsmotiv unter den vielen Tattoowünschen gegen Rassimus: Der "Black-Power"-Gruß von Sprint-Olympiasieger Tommie Smith 1968

Pride and Glory

Gratis-Tattoos gegen Fremdenhass

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Auch Kinderzeichnungen wurden verewigt

Pride and Glory

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Gratis-Tattoos gegen Fremdenhass

Alex vor seinem Tattoostudio Pride & Glory in der Grazer Mariahilferstraße

Pride and Glory
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„Ich habe gar nicht mitgezählt, wie viele es im Endeffekt waren. Aber ich habe bis Mitte Dezember an den Gratistattoos gearbeitet.“ Das Potpourri reicht von friedliebenden Kinderzeichnungen, die unter die Haut gehen, über Anti-Hakenkreuz-Logos bis hin zu Pandabären, die ja bekanntlich Schwarz und Weiß in sich vereinen können.

Gratis-Arbeit wurde existenzbedrohend

Doch die kostenlose Arbeit hatte gravierende Folgen: „Das Ganze brachte mich emotional und finanziell an meine Grenzen, und sogar darüber.“ So konnte er etwa die Miete für sein Studio „Pride & Glory“ in der Mariahilferstraße fast nicht mehr bezahlen. „Ohne meine Partnerin wäre das alles existenzbedrohend gewesen.“

Das war im Prinzip der Preis für weltweite Aufmerksamkeit. Denn kurz nach dem Erstbericht der Kleinen Zeitung rannten ihm Zeitungen und Fernsehstationen aus allen Teilen der Welt die Tür ein. Alex zählt auf: „ABC New York hat genauso berichtet wie BBC London, Korean TV, Russian TV und die deutschen Privatsender.“

Hass geerntet

Ein Zeichen gegen den Hass wollte er setzen – doch insbesondere in vielen Online-Foren zu Berichten über seine Aktion hat Alex selbst umso mehr Hass geerntet: „Ich konnte mir das irgendwann nicht mehr anschauen, so viel Feindseligkeit ist da ungefiltert auf mich hereingeprasselt. Ich konnte das fast nicht verkraften, schließlich bin ich Künstler und daher von Natur aus sensibel.“

"Werden ständig auf Tattoos angesprochen"

Doch als Alex kürzlich zum Jahrestag der Aktion ernüchtert via Facebook feststellte, „dass sich leider noch immer nichts geändert hat“, kam wieder alles anders. Reihenweise trudelten die Rückmeldungen jener Kunden ein, die im Vorjahr unter seine Nadel kamen und seither ein sichtbares, lebenslanges Zeichen gegen Rassismus tragen. Tenor: „Wir werden alle ständig auf das Tattoo angesprochen. / Wenn es nur einen zum Umdenken anregt, haben wir schon gewonnen.“ So resümiert Alex: „Im Großen konnte ich vielleicht nichts verändern. Aber im Kleinen schon. Das freut mich.“

Also ist ein Dacapo der Aktion möglich? „Sag niemals nie“, sagt Alex, „aber wenn, dann würde ich die Bandbreite der Gratistattoos stark eingrenzen. Ich kann nicht noch einmal monatelang am Existenzminimum leben.“