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Wildniszone

Die Steiermark wird jetzt zum Urwaldgebiet

Mitten in Österreich liegt der letzte Urwald Mitteleuropas. Jetzt soll die unberührte Wildniszone auf steirisches Gebiet ausgedehnt werden. Die Parteien sind sich einig, gerungen wird noch ums Geld. Von Günter Pilch

Geschützte Tiere wie der Steinadler sind in der Wildniszone zuhause
Geschützte Tiere wie der Steinadler sind in der Wildniszone zuhause © Benshot - Fotolia
 

Umgestürzte Bäume, die mehrere Hundert Jahre alt sind, seltene Pilz- und Farnarten, geschützte Tiere wie Luchs und Steinadler, die von Menschen völlig ungestört leben: Für Ökologen ist das 400 Hektar große Schlucht- und Berggebiet nördlich der steirisch-niederösterreichischen Landesgrenze ein Paradies, das es in unseren Breiten kein zweites Mal gibt. Die Rede ist vom „Rothwald“, dem letzten echten Urwald Mitteleuropas.

Seit sich das Waldareal am Ende der Eiszeit an den Ausläufern des Ötschergebiets gebildet hat, ist es von menschlichen Einflüssen völlig abgeschottet geblieben. Eine Bewirtschaftung hatte sich an den steilen Berghängen nie gerechnet, was sich später als ökologischer Glücksfall erwiesen hat. Heute ist der Urwald das einzige von der Weltnaturschutzorganisation IUCN anerkannte Wildnisgebiet Österreichs. Ein Gebiet, das laut UNO aber ausgeweitet werden sollte.

Der Rothwald

Der Rothwald umfasst rund 400 Hektar Fläche, die von menschlichen Einflüssen seit jeher gänzlich unberührt geblieben sind. Unter Schutz stehen bislang
insgesamt 3500 Hektar.

Das Gebiet ist äußerst abgelegen und nur schwierig zu erreichen. Es gibt aber sanften Tourismus wie Natur- und Survivaltouren.

Infos unter: www.wildnisgebiet.at

Niederösterreich hat die Schutzzone rund um den eigentlichen 400 Hektar großen Urwald in den vergangenen Jahren kräftig ausgedehnt. 3500 Hektar Waldfläche, die nicht mehr verändert werden dürfen, umfasst das Wildnisgebiet heute. Jetzt will auch die Steiermark nachziehen. Direkt angrenzend sollen weitere 5600 Hektar Waldfläche im Bereich des steirischen Lassingtals unter den strengen Schutz gestellt werden. Der Beschluss ist für die heutige Landesregierungssitzung geplant.

Der letzte Urwald - geplante Erweiterung
Der letzte Urwald - geplante Erweiterung Foto © Kleine Zeitung

Der Steirer Herbert Gartner hat als Triebfeder hinter dem Projekt mehrere Unternehmer hinter sich geschart, die für die Ausdehnung des Gebiets eintreten. „Wir haben inzwischen von allen Parteien ein mündliches Commitment für die Erweiterung. Das Gebiet ist wie ein Märchenwald, der einen verzaubert“, schwärmt der Inhaber einer Beteiligungsgesellschaft. Umweltlandesrat Gerhard Kurzmann (FPÖ) ist von der Sinnhaftigkeit der Maßnahme überzeugt: „Wildnisgebiete und Kulturlandschaften sind kein Gegensatz. In unserem Land gibt es Gebiete, die der Natur für immer zurückgegeben werden sollten.“

0,5 Prozent des Waldes

Das betroffene Areal umfasst etwa 0,5 Prozent der steirischen Waldfläche. Wird es unter Schutz gestellt, darf es nur noch entlang gekennzeichneter Wege betreten werden, Rodungen oder Jagden sind tabu. Stattdessen soll das Areal weiter für sanften Tourismus genutzt werden (siehe Infobox). Bis alles in trockenen Tüchern ist, muss allerdings noch die nicht unproblematische finanzielle Frage geklärt werden. Das gesamte Gebiet ist im Besitz der Bundesforste, die vom Land Steiermark Entschädigungszahlungen fordern. Wie hoch diese sein sollen, darüber wird hinter den Kulissen intensiv verhandelt. Allzu große Summen wollen die Steirer nicht lockermachen, zumal das unwegsame Gebiet auch bisher forstlich nicht voll genutzt werden konnte. Eine Einigung steht bislang aus.

GÜNTER PILCH

Kommentare (21)

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Möchte mal wissen was da der Bund für finanzielle Forderungen macht??
Die sollen gefälligst zusammenarbeiten.
Wirtschaftlich nutzbar ist das meiste aufgrund der Steilheit ja nicht.
Und wieso zeigt der Bund kein Interesse an solchen Projekten überhaupt??
Da will schon wieder jemand abkassieren im Hintergrund??

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oottoo
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Das ist unser Wald

Dieser Wald gehört den ÖBf und damit indirekt uns Steuerzahlern. Wenn die ÖBf hier zuviel Geld verlangen oder gar das Projekt zum Scheitern bringen, wird sich das sehr negativ auf das Image der ÖBf auswirken.

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Ganz toll!

Zum Glück gibt es noch Politiker der ein Herz für die Natur zeigt!

Auch toll, dass es sich bei den Politiker um einen der FPÖ handelt, da es zeigt, dass auch die Blauen regieren können.

Freue mich über diesen tollen Erfolg und über den Schutz unseres Naturjuweles

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petrbaur
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sieht man ganz aktuell wieder mal beim herrn dobernig ;)

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sebach1
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Dobernig

falsches Thema was hat Dobernig mit dem Urwald zu tun?

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kraxler
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Einzigartig

JA! Gerade solche Projekte sollten wir fördern, Gott sei Dank gibt es noch Menschen die sich entsprechend engagieren, wird ja auch nicht leicht sein! Ein toller Schritt gegen all die grauslichen Verschandelungen die sonst noch immer und verstärkt unserer Natur angetan werden. Weiter so!

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TitusLivius
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@ Kraxler: Genau so sehe ich das auch!

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RadfahrenderGrazerGutmensch
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Dieser Wald

ist das totale Gegenteil zu den naturfeindlichen Fichtenmonokulturen die Österreich überziehen.
Schön das zumindest in Graz die stadteigenen Wälder inzwischen naturnah bewitschaftet werden wo Fichtenmonokulturen der Vergangenheit angehören...

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yolo!

unsere wälder sind schon so stubenrein, also ob das noch funktioniert und gehört zu einen urwald nicht auch der wildtierbestand, ich meine nur... wir össis haben es sogar geschaft den steinbock auszurotten :/

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Bären

Noch vor wenigen Jahren lebten in diesem Gebiet einige Braunbären. Leider kann man in Österreich kein Wildtier und kein Gebiet so sehr schützen, dass es sicher vor unserer wildernden und trophäengeilen Jägerschaft wäre.

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spreitzi02
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Urwald??

Damit das Waldgebiet als Urwald erhalten werde kann muss es samt der umgebenden Wälder dem Tourismus total entzogen werden. Touristen und Urwald widersprechen sich!! Aber es ist immer das selbe. Erst werden die Bewirtschafter als "böse" hinausgedrängt dann ergießen sich die Massen dde "guten" Touristen in den Wald!!
Was dann entsteht ist eine Showversion eines Naturwaldes!!!

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Efried
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echt jetzt?

In der Hochsteiermark werden in den nächsten Jahren viele solche Gebiete entstehen, ganz von selbst durch Vernachlässigung.

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oottoo
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Tolles Projekt

Die Niederösterreicher sind uns hier weit voraus. Hoffe das Projekt gelingt.

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ahoermer
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hoffe nur

dass die Steiermark den Grundeigentümern nicht annähernd die Summe zahlen muss, die der Grundeigentümer in Niederösterreich erhalten hat (mehrstelliger Millionenbetrag)

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oottoo
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Tolles Projekt

Die Niederösterreicher sind uns Steirer hier weit voraus. siehe www.wildnisgebiet.at

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ottiundemmi
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Urwald

Ein El-Dorado für den Borkenkäfer.

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siddhartha
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Genau NEIN! Im Urwald regelt sich die Natur selbst. Borkenkäfer befallen Fichtenmonokulturen, die aus Profitgier noch immer aufgeforstet werden.

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underfire1912
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Nein, ganz im Gegenteil : Wahr ist,

der Borkenkäfer, meist von der Monokultur kommend, geht und ging immer ca. 20 m in den Rothwald hinein und dann bleibt der Vormarsch stehen. Da ist alles gesund im Rothwald und selbstregenerierend.

zu "ottiun d?mmi" Wie kommen Sie übrigens dazu, so unqualifizierte Aussagen zu treffen. Nix dabei gedacht, einfach nur mal "drüberprovozieren" oder bewußte Falschmeldung als Monokulturanhänger oder gar halbgebildeter Jäger?

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ottiundemmi
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Urwald

Jetzt fehlt nur noch ein Dino in Form von underfire1912

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jahcity
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Mit dem Klimawandel

werden auch die 95% Fichtenmonokulturen verschwinden....

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sebach1
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Urwald

ich kenne dieses Gebiet, wir waren vor Jahren mit einer Gruppe in diesem Wald dort wachsen Tannen die konnten 8 Mann nicht umgreifen. Von Borkenkäfer und anderen Schädlingen war nichts zu merken, also dieses Gebiet muß unbedingt erhalten bleiben!!!

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