Wer in den Lagerhallen bei Sattler in Gössendorf nach großen Stoffballen sucht, tut dies vergebens. Die Spezialtextilien, die dort unter anderem für den Außenbereich und für Lkw-Planen hergestellt werden, bestehen aus Hightech-Materialien: Spinndüsengefärbtes Acryl, Polyester und hochtechnische Beschichtungen sind das Mittel der Wahl, um Witterungsbeständigkeit im Freilufteinsatz zu erreichen. Gartenmöbel und Markisen müssen Wind und Wetter trotzen können, ihre Farben sollen auch unter der sonnenbedingten UV-Belastung Bestand haben – und das bis zu 20 Jahre lang.

Die Kunstgriffe, die dafür notwendig sind, werden maßgeblich im Labor des Familienunternehmens mitgestaltet. „Wir beschäftigen ein Team aus rund zehn Chemikern und Kunststoffingenieuren, die ausschließlich in Forschung und Entwicklung tätig sind“, sagt Alexander Tessmar-Pfohl, der Vorstandsvorsitzende der Sattler Group. Als Vater von Kindern und „hoffentlich auch Enkelkindern“, sei es ihm nicht egal, wie es mit dem Klimawandel weitergeht – daher sieht er die Nachhaltigkeit seines Betriebs als wachsende Priorität an.

Wasser- und schmutzabweisende Beschichtung

Ein großer Hebel dafür sind Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen (PFAS), die dafür sorgen, dass Textilien wasser- und schmutzabweisende Eigenschaften erhalten. Die EU-Chemiebehörde ECHA hat letzte Woche ein weitreichendes Verbot dieser Ewigkeitschemikalien angeregt, wenig überraschend, wenn man sich die damit verbundenen Gesundheitsrisiken vor Augen führt. Ganze Branchen suchen daher schon seit längerem nach Alternativen zu PFAS, auch bei Sattler rücken umweltfreundliche Ersatzsubstanzen in den Fokus. „Schon früh haben wir begonnen, unsere Produkte umzustellen, um PFAS gänzlich zu vermeiden – auch wenn das bedeutet, dass nicht mehr alle Produkteigenschaften möglich sind.“

© Sattler Group

Anders ist das bei den Lkw-Planen, die Sattler als 150 Jahre altes Familienunternehmen herstellt. In den Anfangsjahren waren es noch „Plachen“ für Kutschen aus Flachs oder Wolle, die mit einem Paraffinüberzug wasserfest gemacht wurden. Heute bestehen sie aus hochfesten Polyestergeweben, die den Belastungen des modernen Transportverkehrs standhalten können. „Hier ist es uns gelungen, den ökologischen Fußabdruck der Planen zu verringern, indem wir umweltverträgliche Chemikalien für die Beschichtung und ein recyceltes Garn für das Gewebe verwenden“, sagt Tessmar-Pfohl.

Öko-Planen kosten um 30 Prozent mehr

30 Prozent Mehrkosten würden solche Öko-Planen verursachen, die Nachfrage sei aber gegeben, weil auch die Transportunternehmen nach Wegen suchen, ihre Klimabilanz zu verbessern. „Auch wenn das Lieferkettengesetz und die Berichtspflichten aufgeweicht wurden, heißt das nicht, dass plötzlich alle Nachhaltigkeitsaktivitäten zum Erliegen kommen. Im Gegenteil: Wir möchten als kleines Unternehmen vorzeigen, dass Nachhaltigkeit in den unterschiedlichsten Bereichen erreicht werden kann“, sagt Tessmar-Pfohl.

Dazu gehöre auch, sich über das Nachleben der Produkte Gedanken zu machen, wenn sie nach 20 Jahren Einsatzzeit ausgemustert werden. Bislang führt an der thermischen Verwertung – vulgo verbrennen – kein Weg vorbei. Die Forschung sucht aber nach Wegen, alte Gewebe wiederverwertbar zu machen. Tessmar-Pfohl: „Beim chemischen Recycling könnten aus alten Kunstfasern neue geschaffen werden. Das ist aber noch Zukunftsmusik.“