Drei Wochen nach dem Vorfall hat Ines R. (30) aus Graz noch immer Angst, aus dem Haus zu gehen. Eine Gassirunde mit Hund Oskar in ihrem Wohnviertel kostet sie große Überwindung. Denn was dem Rüden und seiner Besitzerin am 26. Februar passiert ist, hat bei ihr nicht nur körperlich Spuren hinterlassen.

Mit Oskar an der Leine ging die 30-Jährige an diesem Morgen auf ihrer üblichen Runde über den Tegetthoffplatz bei der Mittelschule St. Leonhard, als ihr ein Mann mit vier Hunden entgegenkam. Drei davon (mutmaßlich American Staffordshire Terrier) führte er an der Leine, ein kleiner schwarzer Hund lief frei daneben. Dieser ist plötzlich auf sie zugerannt und hat sich in Oskar festgebissen.

Auch American Staffordshire Terrier waren offenbar an der Attacke beteiligt (Symbolbild)
Auch American Staffordshire Terrier waren offenbar an der Attacke beteiligt (Symbolbild) © APA

Nachdem der Halter mit den anderen Hunden herbeigeeilt war, habe dieser aber nicht geholfen oder versucht die Situation zu beruhigen, schilderte die Grazerin später der Polizei. Stattdessen seien auch die anderen Hunde auf Oskar losgegangen. Beim Versuch, ihren Liebling zu retten, wurde Ines R. in die Hand gebissen. Und der Halter? „Er hat einfach nur zugeschaut. Er hatte überhaupt keine Kontrolle über seine Hunde.“

Hund wurde von Tierarzt notoperiert

Irgendwie gelang es Oskar, aus seinem Geschirr zu schlüpfen und zu flüchten. Der kleine schwarze Hund sei ihnen noch bis vor die Haustür gefolgt, berichtet Ines R. Im Stiegenhaus erlitt die 30-Jährige einen Nervenzusammenbruch und begann zu schreien, eine Arzthelferin kam ihr zur Hilfe und beruhigte sie.

Oskar musste wegen mehrerer Bissverletzungen an der Schulter und an der Pfote notoperiert werden. „Erst diese Woche bekam er seine Klammern heraus. Der ganze Oberkörper war blau und gelb“, schildert Sebastian S., Partner von Ines R. Beide haben die Hundeattacke noch am selben Tag bei der Polizei angezeigt und auch dem Veterinäramt Graz gemeldet.

Dabei erfuhr das Paar, dass der Halter bereits einschlägig amtsbekannt ist. „Nachdem wir die Adresse genannt haben, hat man schon gewusst, um wen es dabei geht“, erzählt der Grazer. So sei der Mann schon wegen Verstößen gegen die Maulkorb- bzw. Leinenpflicht aber auch wegen der Haltung seiner Tiere aktenkundig gewesen. Unabhängig davon habe ihnen auch ein Zeuge des Vorfalls bestätigt, dass der markant aussehende Mann und dessen vier Hunde schon „negativ aufgefallen“ seien.

An einer Lösung wird gearbeitet

Dass nach Aussagen der Behörden „an einer Lösung gearbeitet“ werde, beruhigt die beiden Grazer aber wenig. Denn, so die Auskunft aus dem Amt, sei eine Intervention bisher an der Kooperation des Hundehalters gescheitert. S. schüttelt den Kopf: „Für jedes Vergehen im Straßenverkehr wird man sofort bestraft, hier gibt es keine Konsequenzen. Muss da erst etwas im Schulhof passieren, damit etwas geschieht?“

Hunde ohne Leine: In der Stadt ist das nur in eingezäunten Freilaufzonen möglich
Hunde ohne Leine: In der Stadt ist das nur in eingezäunten Freilaufzonen möglich © Jürgen Fuchs

Gesetz sieht auch Tierabnahmen vor

Auf Anfrage der Kleinen Zeitung wollte das Grazer Veterinäramt zu einem Einzelfall grundsätzlich keine Auskunft geben, berief sich dabei auf den Datenschutz, zumal es sich um ein laufendes Verfahren handelt. Nur so viel: Den Handlungsrahmen für eine mögliche Tierabnahme bilde das Landessicherheitsgesetz.

Darin heißt es übrigens: Halter von Tieren „haben diese in einer Weise zu beaufsichtigen oder zu verwahren, dass dritte Personen weder gefährdet noch unzumutbar belästigt werden.“ Neben Verwaltungsstrafen bis zu 5000 Euro ist bei einer Übertretung auch der „Verfall der Tiere“ (also dauerhafte Abnahme) möglich – und zwar dann, „wenn zu erwarten ist, dass bei einer Rückgabe des Tieres an die Tierhalterin/den Tierhalter weiterhin Gefahr besteht.“